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Alexander Wehrle: „Der Aufstieg des FC wäre ein Segen“

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Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln. Foto: Rainer Dahmen
FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle spricht im Interview über seine Aufgabe beim 1.FC Köln und das Klub-Potenzial. Am Ende der Saison 2013/14 sei es das Ziel, die Erste Liga anzupeilen. Finanziell wäre der Aufstieg ein Segen.  Von
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Herr Wehrle, Sie sind Schwabe . . .

Alexander Wehrle: Ja, das lässt sich nicht verleugnen.

Hat Ihnen Ihre Herkunft geholfen, den Geschäftsführer-Job beim 1. FC Köln zu bekommen? Man sagt den Schwaben ja nach, Sie könnten besonders gut sparen. Und der FC hat 30 Millionen Euro Schulden.

Wehrle: Ich glaube, es geht weniger um die schwäbische Herkunft als darum, was man konzeptionell verwirklichen möchte. Und dazu gehört, in der momentanen Situation des 1.FC Köln ein gewisses Kostenbewusstsein an den Tag zu legen. Man muss aber kein Schwabe sein, um das mitzubringen.

Na ja, Kanzlerin Merkel hat die sparsame schwäbische Hausfrau sogar zum Vorbild für die europäische Finanzpolitik erhoben. Können Sie damit etwas anfangen?

Wehrle: Ich kann insofern etwas damit anfangen, als man nicht mehr ausgeben sollte, als man einnimmt. Aber sonst wird damit ein Klischee bedient.

Ein Fußball-Klub muss auch bereit sein, in den Erfolg zu investieren und ein gewisses Risiko einzugehen. Sehen Sie das auch so?

Hat der 1. FC Köln das Zeug zum Aufstieg?

Wehrle: Ja, aber das Risiko muss sich in der Balance halten. Es muss alles in einem realistischen Rahmen geschehen.

Realistisch heißt im Fall des 1. FC Köln: Sie planen erst einmal ohne Aufstieg im Sommer.

Wehrle: Am Ende der Saison 2013/14 ist es das Ziel, die Erste Liga anzupeilen. Wenn der Aufstieg eher käme, nähmen wir ihn natürlich gern mit. Solange er rechnerisch möglich ist, glauben wir auch daran. Finanziell wäre der Aufstieg natürlich ein Segen.

Machen Ihnen die Schulden des FC Angst?

Wehrle: Nein. Wir hatten 2002, als ich beim VfB Stuttgart anfing, auch eine negative Eigenkapital-Quote und eine Verschuldungsquote. Und auch da ist mit einer klaren Neuausrichtung eine Konsolidierung gelungen. Natürlich war es eine andere Situation. Der VfB nahm häufig an der Champions League teil und erzielte dadurch mehr Einnahmen im Vergleich zu denen in der Bundesliga. Eine Konsolidierung dauert in der Zweiten Liga viel länger, aber sie muss unser Ziel sein. Es ist alles machbar. Die Kölner und der FC – das ist wie eine Symbiose.

Oder besser gesagt: Die Kölner sind FC-verrückt.

Wehrle: Stimmt, FC-verrückt. Die landläufige Meinung ist: Es gibt eine Korrelation zwischen sportlichem Erfolg und Merchandising-Absatz. Als der VfB Deutscher Meister wurde, lag der Umsatz ungefähr bei 6,5 Millionen Euro, das waren ungefähr drei Millionen mehr als in anderen Jahren. Der 1. FC Köln macht in der Zweiten Liga fast sieben Millionen Euro Merchandising-Umsatz. Es gibt hier ein solch unfassbar großes Potenzial, das man ausschöpfen kann. Mit einem vernünftigen, nachhaltigen Plan, Schritt für Schritt.

Haben Sie das Gefühl, dass die Neuausrichtung beim FC ernst genommen wird?

Wehrle: Ja, absolut! In den Gesprächen, die ich geführt habe, habe ich schnell mitbekommen, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind, sondern die feste Überzeugung aller, dass die Neuausrichtung in unserer Situation der richtige Weg ist.

Welche Aufgaben hatten Sie in den zehn Jahren beim VfB Stuttgart?

Zur Person

Alexander Wehrle (37) wurde in Möglingen in der Nähe von Ludwigsburg geboren. Er absolvierte ein Wirtschafts-Studium an der Universität Konstanz, das auch Elemente aus Jura und Politologie enthielt. 1999 kam er als Praktikant zum VfB Stuttgart. Von 2002 bis 2012 war Wehrle Referent des VfB-Vorstands. Im Januar 2013 übernahm er den Job als Geschäftsführer des 1. FC Köln. (cm)

Wehrle: Ich war acht Jahre an der Seite von Erwin Staudt, der der erste hauptamtliche Präsident war, und in den letzten anderthalb Jahren an der Seite von Gerd Mäuser. Wir haben viele Projekte realisiert. Sehr wichtig war es, den Klub in sportlicher Hinsicht strategisch neu auszurichten. Und das ist uns, glaube ich, gelungen. Beispielsweise über die Integration der Nachwuchs-Spieler in den Lizenzspieler-Kader.

Da gab es ja einige: Mario Gomez, Timo Hildebrand, Christian Gentner, Serdar Tasci . . .

Wehrle: Durchaus, aber am wichtigsten ist eine klare Ausrichtung. Es geht darum, dass Durchlässigkeit besteht zwischen einer U17, U19 und U21 und den Lizenzspielern. Es wird auch hier in Köln eine meiner Aufgaben sein, ein kritisches Korrektiv zu sein und zu hinterfragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind – oder ob wir ihn verlassen. Ich sehe das so: Ein Profifußball-Verein ist ein klassischer Dienstleister für seine Fans. Wir leben mit Emotionen.

Wie sieht Ihr persönlicher Fußball-Hintergrund aus?

Wehrle: Ich habe in der Jugend Fußball gespielt. Aber es war eher bescheiden. Obwohl ich kein guter Spieler war, war Fußball aber immer ein Teil meines Lebens. Dass ich tatsächlich im Fußball-Business gelandet bin, war eine schicksalhafte Fügung.

Wie sah die aus?

Wehrle: Ich habe bereits 1999 während meines Studiums Kontakt zum VfB gehabt, und die Arbeit im Profi-Fußball hat mich fasziniert. Ich habe dann meine Diplomarbeit beim VfB geschrieben, und dann war es die schicksalhafte Fügung, dass Herr Staudt der erste hauptamtliche Präsident wurde.

Wie geht es dem Geißbock, den Ihnen die Stuttgarter zum Abschied geschenkt haben?

Wehrle: Gut, der ist in Uhingen. Es gehörte zu dem Geschenk dazu, dass er da ein Jahr lang versorgt wird, er hat ein schönes Zuhause.

Danach werden Sie ihn aber nicht zum Metzger schicken?

Wehrle: Niemals! Ich hole ihn dann hierher.

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