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Schumacher-Interview: „Wir werden viel Freude haben“

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Toni Schumacher im Trainingslager in Belek Foto: Rainer Dahmen
Vize-Präsident Toni Schumacher spricht im Interview im FC-Trainingalger über seine Rolle beim 1. FC Köln und die Perspektiven des Teams. Auch zu seinen Skandalauftritten nimmt der Ex-Nationaltorwart Stellung.  Von
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Belek

Herr Schumacher, Sie haben drei Jahre für Fenerbahce in Istanbul gespielt. Wie oft werden Sie in Belek erkannt?

Toni Schumacher: Fast immer und überall. Das ist ein schöner, emotionaler Nebeneffekt und ein Beweis dafür, dass ich während meiner Zeit in der Türkei nicht allzu viel falsch gemacht habe. Erst mal war ich in aller Bescheidenheit ein guter Profi. Ich glaube aber, ein weiterer wichtiger Grund ist, dass ich nach meinem Abschiedsspiel, und ich habe sogar zwei hier in der Türkei gemacht, ein Waisenhaus in der Nähe von Istanbul aufgebaut habe. Ich fahre immer wieder dorthin. Deshalb werde ich nicht nur von den Fenerbahce-Fans geliebt.

Sprechen Sie auch Türkisch?

Schumacher: Ja, ein wenig.

Die Mannschaft des 1. FC Köln ist sehr jung. Wissen die 20-Jährigen überhaupt, wer Sie sind, wie Ihre Karriere aussah?

Schumacher: Klar. Die wissen schon, wer ich bin. Ich kannte ja auch Toni Turek (Weltmeister-Torwart von 1954, d. Red.), obwohl ich ihm nie begegnet bin. Das gehört zum Job als Fußballer dazu. Man kennt die Spieler von früher, man hat Vorbilder.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihres 19-jährigen Torwartes Timo Horn?

Schumacher: Als sehr gut. Wir haben uns für die Jugend entschieden. Timo zahlt es uns zurück, indem er gute Leistungen abliefert. Er könnte für meinen Geschmack noch ein bisschen extrovertierter werden.

Zur Person

Harald „Toni“ Schumacher, geboren am 6. März 1954 in Düren; verheiratet; Bundesligatorwart 1972-1992: 422 Spiele für 1. FC Köln, Meister (1978), Pokalsieger (1977, 1978, 1983), danach u.a. Fenerbahce Istanbul; 76 Länderspiele, Europameister 1980; (Torwart-)Trainer 1992-2003: u.a. Fortuna Köln, Bayer Leverkusen; seit April 2012 Vizepräsident des 1. FC Köln. (ksta)

So wie Sie früher? Sie waren ein Torhüter vor dem Stürmer Angst hatten.

Schumacher: Nicht Angst, sondern Respekt! Ich war mit 19 aber sicherlich noch nicht so weit, das muss man sich erst erarbeiten.

Was trauen Sie Timo Horn zu?

Schumacher: Ich traue ihm erst mal zu, dass er mit unserer Mannschaft nächstes Jahr aufsteigt.

Also erst 2014 – und nicht schon in diesem Sommer?

Schumacher: Wir würden es gern dieses Jahr schon schaffen, auch aus finanziellen Gründen. Wir haben ca. 30 Millionen Euro Schulden, und die baust du leichter ab, wenn du in der Ersten Liga spielst. Wir sind aber darauf angewiesen, wie die anderen Klubs spielen. Es reicht nicht nur, wenn wir gut spielen. Die ersten beiden in der Tabelle (Braunschweig und Hertha) sind weg. Wenn alles passt, dann geht es für uns in diesem Jahr um Platz drei.

Der 1. FC Köln befindet sich im Umbruch. Läuft das Projekt so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Schumacher: Ja. Wenn man sich vorstellt, dass wir im Sommer 44 Transfers bewältigen mussten, das hat nicht einmal Felix Magath geschafft, weder in Schalke, noch in Wolfsburg (lacht). Wir haben eine komplett neue Mannschaft und hatten Startschwierigkeiten. Das war nicht allzu überraschend. Inzwischen hat die Mannschaft ein Gefühl dafür bekommen, was sie leisten kann. Wir werden noch viel Freude an ihr haben.

Haben Sie eingegriffen, als es am Anfang schlecht lief?

Schumacher: Nur insofern, dass ich mich absolut vor Stani (Trainer Holger Stanislawski, d. Red.) gestellt habe. Ich wollte überhaupt keine Diskussionen aufkommen lassen. Stani ist unser Wunschtrainer, wir wollten einen wie ihn, der auf junge Spieler setzt, auf Herzblut und Leidenschaft. Stani hätte mich früher auch gut motiviert. Es war richtig, die Ruhe zu bewahren. In Panik bin ich höchstens mal als Spieler in kurzen Hosen verfallen.

Sie sind seit April 2012 FC-Vizepräsident. Entspricht die Aufgabe Ihren Erwartungen?

Schumacher: Ja. Das Wichtigste sind immer die Jungs auf dem Platz. Wenn die gut spielen, dann ist alles einfacher. Deshalb muss man möglichst viel von den Jungs fernhalten, damit sie optimale Grundvoraussetzungen haben.

Sprechen Sie oft mit der sportlichen Leitung?

Schumacher: Ja, mit Jörg Jakobs und Frank Schaefer bin ich ständig in Verbindung. Es ist auch möglich, dass ich in naher Zukunft ein bisschen öfter am Geißbockheim sein werde. Das Amt fordert einfach.

Und macht es auch Spaß?

Schumacher: Ja, ich mache nur noch Dinge, die Spaß machen und mir etwas bedeuten. Nur mit Freude kann man Dinge gut machen.

Hätten Sie sich vor zehn Jahren vorstellen können, dass Sie mal als Vizepräsident zum FC zurückkehren?

Schumacher: Nein. Obwohl es immer mein Wunsch war. Ich habe ja mal ein Buch geschrieben. „Anpfiff“, das sogenannte Skandalbuch. Da stand auch drin, dass ich zwei Wünsche hatte, nämlich Karnevalsprinz und FC-Präsident zu werden. Das war 1987. Dann bin ich aufgrund des Buches beim FC rausgeschmissen worden, und dadurch wurde die Idee ad acta gelegt. Danach herrschte Funkstille. Es wurden sicher Fehler auf beiden Seiten gemacht. Als dann nach all den Jahren Werner Spinner (FC-Präsident, d. Red.) kam und fragte, ob ich mithelfen wollte, konnte ich nicht Nein sagen. Bis dahin hatte mich niemand ernsthaft gefragt. Der FC war in einer schwierigen Situation, und ich hätte mir ein Leben lang Vorwürfe gemacht, hätte ich nicht zugesagt.

Haben Sie es eigentlich jemals bereut, dass Sie damals Ihr Buch geschrieben haben?

Schumacher: Nein. Es hat mich zwar viel gekostet, ich habe aber nichts Unwahres geschrieben, meine Mutter hat mich dazu erzogen, fleißig und ehrlich zu sein. Die Wahrheit tut manchmal weh, ich bin aber keinem mehr böse.

Wo wir von Skandalen sprechen, wie stehen Sie heute zu der anderen Geschichte? Sevilla 1982, das WM-Spiel gegen Frankreich?

Schumacher: Wenn Sie mir sagen, wie der Spieler hieß, dann erzähle ich etwas dazu.

Patrick Battiston, weiß doch jeder.

Schumacher: Gut. Dieser Zusammenprall im Halbfinale. Ich habe mich dafür entschuldigt, was danach passiert ist. Ich habe Patrick aber auch gesagt: Wenn heute dieser Ball gespielt würde, wäre ich wieder unterwegs, raus aus dem Tor, um als Erster am Ball zu sein. Was danach passiert ist, dass ich nicht zu ihm hingegangen bin, hatte auch mit Verlegenheit zu tun. Außerdem befürchtete ich: Wenn du jetzt hingehst, dann geht dich noch einer an. Nach dem Spiel kam ein Journalist auf den Platz und sagte, dass Patrick zwei Zähne verloren hat. Ich war erleichtert, dass es nichts Schlimmeres war, und deshalb habe ich spontan gesagt: Dann bezahle ich ihm die Jacketkronen. Im Nachhinein war diese Aussage sehr unglücklich. Aber das war keine Häme, sondern einfach nur Erleichterung.

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