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Seitenwechsel 2.0: 1. FC Köln gibt die Opferrolle ab

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Herbert Neumann. Foto: Rainer Dahmen
Die aktuelle Entwicklung beim 1. FC Köln stimmt unseren Kolumnisten Herbert Neumann fröhlich. Das Team von Trainer Holger Stanislawski hat sich gegen Union selbstbewusst präsentiert, und das stabil über die volle Länge der Begegnung.  Von
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Köln

Ich habe am Samstag im Spiel des FC gegen Union Berlin etwas gesehen, das anders war als bisher, und zwar eine über 90 Minuten durchgehend positive, souveräne, das Spielgeschehen kontrollierende Leistung des 1. FC Köln. Ein Sieg stand nie in Frage. Ein sattes, deutliches 2:0 war die logische Folge. Es geht anscheinend doch.

Die Mannschaft hat sich am 23. Spieltag selbstbewusst präsentiert, und das stabil über die volle Länge der Begegnung. Sie wusste auf alles eine Antwort. Das hat gut getan und nährt die Hoffnung, dass die bewundernswerte Geduld der Fans doch noch belohnt wird. Gleichzeitig wirft diese erfreuliche Tatsache Fragen auf: Hat man sich in einer monatelangen Opferrolle nicht etwas zu lange gemütlich eingerichtet und der durch den Wahnsinn der Vergangenheit verursachten Schockstarre nicht ein wenig zu viel Nahrung gegeben?

Resultierte aus der allgemeinen Fassungslosigkeit nicht eventuell eine irrationale Selbsteinschätzung, die vielen ein bisschen den Blick verstellt hat, indem man sich selbst verkleinert und die anderen vergrößert hat?

Ich hatte von Beginn an Mühe damit zu glauben, dass die Mannschaft des FC im Vergleich mit anderen Teams der 2. Liga "zu jung" sei oder eine imaginäre Schuldenlast mit auf den Platz schleppt. Wer denkt schon an so was, wenn das Spiel oder Training beginnt und man vorher warm und gut gegessen hat? Die Arbeits- und Trainingsbedingungen waren schon immer sehr gut. Die Unterstützung der Fans an Anzahl und Lautstärke konkurrenzlos und so gut wie gesichert. Die Qualität des Kaders gehört von Beginn an zu den besten dieser Liga. Die Mannschaft hat jetzt etwas gezeigt, an dem sie und ihr Trainer sich messen lassen muss. Ich bin überzeugt, dass jeder Spieler sein Bestes gibt und der Trainer ohne Zweifel tut, was er kann.

Am Ende noch eine eher persönliche Anmerkung. Die verbalen Ausflüge in die Fäkalsprache ("unbesiegbare Scheißtruppe", "am Ende kackt die Ente") müssen für mich nicht sein. Ebenso wenig wie coole Sprüche als Beitrag zur allgemeinen Unterhaltung. Mir würde es reichen, wenn der Trainer des 1. FC Köln jeden Tag sein Bestes gibt und sich auf das Wesentliche seines Trainerjobs konzentriert. Da der 1.FC Köln kein dogmatisches System (mehr) ist, sondern ein erklärtermaßen - seit kurzem - freies und offenes, dürfen andere das gerne anders sehen.

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