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Rhein-Energie-Stadion: Der 1. FC Köln will Miete sparen

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Volles Haus und trotzdem kein Geld: Der 1. FC Köln muss kurzfristig ein Sechs-Millionen-Loch stopfen. Foto: Archivbild: Worring
Der 1. FC Köln drängt die Stadt wegen seiner Verschuldung zu einem hohen Nachlass bei der Stadionpacht. Selbst die halbe Miete ist dem Verein noch zu viel. Der Kölner Stadt-Anzeiger gibt einen Überblick zu den komplizierten Verhandlungen.  Von
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Köln

Warum will der 1. FC Köln weniger Miete für das Stadion bezahlen?

Den Verein drückt nach dem Abstieg aus der Bundesliga im vergangenen Jahr mittlerweile ein Schuldenberg von fast 40 Millionen Euro. Im Etat für das Geschäftsjahr 2012/2013, das am 30. Juni endet, klafft eine Lücke von sechs Millionen Euro. Geschäftsführer Alexander Wehrle muss sie schließen. Deshalb drängt die Zeit.

Warum muss die Lücke überhaupt geschlossen werden?

Weil der Verein sonst überschuldet wäre.

Was zahlt der FC bisher?

Pro Jahr 3,49 Millionen Euro in der Zweiten und 6,885 Millionen Euro in der Ersten Liga. Der Mietvertrag läuft über zehn Jahre und wurde vor einem Jahr vom 1. FC Köln vorzeitig verlängert.

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Was stellt sich der FC vor?

Jetzt wird es kompliziert. Der Klub möchte, dass die Miete in der Zweiten Liga deutlich verringert wird. Sie soll dem Vernehmen nach höchstens die Hälfte betragen, also maximal 1,75 Millionen Euro. Diese Mietminderung soll auch rückwirkend für die Saison 2012/2013 gelten. Der Verein möchte einen neuen Zehnjahresvertrag abschließen, bei dem die Miete vor allem vom sportlichen Erfolg abhängt.

Was heißt das im Detail?

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle hat öffentlich bisher immer nur davon gesprochen, dass die Stadt in der Bundesliga überproportional am Erfolg beteiligt sein soll. Und dass man davon ausgeht, dass der Verein in den nächsten zehn Jahren überwiegend in der Bundesliga spielen wird.

Geht das nicht genauer?

Ein wenig schon. Offenbar hat der Verein vorgeschlagen, dass die Erfolgsbeteiligung greift, sobald der 1. FC Köln in der Bundesliga stabil auf einem einstelligen Tabellenplatz steht. Das war zuletzt in der Saison 1996/1997 der Fall. Damals stand der Verein an 26 von 34 Spieltagen in der oberen Hälfte und wurde am Ende Zehnter. Trainer war damals Peter Neururer. Auf einem einstelligen Tabellenplatz am Ende einer Bundesliga-Saison landete der FC zuletzt 1991/1992 unter Jörg Berger. Damals wurde man Vierter. Auch von möglichen Erfolgen im DFB-Pokal, der Europa League und sogar der Champions League soll die Stadt finanziell profitieren.

Was sagt die Stadt dazu?

Eine klare Position ist nicht erkennbar, zumal die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat derzeit mehr mit sich selbst und der Koalitionskrise beschäftigt ist. Fest steht nur: Die Stadt will auf Dauer mehr Miete vom 1. FC Köln für das Stadion verlangen – und nicht weniger. Außerdem erscheint es undenkbar, dass die Stadt bereits gezahlte Mieten für die laufende Saison an den Verein zurückgibt.

Wer verhandelt?

Die Verhandlungen führt Hans Rütten, Geschäftsführer der Sportstätten GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Stadt. Er wird unterstützt von Rechtsanwalt Stefan Seitz. Für den FC sitzen Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle am Tisch.

Aber die Stadt will die Sportstätten doch auflösen?

Das ist immer noch der Plan von Rot-Grün. In der Aufsichtsratssitzung am Freitag könnte es aber eine Überraschung geben und der Vertrag mit Hans Rütten, der am 30. September ausläuft, erst einmal verlängert werden.

Warum das denn?

Weil die Sportstätten GmbH die Verluste, die das Stadion durch das Abzahlen der Baukredite Jahr für Jahr schreibt, durch geschickte Vermarktung außerhalb der Spiele des 1. FC Köln Jahr für Jahr verringert hat. 2012 fiel der Verlust um eine Million Euro geringer aus als erwartet, betrug aber immer noch 6,3 Millionen Euro.

Der 1. FC Köln prüft zurzeit auch, ob er den Betrieb des Stadion nicht übernehmen soll. Was soll das bringen?

Der Verein verspricht sich dadurch höhere Einnahmen. Die Sportstätten GmbH darf bei der Vermarktung bisher nicht an die Sponsoren und Premium-Partner des Klubs herantreten. Der Klub schon. Darüber soll erst verhandelt werden, wenn der neue Mietvertrag steht.

Warum das?

Höhere Einnahmen aus dem Stadionbetrieb wären für den Klub doch ein gutes Argument bei den Gesprächen mit der Stadt über eine Reduzierung der Miete.

Warum verhandelt man das nicht als Paket?

Vermutlich, weil der FC derzeit zu viele offene Baustellen hat.

Wie realistisch ist die Übernahme des Stadionbetriebs durch den Verein?

Wenig. Bei der Stadt kann man derzeit nicht erkennen, wie sie davon profitieren sollte. Wahrscheinlicher ist derzeit, dass die Sportstätten GmbH bestehen bleibt. Vorstellbar ist, dass sie künftig die Premium-Partner und Sponsoren des FC mit betreut, wenn es um Veranstaltungen im Stadion geht. Zusätzliche Erlöse könnten Stadt und Verein gleichermaßen zugutekommen.

Was geschieht, wenn die Verhandlungen über die Stadionmiete scheitern?

Dann gilt der laufende Vertrag, und der FC muss in der kommenden Saison 3,49 Millionen Euro zahlen. Er könnte ihn aber zum 30. Juni 2014 kündigen.

Was wäre die Folge?

Dann hätte der Klub keine Spielstätte mehr und die Stadt ein Problem mit einem leerstehenden Stadion.

Das kann doch keiner wollen, oder?

In dem Punkt sind sich alle einig. Und deshalb wird es auch eine Übereinkunft geben. Weil beide Seiten dazu gezwungen sind.

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