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Adventskrimi — 18. Folge: Nur zwölf Stunden Zeit!

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Was ist bloß mit Oma? Hoffentlich nichts ernstes! Foto: Alex Jahn
Sven rast panisch durch die Stadt — was ist bloß mit Oma los? Und was fängt der arme Gärtner Junior bloß mit ihrem neuen Auftrag an? Die Ermittlungen laufen heiß - rätselt mit und gewinnt! Und schickt uns ein Wort für Folge 19, wir sind gespannt!  Von
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Auf der Suche nach dem Mörder seines Zimmernachbarns taucht Sven Gärtner in Puerto Ricos Nachtleben ab. Da erreicht ihn ein Anruf aus der Pension: Etwas stimme nicht mit seiner Oma, die von der Polizei verdächtigt wird.

Panisch stürmte Sven aus dem Pedro en Juan und stürzte sich vor das erstbeste Taxi, das die Straße entlang fuhr. Alejandro nannte dem Fahrer die Adresse der Pension, drückte ihm ein paar Geldscheine in die Hand und rief zum Abschied: „¡Mucha suerte!“ Dann rasten sie davon.

Svens Herz klopfte wie wild. Erst jetzt bemerkte er, wie seine Kleidung am Körper klebte, und dass der Schweiß seinen Sonnenbrand wieder entfacht hatte. Er musste aussehen wie ein Kallendrießer am Kölner Rathaus.

Pías Worte schwirrte ihm ununterbrochen im Kopf herum, „irgendwas stimmt mit deiner Oma nicht“, irgendwas, was, was konnte das sein? Er hatte Pía über das Telefon kaum verstanden, „komm einfach her!“, hatte sie am Ende gerufen und aufgelegt, „schnell!“

Schnell, schnell, schnell – das musste Alejandro auch dem Taxifahrer gesagt haben, denn der sauste wie von einem Stier gejagt durch die Straßen San Juans, schlängelte sich durch kleine Gassen und kratzte an roten Ampeln vorbei. Sven konnte nur hinausstarren, hinaus auf die Lichter und die Menschen, und was, wenn diese ganze Geschichte Oma den Rest gegeben hatte? Herzattacke, das kam in dem Alter in Frage, was, wenn es niemand bemerkt hatte, sie allein in Baumanns Zimmer lag, eingeschlossen, und keiner ihr helfen konnte? Scheiße, wieso hatte er sich nicht mit Steele angelegt, hatte darauf bestanden, dass Oma bei ihm blieb?!

Hupend raste der Taxifahrer über einen Zebrastreifen, über eine rote Ampel, Feiernde sprangen ihm fluchend aus dem Weg, der Fahrtwind wirbelte Svens Haar durcheinander, seine Augen tränten. Sie schrabbten einen Bordstein entlang, als sie in die Straße einbogen, an der die Pension lag, am schwarzen Mietwagen vorbei, an den Sven keinen Gedanken verschwendete. Er hechtete aus dem Taxi, begleitet vom „¡Dios proteja tu abuela!“ des Fahrers, fiel durch die Tür in die Pension ein und kam schlitternd vor der Rezeption zum Stehen.

Schon dort war es deutlich zu hören: Oma schrie das ganze Haus zusammen. Ohne zu zögern stürzte er in den Keller, stolperte beinahe die Stufen hinunter, eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun zehn die letzten vier übersprang er, landete mit einem großen Satz auf dem Teppichboden und rannte den Flur entlang zur Zimmertür, hinter der Oma eingesperrt war.

Davor standen Police Lieutenant Steele, Herbert Baumann und Pía. Der Polizeikommissar trug einen rotblauen Schlafanzug mit einem Superman-Zeichen darauf. Herr Baumann schlief offensichtlich in entblößter Pracht, der trug nämlich bloß einen Bademantel. Einzig Pía war noch vollständig in Top und Faltenrock gekleidet, sie hatte offenbar auf Svens Rückkehr gewartete.

Aus dem Zimmer rumste es. „Sven! Sven! Sven! Sven! Sven!“, skandierte Oma unüberhörbar, so laut, dass Steele sich entnervt die Stirn rieb und Baumann sich die Ohren zuhielt. Pía rannte ihm entgegen, fing ihn ab. „Sie schreit schon seit einer halben Stunde deinen Namen. Baumann hat schon aufgeschlossen, wir wollten sie beruhigen, aber sie hat die Tür von innen blockiert.“

Sven nahm sich nicht einmal Zeit, zu antworten, schubste bloß Steele aus dem Weg und schlängelte sich an Baumann vorbei (an dem wäre er wohl sonst auch einfach abgeprallt wie ein Flummi) zur Tür.

„Oma, ich bin hier, ich bin hier! Geht’s dir gut?!“

Drinnen verstummte sie. „Alle anderen sollen verschwinden. Alle, hörst du?!“

„Das kommt nicht in Frage“, erhob Steele sofort Einspruch.

Woraufhin Oma sofort wieder zu schreien begann.

Noch dreißig Sekunden lang ertrug der Kommissar den Lärm, dann rief er: „Schon gut, schon gut! Wir warten am Ende des Flurs. Ihr kriegt dreißig Sekunden. Keine krummen Dinger, Kleiner, ich warne dich!“

Sven nickte. Die drei anderen entfernten sich. Kaum waren ihre gedämpften Schritte auf dem Teppich verklungen, knackte es auf der anderen Seite der Tür und sie wurde geöffnet. Wieder fiel Oma ihm in die Arme, aber inzwischen kannte er die Masche schon. Sie hatte ihren Stock benutzt, um die Tür zu blockieren, und es sich anscheinend gemütlich gemacht. Herr Baumanns Computer war angeschaltet, seine Bettwäsche durchwühlt und die Ordnung seiner Zeitungen sorgfältig durcheinandergebracht.

Erleichtert atmete er auf. Es ging Oma offensichtlich bestens.

„Jungchen“, flüsterte sie. „Du musst mich hier raus holen, hörst du? In spätestens zwölf Stunden muss ich hier weg sein, sonst geht alles schief!“
„Was geht schief?“, fragte Sven, aber Oma antwortete nicht. „Zwölf Stunden, Junge!“
„Wie soll ich das machen, Oma?“

Aber ihr blieb keine Zeit mehr, zu antworten. Steele war schon wieder bei ihnen, schob Oma wieder ins Zimmer. „Das reicht!“

Sven schluckte. Der Polizeikommissar schaute ihn misstrauisch an.

Zwölf Stunden.

Das heute eingebaute Userwort „Kallendrießer“ stammt von unserem Twitter-Follower Ivo Neumann. Das kölsche Wort Kallendrießer, auch geläufig unter Kallendresser oder Kallemännche, bezeichnet Figuren wie die am Kölner Rathausturm, die in die Regenrinne pinkeln. Sie sind seit dem Mittelalter bekannt und waren vermutlich kleine scherzhafte Hiebe gegen Obrigkeiten. Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi12

Wort gesucht!
Gewinner gesucht!

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