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Seitenwechsel 2.0: Die DFL muss den Dialog suchen

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KStA-Kolumnist Matthias Scherz Foto: Rainer Dahmen
Auch im Müngersdorfer Stadion wurde am Wochenende schweigend gegen das Sicherheitspapier der DFL protestiert. Durchaus zu Recht, findet unser Kolumnist Matthias Scherz: Er warnt davor, alle Fans und Ultras über einen Kamm zu scheren.
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Lieber Herbert Neumann,

12 Minuten und 12 Sekunden Stille! Und das im „Müngersdorfer Stadion“. Dem Stadion, das zu den stimmungsvollsten der Republik zählt. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Das ganze Umfeld, Spieler und Trainer sind geschockt Und so soll es in Zukunft sein?

12:12 – das war die Reaktion der Fans auf die Veröffentlichung des Papiers der Deutschen Fussball Liga „Sicheres Stadionerlebnis“, und es war die harmlosere Reaktion. Bis zur Abstimmung der DFL am 12. 12. 2012 wird die Fan- und Ultra-Szene am 8. 12. 2012 noch eine deutschlandweite Demo zum Erhalt der Fankultur durchführen. Übrigens: Mein ehemaliger Klub, der FC St. Pauli, hat das Papier sogar schon abgelehnt.

Ich fühle mich sicher im und um das Stadion: Aus vielen Gesprächen mit Fans und Ultras weiß ich, dass sie sich sehr stark für ihren Verein und auch darüber hinaus engagieren. Die oft geschimpfte „Wilde Horde“ hat zum Heimspiel gegen Bochum eine Essenssammlung für den Kalker Mittagstisch durchgeführt. Darüber hinaus organisieren sie ein Turnier für Heimkinder – ich werde es besuchen. Der „Kölsche Mythos“ hat einen eigenen Bus für Auswärtsspiele, „Rut Wiess Colonia“ veranstaltet seit drei Jahren ein D-Jugend-Turnier, und das FC-Fanprojekt hat zum Erhalt der Fankultur eine Anlaufstelle in Stadionnähe für die Fans geschaffen.

Was ich damit sagen möchte: Es gibt nicht nur die Fans, es gilt immer genau hinzuschauen, und das sollte sich auch die DFL gönnen. Natürlich weiß ich, dass es schwarze Schafe unter ihnen gibt, und natürlich müssen die gefunden werden. Das macht Mühe, aber es lohnt sich. Ansonsten muss die Masse darunter leiden, und der zweite Schritt wird vor dem ersten gemacht. Wo ist der Versuch der Kommunikation mit den Fans? Wenn dieser tatsächlich scheitern sollte, kann die DFL immer noch mit dem Holzhammer kommen.

Hier ist der FC ein gutes Beispiel: Der neue Vorstand sucht den Dialog mit Fans und Ultras. Denn: 12 Minuten und 12 Sekunden müssen genauso wie die Gewalt aus den Stadien verschwinden. Ich bin mir sicher, dass dem Fussball ohne die Gesänge, ohne die Emotionen von den Rängen etwas Entscheidendes fehlt. Und ich bin mir sicher, das hat jeder gemerkt!

Matthias Scherz und Herbert Neumann schreiben im wöchentlichen Wechsel die Kolumne Seitenwechsel 2.0

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