1. FC Köln
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Unter FC-Fans: Ein Samstag wie vom Wunschzettel

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Nach ungefähr 20 Minuten flachte das Spiel der Kölner ab. Bis zum Halbzeit passierte nicht mehr viel. Mit der knappen FC-Führung endete der erste Durchgang.  Foto: dpa
Mit einem Sieg über Erzgebirge Aue hat der 1. FC Köln die Aufholjagd in der Zweiten Liga begonnen. Der Gegner war zeitweise nur schlecht, trotzdem geriet der Sieg kräftig in Gefahr. Doch Christian Clemens rettete den Tag.  Von 
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Wir sind ein Fünfer-Dauerkartenteam. Vergangene Saison saßen wir im Oberrang-Ost, nun sitzen wir im Unterrang (herzliche Grüße an dieser Stelle an alle in Block O6). Mein alter Freund Pimkie ist der Überzeugung, dass wir im Unterrang besser Einfluss auf das Spiel nehmen können. Einer seiner Lieblinge zum Beispiel ist Christian Eichner, der relativ oft relativ nah vor unseren Plätzen Einwürfe vollführt und regelmäßig den Eindruck erweckt, ein paar taktische Anweisungen von uns gut gebrauchen zu können. Außerdem fanden wir, dass wir den Abstieg auch symbolisch irgendwie mitvollziehen sollten. Und ganz nebenbei sind die Karten im Unterrang auch etwas billiger als die skandalös teuren Plätze im Obergeschoss. Daher also jetzt Unterrang. Aber wir sind immer noch zu fünft. Das hörte sich zum Ende der letzten Saison noch anders an. Kein Bock auf Zweite Liga und so. Aber wir haben alle Schäfchen zurückgeholt. Ist ja auch nur für ein Jahr.

Stanislawski zum Sieg gegen Aue

Alle Namen, die in diesem Blog genannt werden, sind tatsächliche Rufnamen, jedoch zunächst keine Klarnamen, da ich zum Beispiel nicht weiß, ob der Pimkie will, dass er mit seinem wahren Namen in einem Massenmedien auftauchen will. Der Vater von Pimkies beiden (Halb)-Brüdern, die ebenfalls zu unserem Team zählen, ist mittlerweile 85 Jahre alt und hat an zwei Olympischen Spielen teilgenommen, weshalb ich ein wenig davor zurückschrecke, ihn mit seinem Rufnamen auftauchen zu lassen, denn er ist bei vielen Kölnern noch immer recht bekannt. Darum wird er wohl zunächst nur als Der Vater Von Pimkies Brüdern hier auftauchen. Wann ich Pimkies Brüder hier auftauchen lasse, hängt von den Umständen ab. Mal sehen, wie sich die Rückrunde entwickelt.

Der Vater Von Pimkies Brüdern ist jedenfalls nicht mehr so gut zu Fuß, wie er es etwa bei den Olympischen Spielen von Melbourne 1956 gewesen sein muss. Darum gehen wir meist ein paar Minuten vor dem Schlusspfiff, damit wir nicht so sehr ins Gedränge geraten. Ein Spiel muss schon extrem gut sein, um den Vater Von Pimkies Brüdern über die 88. Minute hinaus im Stadion zu halten. Und am Samstag zum Beispiel waren der Pimkie, Pimkies Brüder sowie Der Vater Von Pimkies Brüdern nicht allzu zufrieden mit dem Spiel. Ich übrigens auch nicht. Aber dazu mehr.

Zunächst waren wir sehr zufrieden, weil der FC herausragend kombinierte, Tempo und ein frühes Tor machte, Stanislawski wieder 4-3-2-1 spielen ließ mit Clemens etwas zurückgezogen, was ich unheimlich mag, weil Clemens dann entweder super passen oder mit dem Ball am Fuß monströs antreten kann. Außerdem gefiel mir das Spiel zunächst so gut, weil Stanislawski, das darf ich in meiner jetzigen Funktion einfach mal so sagen, weil ich ja Eintritt zahle für den FC und darum sagen darf, was ich sehen will, ohne Lehmann spielte. Denn ich sehe, um es mal positiv zu formulieren, Adam Matuschyk lieber spielen als Lehmann. Ist so.

Zudem sehe ich Ujah unheimlich gern als einzige Spitze spielen, weil er dann so wahnsinnig viel Räume hat, in die er mondraketenmäßig reinfliegen kann. Wobei er am Samstag übertrieben hat. Stand knapp vor Gelb-Rot, der Anthony. Aber er ist trotzdem ein Riese. Und um das abzuschließen, fand ich auch Brecko wieder richtig gut. Brecko halte ich immer noch für unterschätzt. Er ist zwar kein riesiger Athlet, aber ein richtiger, top-ausgebildeter Fußballer. Mit einem richtig guten rechten Fuß, viel Übersicht. Wenn ich den vergleiche mit dem Gegenentwurf eines Außenverteidigers, diesen Sprint- und Zweikampfmonstern, die keinen Ball geradeaus schießen können, finde ich unseren Kapitän richtig gut. Weil er Stil hat. Ich meine: Der ist WM-Teilnehmer. FC-Kapitän und Spielminutenkönig. Vor dem Mann habe ich Respekt. Ich fand sogar gut, wie er mit seiner Irrfahrt ins Gleisbett umgegangen ist. Er hat sich entschuldigt, hat sich richtig klein gemacht. Und dann muss es auch mal gut sein.

Wo war ich, wo ist der Rote Faden? Ach ja: Der FC war gut, spielte so, wie es mir und dem Pimkie gefällt (Pimkie ist auch ein großer Fan von Clemens im Mittelfeld, findet aber, dass Clemens mit Pimkies Überzeugung und Kampfgeist schon jetzt 50 Länderspiele haben müsste, was ich wiederum sogar durchaus teile, denn der Pimkie ist einer, der sich ganz schön in Dinge verbeißen kann). Und Aue, seien wir ehrlich, war 20 Minuten lang nicht auf dem Platz. Erschreckend, wie die alle Räume offenließen. Wir waren also klar besser, was ja die Hauptsache ist, ich hatte zwei Pullover und meine wärmste Jacke an und hatte mich außerdem auf dem Fahrrad ordentlich warmgefahren, sodass ich nicht frieren musste. Das Spiel lief klasse. Und dann kippte es irgendwie.

Karsten Baumann zur Niederlage gegen den FC

Das ist das Gute daran, wenn man völlig subjektiv schreibt: Die Kollegen aus der Sportredaktion müssen sich Gedanken machen, warum plötzlich nichts mehr lief. Ich kann nur sagen: Es lief nicht mehr. Ich kann sogar sagen: Der FC spielte kompletten Müll. Wahrscheinlich teile Aue ein paar Räume besser auf und erhöhte insgesamt das Laufvolumen. Aber so richtig weiß ich nicht, was los war. Ist aber auch nicht schlimm, denn es ist gewiss nicht mein Job, anderen Leuten den Fußball zu erklären.

Heute Stellvertretender Leiter der Lokalredaktion des Kölner Stadt-Anzeiger: Christian Löer.
Heute Stellvertretender Leiter der Lokalredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger": Christian Löer.
Foto: Archiv

Wir haben uns jedenfalls ein bisschen aufgeregt. Der Pimkie und Der Vater Von Pimkies Brüdern etwas mehr (der eine von Pimkies Brüdern lag übrigens mit Grippe im Bett, weshalb der andere von Pimkies Brüdern seine Frau mitgenommen hatte, die schon zum Testspiel gegen Dortmund im Stadion war und damit nun zwei Siege in Folge geholt hat, was sie schon fast zu weiteren Spielbesuchen verpflichtet). Ich werde in der Regel eher leiser, wenn der FC schlecht spielt. Nach dem 1:0 hatte ich noch Sachen wie „Wir steigen sowas von auf!“ gebrüllt. Nach dem 1:1 (und davor, glaube ich, auch schon), hat Der Vater Von Pimkies Brüdern dann sowas wie „Diese Aufstiegsträume, wenn ich das höre“ vor sich hingemurmelt, was dann wohl an mich adressiert war. In der 88. Minute hatte Der Vater Von Pimkies Brüdern jedenfalls genug und wir anderen eigentlich auch. Tja, und als wir dann also gerade aus dem Block gingen, explodierte hinter uns das Stadion wegen Clemens' Rakete. Ich sprintete also zurück in den Block und sah gerade noch, wie Clemensinho auf dem Bauch über den Rasen schlitterte. Ein anderer Zuschauer war auch zurückgerannt und schrie lachend in meine Richtung: „Alter, da geht man einmal früher aus dem Stadion – und schon verpasst man das Siegtor!“ Und ich schrie zurück: „Mann, aber wenn wir nicht gegangen wären, dann wäre das Tor doch vielleicht gar nicht gefallen!“

Das gab ihm für einen Moment zu denken. Dann schüttelten wir einander die Hände, schlugen uns auf die Schultern – und gingen nach Hause. Ein Samstag wie vom Wunschzettel. Bald dann gern wieder in der Ersten Liga.

 

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