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Unter Fans: War Maierhofer jetzt gut oder schlecht?

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Bewegungstalent oder nicht? Eigentlich egal, so lange er trifft.  Foto: Bongarts/Getty Images
FC-Blogger Christian Löer war am Samstag mit seinem Kumpel Pimkie im Rhein-Energie-Stadion. Die beiden waren sich einig: Man darf endlich vom Aufstieg träumen. Nur beim Thema Maierhofer gingen die Meinungen auseinander.  Von 
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Zu den klassischen Erledigungen an einem deutschen Samstagvormittag gehören diese: Autowaschen. Zur Wäscherei gehen. Wasser holen (nicht am Brunnen, sondern Kistenweise im Getränkemarkt). Neu beflockte Trikots für die Winterzugänge der Fußballmannschaft abholen, in der man spielt (wobei „in der man mitmacht“ es vielleicht besser trifft). Man kann am Samstagvormittag auch Brötchen und ein paar Blumen holen und mit der Zeitung und Kerzen auf dem Tisch ein ausgedehntes Frühstück zu zweit veranstalten. Das alles kann man am Samstagvormittag in der Regel sogar tun, wenn man Fußballfan ist. Denn dem Fußball ist erst der Nachmittag vorbehalten.

Wenn man aber zufällig Fan eines hochverschuldet in die Zweite Liga geratenen Traditionsvereins ist, kann es passieren, dass man sich mit seinen Freunden an einem Samstagvormittag um 11 Uhr in einer Kneipe verabredet, um anschließend gemeinsam zum Stadion zu radeln. So praktizierten es am vergangenen Samstag jedenfalls mein Freund Pimkie, einer seiner beiden Brüder und noch ein paar weitere Freunde. Denn schließlich muss man ein Heimspiel nicht zwingend mit bierseligen, sieben Stunden dauernden Anreiseprogrammen veredeln. Aber etwas Sozialprogramm kann nicht schaden. Sonst ist so ein 13-Uhr-Spieltag nämlich um 15 Uhr vorüber – und Leere macht sich breit, denn die Wäscherei hat ebenso geschlossen wie der Getränkemarkt oder der Sportladen auf der Aachener Straße, der uns die Trikots macht.

Wie haben uns also an die Theke gestellt und den Tag aus Gründen („kein Bier vor vier“) mit vereinzelten Cappuccinos begonnen. Da man mit Kaffee aber schlecht auf den unmittelbar bevorstehenden Heimsieg und den frisch eroberten Rang vier anstoßen kann, folgten ein paar zaghafte Kölsch, um ein wenig Stadionatmosphäre zu verbreiten, während um uns herum die Lindenthaler Brunchfreunde im Buffett stocherten.

Nach dem Caféhaus-Start war im Stadion dann alles wunderbar. Ein wenig fühlte es sich wie Weiberfastnacht an: Seit Stunden hing ich mit meinen Freunden zusammen, wir erzählten dummes Zeug – und noch immer war es erst 14 Uhr. Auch fußballerisch geriet die Mittagszeit ganz ausgezeichnet. An dieser Stelle möchte ich kurz einen von Pimkies Brüdern einführen, den ich sehr für seine Fähigkeit schätze, positiv zu denken. Auch ich denke im Stadion ausschließlich positiv, weil ich davon überzeugt bin, dass man Dinge herbeireden kann. Wenn der 1. FC Köln zum Beispiel in der 43. Minute bei einem 0:3-Rückstand seine erste Ecke bekommt, kann es gut sein, dass ich spontan „Jetzt haben wir sie im Sack!“ rufe „und das auch noch ernst meine“, wie es der Pimkie womöglich formulieren würde. Tatsächlich meine ich es vielleicht nicht wörtlich ernst, finde aber, dass grundsätzlich immer ein Wunder in der Luft liegt, wenn man im Stadion ist.

Pimkies Bruder verfährt etwas anders. Ihm sind unsere Spieler wichtiger als das große Ganze. Am Samstag war wieder ein solcher Moment. Wir hatten nennenswerte Teile des Vormittags damit zugebracht, über Stefan Maierhofer zu lästern. Warum auch nicht – er hatte in St. Pauli absolut lausig gespielt. Das darf man ruhig sagen, der Satz „Maierhofer hat schlecht gespielt“, hat schließlich nichts Ehrabschneidendes, nichts Persönliches und eine Klarheit, die kaum Fragen offenlässt. Wir lästern schließlich nur über die Art, wie er am Montag gekickt hat. Wie er sonst so ist, wissen wir ja gar nicht.

Ich muss gestehen, dass der Pimkie und ich durchaus ein paar Spieler auf der Liste haben, die uns Sorgen bereiten. Und seltsamerweise reden wir während des Spiels über diese Spieler am allerliebsten. Wobei wir auch sehr viel über unsere Lieblinge reden. Aber wir lästern zwischendurch schonmal ganz gern. Pimkies Bruder mag das nicht. Und als wir am Samstag nach den ersten Aktionen damit beginnen wollten, Maierhofers Bewegungstalent und Kopfballtiming zu erläutern, drehte sich Pimkies Bruder zu uns um und sagte mit sehr strengem Blick: „ER KÄMPFT.

Wir haben dann in Bezug auf Maierhofer geschwiegen, weil wir ja niemandem den Tag verderben wollen. Haben stattdessen über Bigalke gemault und für Hector geschwärmt (und auch für Adam Matuschyk, weil er am Samstag so viele wundervolle kleine Aktionen hatte). Tja, und dann packt Maierhofer einen überragenden (und garantiert genau so geplanten) Drehschuss aus und macht das 2:0. Was ein Tag. Da war ich zwischendurch mal wieder froh, dass ich kein Reporter mehr bin und den Leuten nicht erklären muss, ob Maierhofer jetzt gut (wegen des Treffers) oder schlecht (wegen allem anderen) war.

Wir waren unterm Strich also mal wieder klar besser, diesmal aber deutlich klarer als zum Beispiel gegen St. Pauli, als Köln hauptsächlich auf dem Papier und im Resultat klar besser war. Kaiserslautern steht schwer unter Druck, derzeit spricht realistisch nichts gegen den Aufstieg des 1. FC Köln. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass der FC im Frühjahr per Relegation dafür sorgen wird, dass die TSG Hoffenheim in der nächsten Saison die Stadien der Zweiten Liga leerspielt. Überhaupt: Hertha BSC Berlin, Eintracht Braunschweig und der 1. FC Köln für Hoffenheim, Fürth und Augsburg – kein schlechter Tausch, auch aus Sicht der Liga, wenn die denn eine Sicht hat.

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