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Vereinskrise: Linke Tasche, rechte Tasche beim FC

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FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle. Foto: Rainer Dahmen
Der FC in der Krise: Das Eigenkapital des Vereins ist aufgebraucht. Jetzt muss sich der 1. FC Köln auch noch auf härtere Bedingungen beim Lizenzierungsverfahren einstellen. Mit bilanzkosmetischen Tricks dürfte es in Kürze vorbei sein.  Von
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Köln

Der 1. FC Köln muss sich auf härtere Bedingungen beim Lizenzierungsverfahren einstellen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wird laut Geschäftsführer Andreas Rettig bei einer Generalversammlung im August darüber entscheiden, ob vor der Erteilung einer Lizenz für die Erste oder die Zweite Liga künftig die Konzernabschlüsse im Rahmen des Verfahrens eingereicht werden müssen.

Bisher prüft die DFL beim Lizenzierungsverfahren nur den Jahresabschluss der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA und deren Liquidität. Danach kommt der Klub im letzten veröffentlichen Jahresabschluss zum 30. Juni 2012 auf einen Schuldenstand von 27,4 Millionen Euro. Inzwischen liegen sie nach Schätzungen bei rund 32 Millionen Euro. Immerhin: Das Eigenkapital der 1. FC Köln GmbH & Co KGaA betrug Ende Juni 2012 noch knapp zwei Prozent der Bilanzsumme.

Äußerst kritische Situation

Für den Wirtschaftsexperten Christian Weber (30) ist das jedoch nicht ausreichend. Weber, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster seine Doktorarbeit über die „Rechnungslegung und Lizenzierung im deutschen Profifußball“ geschrieben hat, schätzt die finanzielle Situation des 1. FC Köln äußerst kritisch ein, „weil den Verbindlichkeiten keine ausreichenden Vermögenswerte gegenüberstehen. Die Gefahr ist groß, dass das Eigenkapital in kurzer Zeit aufgezehrt sein wird.“

Beim Gesamtkonzern 1. FC Köln, der auch die Wirtschaftsergebnisse der Konzerntöchter Gaststätten GmbH und Marketing & Vertriebs GmbH beinhaltet, ist das längst der Fall. Wie bei vielen Profi-Vereinen üblich, haben auch die Kölner in der Vergangenheit immer wieder Vereinsrechte an die Tochtergesellschaften abgegeben und die Erlöse auf der Habenseite in der Bilanz verbucht.

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„Beim Konzernabschluss werden diese Inhouse-Geschäfte herausgerechnet“, sagt Weber. Deshalb lag der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag des Klubs zum Ende der Spielzeit 2011/12 bei 8,1 Millionen Euro. „Da hat der Klub in der Bundesliga gespielt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bilanz nach dieser Zweitliga-Saison besser ausfallen wird.“ Die DFL habe sich bisher viel zu wenig für die Schuldenhöhe und die finanzielle Stabilität ihrer Vereine interessiert. „Ihr oberstes Ziel ist, dass alle Klubs bis zum letzten Spieltag durchhalten. Dadurch werden die Vereine angeleitet, nur auf die kurzfristige Liquidität zu starren. Mit nachhaltiger Geschäftspolitik hat das nichts zu tun“, sagt Weber.

Die Inhouse-Geschäfte lösen nach Auffassung Webers keine Finanzprobleme, sondern verschärfen sie auf Dauer nur. „Natürlich hilft es kurzfristig, dass wie beim 1. FC Köln Verträge wie mit dem Sponsoren- und Rechtevermarkter IMG vorzeitig bis 2016 verlängert werden“, sagt Weber. Auch mit der Vergabe der Catering-Rechte für das Rhein-Energie-Stadion könne sich der Verein kurzfristig Luft verschaffen. „Der Plan, das Geißbockheim an den 1. FC Köln e.V. zu verkaufen, bedeutet aber auch, dass man in den Folgejahren die Miete stemmen muss.“

Bei diesem Geschäft ist nicht einmal klar, ob es aus rechtlichen Gründen überhaupt abgewickelt werden kann. Das Grundstück gehört der Stadt. Deshalb stellt sich bei einem Verkauf sofort die Frage nach der Subventionierung des Profifußballs.

Kurzfristige Liquidität sichern

Es sei nachvollziehbar, dass FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle alles daransetzen müsse, zunächst die kurzfristige Liquidität zu sichern. „Das ist der erste Schritt auf dem Sanierungsweg. Insofern macht der Geschäftsführer alles richtig“, attestiert der Wirtschaftsexperte. Strukturelle Verbesserungen seien durch diese Einmal-Effekte nicht zu erzielen. „Eine Mietminderung für das Stadion in der Zweiten Liga durch die Stadt wirkt dagegen langfristig.“ Auf Dauer werde der FC nicht umhinkommen, den Personalaufwand zu verringern und neue Einnahmequellen zu erschließen. „Das geht am besten durch den Aufstieg in die Bundesliga.“

Mit den bilanzkosmetischen Tricks nach dem „Linke-Tasche-rechte-Tasche-Prinzip“ dürfte es eh in Kürze vorbei sein. Sollte die DFL ihr Bewertungssystem bei der nationalen Lizenzvergabe wie angekündigt ändern, müsste der FC nicht nur die Liquidität nachweisen, sondern in der Zweiten Liga jährlich fünf Prozent seines Schuldenbergs abtragen, in der Bundesliga sogar zehn Prozent. Bei allen Vereinen, die sich für internationale Spiele qualifiziert haben und deren Eigenkapital aufgezehrt ist, ist das längst der Fall.

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