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Adventskrimi — 17. Folge: Omas Botschaft zieht ihre Kreise

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Umringt von möglichen Mitwissern: Sven im Schwulenclub. Illustration: Alex Jahn 
Sven ist im Schwulenclub, um dort Omas geheime Botschaft zu verbreiten. Erst steht er sich selbst im Weg, aber dann kommt Hilfe. Wer wird die Botschaft entschlüsseln? Rätselt mit — und schickt uns ein Wort für die Adventskrimi-Folge 18!  Von
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Was bisher Urlaub in der Karibik, das hatte Sven Gärtner sich anders vorgestellt: Im Nebenzimmer wird die Leiche eines Fremden gefunden, und Oma gerät unter Verdacht. Nun liegt es an Sven, den echten Mörder zu finden. Dazu verschlägt es ihn in Puerto Ricos besten Schwulenclub.

Sven Gärtner stand vor der Tür des Pedro en Juan und schwitzte.

Es war so warm. Und die Klamotten, die Pía von weiß Gott woher gezaubert hatte, waren viel zu eng, er kam sich vor wie ein Streifenhörnchen im Korsett.

Das Pedro en Juan lag in einem belebten Viertel von Puerto Ricos Hauptstadt. Menschen drängten sich auf der Straße, einige Grüppchen ausgestattet mit Rumflaschen, andere mit Bierdosen. Letztere waren wohl die Amerikaner auf Urlaub, deren breites Englisch von den lauten spanischen Brocken, die Sven aufschnappte, erstickt wurde. Viele Pärchen hielten sich an den Händen oder küssten sich oder zogen sich in eine Seitenstraße zurück. Auch die umliegenden Bars schienen gut besucht, im Sombrero wurde gerade ein Geburtstag gefeiert, ein Mann um die vierzig pustete Kerzen auf einer Bananentorte aus.

Es war laut, es war aufregend, es war warm.

Mein Gott, wie Sven schwitzte.

Beim besten Willen hätte er nicht sagen können, wo genau er war. Pía hatte dem Taxifahrer auf übermenschlich schnellem Spanisch eine Adresse genannt und ihm gedroht, er solle Sven bloß nicht übers Ohr hauen. Hatte der vermutlich trotzdem, aber er war schon froh, sicher angekommen zu sein. Pía hatte ihm ihr Handy mitgegeben, während sie im Hotel die Stellung hielt und darauf achtete, dass Baumann und Steele – nicht zu vergessen Oma – sich benahmen. Das war schwierig genug, da würde Sven sie sicher nicht wegen einer teuren Taxifahrt belästigen.

Stattdessen starrte er nun minutenlang auf den Eingang des Pedro en Juan und sammelte seinen Mut. Das Problem war überhaupt nicht, dass es ein Schwulenclub war – Himmelherrgott, er kam aus Köln! Aber wie sollte er Omas „Nachricht“ unter die Gäste bringen? Noch geht es am besten ohne Leben. Wenn er kommt, kommt er zu seinem Freund, mir. Die meisten sprachen dort Englisch und Spanisch! Verstand überhaupt jemand Deutsch? Und wozu eigentlich das Ganze?

„¡Eh, pequeñito!“

Jemand tippte ihm auf die Schulter. Ein hochgewachsener Mann mit einem kunstvollem Muster im Bart und strahlend blauen Augen lächelte ihn an. „Te veo la primera vez aquí, ¿no?“
„Ähm … English?“, fragte Sven hoffnungsvoll. Der Mann lachte, schlug ihm auf die Schulter, und wiederholte in gebrochenem Englisch:

„Ich seh dich zum ersten Mal hier, oder? Auf dem Weg zu Pedro?“

Sven nickte.

„Du stehst hier schon seit fünf Minuten, pequeñito. Komm, da beißt keiner!“

Resolut zog der Mann Sven am Ärmel in den Club hinein.

Drinnen herrschte ein derartiger Lärm, dass sie sich kaum mehr verstehen konnten. Immerhin erfuhr Sven, dass der Mann Alejandro hieß und in Puerto Rico geboren worden war. Die Männer im Pedro sahen allesamt besser aus, als Sven sich jemals gefühlt hatte. Eingeschüchtert zupfte er an seinem Hemd herum und versuchte, über den Dreck auf seinen Schuhe zu reiben. Oh man, was für eine Idee. Was für eine oberverrückte Idee!

Alejandro brauchte ganze zwei Minuten, um ihn prüfend anzuschauen und dann mitleidig zu sagen: „Entweder, du bist 'ne Hete, oder echt noch Jungfrau.“

Dankbar, dass er nicht selbst damit rausrücken musste, erzählte Sven Alejandro von seinem Unglück. Seine Oma eingesperrt für einen Mord, den sie nicht begangen hatte, der Täter verschwunden, der Gerichtsmediziner im Urlaub. Er erzählte ihm auch von der Nachricht, die er zu verbreiten hatte.

Alejandro hörte sich alles ganz genau an, ließ sich die Nachricht sogar aufschreiben, dann zerrte er Sven zum Barkeeper. Sie küssten sich zur Begrüßung – okay, offensichtlich mindestens gut befreundet. Danach bat er Sven, die Nachricht noch einmal zu wiederholen, Wort für Wort. Der Barkeeper würde jeden seiner Gäste danach fragen.

Sven glaubte, alle Luft müsste vor Erleichterung aus seiner Lunge entweichen und er auf der Stelle ohnmächtig werden. Die nächsten zwei Stunden verbrachten sie damit, Omas Nachricht auf Bierdeckel zu schreiben und sie im Club zu verteilen – auch wenn Sven noch immer nicht die leiseste Ahnung hatte, wozu das gut sein sollte. Aber irgendetwas musste es bringen! Oma würde ihn sicher nicht mit irgendeiner Sinnlos-Aktion beschäftigen, während sie in Herrn Baumanns Pumakäfig eingesperrt sein musste.

Alejandro enthüllte im Laufe des Abends, dass er eine Zeit lang als Bauingenieur in Deutschland gearbeitet hatte und amüsierte Sven mit seinen unzulänglichen Sprachkenntnissen, während der Barkeeper ihnen Drinks spendierte. Nach dem dritten Mojito ging es Sven ziemlich, ziemlich gut. So gut, er hätte beinahe nicht gemerkt, dass Pías Handy klingelte.

Er fischte das vibrierende Gerät aus der Tasche und nahm lachend ab: „Ja?“

„Pía hier.“

Das Grinsen fiel ihm vom Gesicht. Sie klang sehr, sehr ernst.

„Du musst zurückkommen, Sven.“

„Wieso?“

Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann holte Pía tief Luft.

„Irgendwas stimmt mit deiner Oma nicht.“

Das heute eingebaute Userwort „Streifenhörnchen“ stammt von Eva Gärtner-Plückthun via Facebook. Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi12

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Adventskrimi: Mitmachen und Gewinnen
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