27.07.2016
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125 Jahre Drachenfelsbahn: Ein echtes Fest für Enthusiasten

Drachenfels

Nur acht Minuten dauert die Fahrt in der Drachenfelsbahn, die seit dem 17. Juli 1883 auf einer Strecke von anderthalb Kilometern Höhenunterschiede von 220 Metern überwindet - und das heute nahezu lautlos.

Siebengebirge -

Mitten im Getümmel hat Heinz Grimm eine ruhige Hand. „Senkrecht ansetzen, dann ganz langsam und vorsichtig drücken“, erklärt der Mann in der gelb-schwarzen Kluft. „Und vor allem: Nicht wackeln!“ Das nämlich hat der Sammler gar nicht gern: Der Stempel muss perfekt und vor allem sauber sitzen, wenn er die Sonderbriefmarke zum Jubiläum der Drachenfelsbahn zieren soll. Natürlich ist auch das „Erlebnisteam Briefmarke“ vom Standort „Philatelie“ aus Düren im Einsatz, wenn die drachengrüne Zahnradbahn ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Diesen Anlass ehrt die Deutsche Post mit einem Sonderwertzeichen. 2300 Stück davon hat das Einsatzkommando mit Grimm, Dagmar Höver und Birgitta Fleschhut im Gepäck, dazu 500 Jubiläumsbriefe und 500 Ersttagsblätter. „Wir hoffen, die reichen bis Sonntag“, überlegt Birgitta Fleschhut im kleinen Postamt.

Grüße vom Rhein

Die neue Sondermarke klebt die Familie Tarant aus Fuldabrück bei Kassel gleich zehnfach auf Postkarten, um Daheimgebliebene aus Königswinter zu grüßen. „Wir sind echte Eisenbahn-Enthusiasten, da mussten wir einfach herkommen“, verrät Gerd Tarant. So wie er denken viele: Das Gedränge in der Talstation der mobilen Sehenswürdigkeit ist gewaltig. Mit mehr als zwei Millionen Besuchern ist der Drachenfels im vergangenen Jahr der meistbestiegene Gipfel Europas gewesen.

Dass man die Bergspitze in 321 Metern Höhe auch viel bequemer erreichen kann, weiß Dieter Streve-Mühlens nur allzu gut: Der heute 65 Jahre alte Senior entstammt jener Kölner Fabrikanten-Familie, die sich mit dem Duftwasser „4711“ einen Namen gemacht hat. Noch heute zählt sie zu den Eigentümern der Bahn. „Ich durfte so manchen Geburtstag dort verbringen“, sagt Streve-Mühlens, der heute in der Nachbarschaft wohnt. Auch die schwärzeste Stunde der wohl ältesten Zahnradbahn Deutschlands hat er miterlebt: 16 Menschen sterben, 87 Passagiere werden verletzt beim einzigen Unfall in der Geschichte der Bahn am 14. September 1958. „Die haben wir damals im Krankenhaus besucht“, berichtet Streve-Mühlens, der sich nun auf „Feiertage“ freut.

Paul Wild (63) aus Oberdollendorf dagegen will von Mitfahren gar nichts wissen: „Ich bin schon als Kind lieber nebenher gelaufen“, verrät der pensionierte Wagenbaumeister der Deutschen Bahn. „Das ist viel spannender, man kann so nämlich die Technik viel besser in Bewegung erleben.“

Zu den Gratulanten zählt unterdessen auch Landrat Frithjof Kühn, der beim Festakt die Bedeutung der Drachenfelsbahn als festen Teil der regionalen Geschichte beschreibt. „Heute ist sie ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt“, betont Kühn, der zudem an die zentrale Bedeutung des beliebten Berges und der Stadt Königswinter allgemein im Zuge der „Regionale 2010“-Projekte erinnert. Mehr als 300 geladene Gäste hat Jürgen Limper (68) zuvor in „seinen“ Hallen begrüßt, vom Andrang am ersten Familientag ist er „schlichtweg überwältigt“: Am Sonntag, 20. Juli, erwartet der Chef der „Bergbahnen im Siebengebirge AG“ noch viel mehr Schaulustige: „Wir an diesem zweiten Familientag von 9 bis 19.15 Uhr in dichteren Takten“, verspricht er.

Schätze ordnen

Hoch oben ordnen derweil Friedel Emmerich (67) und Enkel Maik (7) ihre Schätze: Sie haben alles erworben: die Sondermarke, den Jubiläumsbrief, das Ersttagsblatt. „Und natürlich auch den Cachet-Stempel“, betont der Bonner. Inzwischen hat Postmann Heinz Grimm den Ticketschalter der Bergstation erreicht und versieht dort weitere Sammelschätze mit eben jenem Aufdruck: „Der Cachet-Stempel beweist, dass dieser Brief wirklich mit der Drachenfelsbahn befördert worden ist“, erklärt Grimm und verweigert jede Ausnahme. So ein bisschen Bürokratie braucht eben auch das „Erlebnisteam Briefmarke“.


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