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Unter FC-Fans: „Lang lebe Alexander Riemann!“

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Die Mannschaft des 1. FC Köln verpasste es anschließend, bis zum Pausenpfiff die Führung gegen den Tabellenletzten auszubauen. Mit einem knappen Vorsprung für den FC endete der erste Durchgang.  Foto: dpa
So mancher Fan des 1. FC Köln feiert künftig am 12. April Weihnachten. Warum? Weil der Lauterer Torhüter Tobias Sippel den Ball selbst ins Tor haut. Auch der verrückte Heimsieg über Jahn Regensburg spielt im FC-Blog eine große Rolle.  Von 
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Weil er zu kurz kommen könnte, sei an dieser Stelle kurz ein junger Mann gepriesen, der mich am Sonntag derart glücklich gemacht hat, dass ich zeitweise darüber nachdachte, künftig an seinem Geburtstag, es ist der 12. April, Weihnachten zu feiern. Es geht um Alexander Riemann, der gegen 15 Uhr einen Ball von der rechten Seite scharf in den Strafraum des 1. FC Kaiserslautern spielte, wo Tobias Sippel, dem ich in den vergangenen Wochen mehrfach dabei zusehen durfte, wie er seine Mannschaft vor ebenso sicheren wie verdienten Niederlagen bewahrte, abtauchte und sich den Ball selbst ins Netz fuchtelte. Weil ich es irgendwie unfair finde, Torhütern überhaupt Eigentore zuzuschreiben und ich außerdem grundsätzlich jede Gelegenheit wahrnehme, Fußballer für ihre Taten zu feiern, bin ich überaus glücklich, dass der Treffer nicht als „1:1 Sippel (ET/67.)“ in die Statistik dieser Zweitligasaison eingehen wird. Sondern jenem gewissen bald 21-jährigen Alexander Riemann zugeschrieben wurde, zu dessen Ehren ich an dieser Stelle laut ausrufen möchte: „Lang lebe Alexander Riemann!“

Das große Heulen und Zähneknirschen

Abgesehen von Sippels missglückter Abwehr war Riemanns Treffer zum Sandhausener (oder wirklich Sandhäuser?) 1:1 gegen Kaiserslautern extrem stark vorbereitet. Großartige Dynamik, Spitzenaktion, muss man sagen. Das alles wusste ich natürlich nicht, als mich die Kunde von Riemanns Treffer etwa in der 71. Minute des Spiels unseres 1. FC Köln („unseres 1. FC Köln“ - ich klinge schon wie Michael Trippel) gegen Regensburg aus meinem Sitz in Bock O6 riss. Wir führten 1:0, hatten Ballbesitz wie Barca, waren also klar besser und wären Sekunden später auch folgerichtig per Elfmeter in Führung gegangen, hätte Bröker den Ball wie von mir euphorisch gefordert „mit zwanzig Schritt Anlauf mitten auf die Kiste“ geknallt, statt ihn aufs Eck zu rollen.

Um mich herum brach das große Heulen und Zähneknirschen aus, und als wolle mich das Schicksal bloßstellen, ließ mich ein Regensburger Spieler, dessen Namen ich vergessen habe, gerade noch den Satz „wir gewinnen das Ding hier trotzdem locker“ zu Ende sagen, bevor er einfach so ausglich. 1:1, wie in Kaiserslautern. Ich war mir sicher, dass wir alle verrückt werden würden, wenn es dabei bliebe.

Pimkie wunderte sich

Aber wir waren ziemlich optimistisch. Und das ja auch zurecht. Denn Christian Clemens stand trotz allem immer noch auf dem Platz. Trotz eines gerade so überstandenen Infekts, trotz einer in der ersten Halbzeit erlittenen Verletzung, die ihn einige Zeit hinken gemacht hatte. Clemens hatte Aktionen am Sonntag, in denen er aussah, als sei er wie eine Animation ins Spiel geschnitten und würde irgendwie außerhalb der Naturgesetze durchs Bild fliegen. Wäre ich nicht live dabei gewesen, hätte ich meinen Augen nicht getraut. Das war nicht einfach ein Erstligaspieler in einem Zweitligaspiel. Das war die NASA gegen den Schneider von Ulm. Selten habe ich etwas so Erhabenes gesehen wie Clemens' Lauf über den rechten Flügel kurz vor Schluss. Sein Tempo, seine Kraft, seine Eleganz so spät im Spiel, dann der Pass ins Zentrum, wo Royer wirklich eine Menge dafür tat, den Ball noch über das Tor zu jagen. Dieses 2:1 sah so gut aus, so richtig und wunderbar, dass ich es mir am Sonntagabend noch sehr, sehr oft angesehen habe.

Stanislawski zum Sieg gegen Regensburg

Wir waren alle sehr ergriffen nach Royers 2:1 und gingen erst aus dem Stadion, als die Ehrenrunde der Mannschaft vorüber war. Es war ein aufreibendes Spiel, auch für den Pimkie. Das lag mal wieder an Christian Eichner. Der Pimkie hat nichts gegen Christian Eichner, aber er sorgt sich um den 1. FC Köln und damit auch um mich, sich selbst, seine Brüder und den Vater seiner Brüder und die vielen anderen Leute im Stadion und vor den Fernsehern und an den Radios und an den Livetickern im Internet oder auch um die vielen Leute, die am nächsten Tag in der Zeitung womöglich lesen müssen, dass der FC verloren hat und Christian Eichner schuld daran war. Am Sonntag war die Eichner-Situation allerdings eine völlig andere, denn Eichner spielte unglaublich gut. So unglaublich gut, dass der Pimkie es erst gar nicht glauben wollte. Eichner hatte eine überragende Aktion – und Pimkie wunderte sich. Dann hatte Eichner die nächste, noch bessere Aktion – und der Pimkie staunte.

Heute schlimm und morgen super

Weil Eichner irgendwie immer besser wurde, hatte der Pimkie Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen. Das ist verständlich, denn der Mensch braucht Orientierung. Der Himmel ist blau, der Rasen ist grün, und Eichner macht keine überragenden Spiele. Damit kommt der Pimkie klar. Er braucht ihn, um sich zum Beispiel davon abzulenken, dass er nicht weiß, wie das Spiel ausgeht. Wenn Eichner dann plötzlich anfängt Bäume auszureißen, ist das eine Situation, die dem Pimkie das Fußballgucken nicht gerade erleichtert.

Eichner war also unglaublich gut, Clemens noch besser und McKenna fast schon gewohnt überragend. Ein bisschen enttäuscht waren wir von Mato Jajalo, der alles kann und wenig zeigt, und damit am Sonntag einen recht drastischen Kontrapunkt zum Wirken des unglaublichen Eichner setzte. Wenn Jajalo nicht gut spielt, macht mich das immer etwas traurig, weil es sich falsch anfühlt, wenn jemand schlechter spielt, als er eigentlich kann. Aber das ist ohnehin ein seltsames Phänomen im Fußball: Dass der selbe Spieler heute schlimm und morgen super sein kann. Aber wahrscheinlich gehen wir deswegen ins Stadion. Man weiß nicht, wie die einzelnen Spieler sind, man weiß nicht, wie die Mannschaft funktioniert – und dann kommt auch noch der Gegner, der sich mit den gleichen Unsicherheiten herumschlägt.

Ganz am Ende ist Köln dann Dritter, weil sich Sippel in Sandhausen den Ball selbst ins Tor haut und Clemens ein Genie ist. Das klingt nicht gerade nach einer guten Erklärung. Aber mir reicht vorerst der Blick auf die Tabelle.

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