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Holger Stanislawski: „Wir wollen um Platz drei spielen“

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Grüne Spielfläche, weiße Bälle und ein bisschen Rot: Holger Stanislawski ist in seinem Element. Foto: Rainer Dahmen
Trainer Holger Stanislawski spricht im Interview zum Abschluss des Trainingslagers in Belek über seine Erkenntnisse, den Rest der Saison, seine bisherige Zeit in Köln, seine Ziele und seine Launen.
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Köln

Herr Stanislawski, wissen Sie, dass Sie manchmal schwer zu verstehen sind?

Holger Stanislawski: Ich? Wegen des Norddeutschen?

Nein, weil Sie fast nur Spieler-Spitznamen benutzen, wenn Sie über Ihre Mannschaft sprechen. Der Hacki (Kevin Wimmer), der Ray (Reinhold Yabo), der Major (Stefan Maierhofer) und so weiter, da muss man sich erst mal einarbeiten.

Stanislawski: Klar, man muss sich mit der Mannschaft beschäftigen (lacht). Ich habe eine ganz eigene Art, Aufstellungen aufzuschreiben. Bei manchen schreibe ich den Vor- oder den Rufnamen hin, bei manchen den Nachnamen. Es kam auch schon mal vor, dass gefragt wurde: Mag der den Spieler jetzt lieber, weil der den Spitznamen hingeschrieben hat und bei einem anderen den Nachnamen? Dabei ist das nur eine Eigenart, die ich mir angewöhnt habe.

Wie reden die Spieler Sie an?

Stanislawski: Die meisten sagen Trainer oder Coach, manche Stani. Die wenigsten Herr Stanislawski, nur die ganz jungen, die es noch nicht gewohnt sind, dass der Trainer auch mit Stani angeredet werden kann. Ich habe den Spielern freigestellt, ob sie mich siezen oder duzen, ich will niemanden nötigen, mich zu duzen.

Würden Sie trotzdem zustimmen, dass Sie als Trainer ein Kumpeltyp sind?

Stanislawski: Ich tue mich mit diesem Begriff schwer, denn ich bin nicht der Freund der Spieler. Ich bin der Trainer, der, der den Hut auf hat. Weder suchen die Spieler eine Freundschaft zu mir, noch suche ich eine Freundschaft zu den Spielern. Ich brauche im Umgang trotz alledem ein normales, offenes und ehrliches Verhältnis. Das ist meine Art, sonst würde ich mich verstellen. Aber Kumpeltyp? Nein. Kumpels habe ich genug, ich brauche keine mehr.

Das heißt: Sie halten so viel Distanz, dass die Autorität nicht leidet?

Stanislawski: Ja. Ich bin jemand, mit dem kann man zum richtigen Zeitpunkt flachsen, lachen und seinen Spaß haben. Die Jungs wissen aber auch, wann mit mir nicht zu spaßen ist. Das merkt man bei mir an der Tonlage und an der Körpersprache. Ich habe den Jungs mal gesagt: Je ruhiger ich werde, desto gefährlicher ist die Situation, dann brodelt etwas in mir, dann läuft etwas daneben. Je lauter ich bin, desto zufriedener bin ich. Wenn ich mich aber zurücknehme und ruhig werde, dann wird es gefährlich.

Sie können dann explodieren?

Stanislawski: Das kann durchaus mal passieren. Dann ist es wichtig, dass meine Co-Trainer KP und Truller (Klaus-Peter Nemet und André Trulsen, d. Red) da sind. Dadurch, dass sie mich lange kennen, wissen sie, wie ich dann bin. Ich habe dann manchmal meine drolligen drei Minuten. Dann pflastere ich alles nieder, dann bin ich laut und auch mal ungerecht. Da kann schon eine Tür knallen oder eine Alukiste durch die Luft fliegen.

Wie oft ist das im ersten halben Jahr in Köln vorgekommen?

Stanislawski: Nicht so häufig. Es passiert, wenn ich merke, dass gewisse Dinge nicht so laufen, wie wir sie abgesprochen haben. Es geht nicht um gewinnen oder verlieren. Wenn man diesen Sport ausübt, muss man sich auch mit dem Verlieren arrangieren und damit umgehen können. Es geht darum, dass Spieler manchmal ihr Potenzial nicht abrufen, dass sie nicht mutig sind. Um grundlegende Dinge, die sie dann nicht in Waagschale werfen. Das ist ein Punkt, an dem ich sauer werde.

Hatten Sie im Trainingslager in Belek Anlass, sauer zu werden?

Stanislawski: Überhaupt nicht. Ich bin super zufrieden, wie die Jungs das durchgezogen haben. Trainingsplatz und Hotel waren toll. Wir haben wenig Verletzte bis auf Pritsche, ich meine Przybylko, der sich den Ellbogen gebrochen hat. Die Mannschaft hat richtig gut mitgezogen, deshalb haben wir darauf verzichtet, morgens um viertel vor acht als dritte Einheit am Tag noch mal zu laufen. Die Mannschaft funktioniert, sie hat sich eine gute Körperlichkeit in dem halben Jahr erarbeitet.

Sie haben mit Stefan Maierhofer nur einen Neuzugang. Viel Raum für Experimente gibt es also nicht.

Stanislawski: Das ist aber auch gewollt. Wir sind mit dem Weg zufrieden, den wir im Sommer eingeschlagen haben und vertrauen dieser Mannschaft. Wir glauben, dass sie sich entwickeln und noch erfolgreicher spielen kann. Das alles im Winter in Frage zu stellen, indem man, nur weil wir ein paar Punkte hinter unseren Möglichkeiten zurückliegen, den Kader umbaut – das wäre ein Vertrauensentzug.

Vor der Winterpause hat sich der FC vor allem gegen die kleineren Gegner wie Aue oder Sandhausen schwergetan. Warum?

Stanislawski: Was viele vergessen: Die Elf des 1. FC Köln ist an die Zweite Liga angepasst worden. Wir haben keinen Podolski mehr, keinen Petit oder Geromel. Aufgrund der Tradition, die der 1. FC Köln hat, ist trotzdem eine andere Erwartungshaltung da. Damit kommt noch nicht jeder Spieler vollends zurecht. Für Mannschaften wie Sandhausen ist es ein Highlight, gegen uns zu spielen. Daran muss man sich gewöhnen, auch das ist ein Prozess, man muss lernen, damit umzugehen.

Es ist kritisiert worden, Sie hätten die Aufstellung zu oft geändert. Was sagen Sie dazu?

Stanislawski: Horn spielt immer, McKenna spielt immer, Maroh spielt immer, Brecko spielt immer. Es spielt Lehmann, wenn er fit ist, und Bröker, wenn er fit ist, auch Clemens und Chihi. Und Ujah. Wenn wir ein paar Positionen mal tauschen, wie es zum Beispiel mein werter Kollege Jupp Heynckes in München auch macht, ist das völlig normal. Jeder Spieler hat seine Qualität, die in unterschiedlichen Spielen gefordert ist.

Haben Sie die Entscheidung mitgetragen, Stürmer Milivoje Novakovic nicht mehr einzusetzen?

Stanislawski: Das haben wir alle zusammen entschieden, von Anfang an. Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt: Wir versuchen nur Entscheidungen zu treffen, die diesem Klub weiterhelfen. Die sportliche Leitung, die Co-Trainer, das Präsidium – alle zusammen.

Es hätte ja sein können, dass Sie als Trainer auch sagen: Novakovic mag schwierig sein, aber immerhin: Er schießt Tore . . .

Stanislawski: Ich hätte gern Messi in meinen Reihen. Aber den können wir nicht bezahlen. Wir stehen zu den Entscheidungen, die wir getroffen haben.

Und Ihr Ziel für die letzten 15 Saisonspiele steht: Sie wollen Platz drei angreifen?

Stanislawski: Genau, wir wollen schauen, dass wir so lange wie möglich eine Chance behalten, um den Relegationsplatz mitzuspielen. Dass der noch in Sichtweite gekommen ist, liegt daran, dass wir in den letzten 13 Spielen nur eine Niederlage hinnehmen mussten. Wir waren schon mal 13 Punkte hinter Lautern, jetzt sind es nur noch sechs.

Das Gespräch führte Christiane Mitatselis

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