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Adventskrimi — 2. Folge: Was für ein Mädchen!

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Die schöne Pía kommt ins Spiel. Sie wird für Sven nicht nur bei den Ermittlungen eine Rolle spielen Foto: Alex Jahn
Rätseln und gewinnen: Oma Gärtner wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht gleich zu Urlaubsbeginn wieder zu ermitteln begonnen hätte. Sven dagegen trifft auf die schöne Pía — nur, dass Oma ihm keine Zeit lässt. Was ist nur mit dem Mann von Zimmer drei?  Von
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Zwei Gärtners und der stille Gast

Der Pensionsbesitzer, Herbert Baumann, saß an der Rezeption und las deutsche Zeitungen. Eine hielt er in der Hand, fünf weitere lagen gestapelt auf dem Tresen, drohten, herunterzufallen.

Herbert Baumann schien den ganzen lieben langen Tag Zeitung zu lesen. Nur den Wirtschaftsteil, verstand sich, Lust auf gute Nachrichten hatte er nämlich keine. Deshalb war er doch überhaupt erst aus Köln weggegangen.

Arbeiten wollte er auch nicht. So gesehen hätte er natürlich in Köln bleiben können, aber er beschäftigte lieber billige einheimische Angestellte, wie das Mädchen, welches gerade Rechnungen sortierte.
Sven Gärtner klappte der Mund auf.

Was für ein Mädchen! Sonnengebräunte Haut und dunkles, langes Haar, goldene Ohrringe und eine kleine Stupsnase in einem schmalen Gesicht. Gehüllt in weiße Leinenkleidung trug sie außerdem ein Namensschild: Pía Yañez.

„Junge!“, ermahnte ihn seine Oma, und gab ihm einen Stoß mit ihrem Stock auf den verbrannten Rücken. „Jetzt konzentrier dich doch mal!“

Ebenso ertappt wie störrisch wandte Sven sich seiner Oma zu. Er würde nicht den ersten weiblichen Menschen unter siebenundsiebzig, und nüchtern noch dazu, ignorieren. Außerdem würde Omas Plan nie, nie, niemals funktionieren.

Sie zuckte jedoch bloß mit den Schultern, sank in sich zusammen und humpelte mit einem beinah dümmlichen Lächeln auf den Tresen zu.

„Mein Herr“, krächzte sie. „Ich hätte gern meinen Zimmerschlüssel.“

Langsam, ganz langsam ließ Herbert Baumann die Zeitung auf seinen stattlichen Bierbauch sinken. „Zimmer fünf, oder?“, fragte er. „Den hab ich Ihnen schon gegeben.“

„Nein, nein!“, sagte Oma. „Ich bin doch auf Zimmer vier.“

Die buschigen Augenbrauen des Herrn Baumann zogen sich eng zusammen.

„Das kann nich’ sein“, brummte er. „Das Zimmer ist nicht vermietet.“

„Aber es ist doch meins“, rief Oma. „Zimmer vier. Bitte, geben Sie mir den Schlüssel. Ich trau mich nicht auf Zimmer fünf, da ist dieser fremde junge Mann.“

Herr Baumann blickte verwirrt in Svens Richtung. „Aber Frau Gärtner“, flüsterte er, fast verschwörerisch. „Das ist doch Ihr Enkel.“

„Mein Enkel?“ Oma ging sich fahrig durchs Haar. „Das kann nicht sein. Der Sven ist zu Hus, bei seinen Eltern. Studiert, wissen Sie? Bin richtig stolz auf den Jungen. Bei uns war das noch anders. Ich hab nach dem Krieg noch die Stadt mit aufgebaut. Schutt und Asche überall, wissen Sie? Köln, das hätten Sie nicht mehr erkannt. Aber den Jung, auf den bin ich stolz. Früher war das anders, sag ich Ihnen, im Krieg, da war nichts mit studieren. Da haben wir stramm stehen müssen, und dann die ganzen Trümmer weg, ach, ich sag’s Ihnen, aber das können sich die jungen Leute gar nicht mehr vorstellen. Wie mein Enkel, der Sven. Studiert in Köln, an der Uni, wissen Sie?“

Herbert Baumann sah so verwirrt aus, er tat Sven fast ein wenig leid. Pía Yaňez schien zu schmunzeln, zeigte gerade, weiße Zähne, während Oma einfach weitermachte: „Bitte, ich brauche meinen Zimmerschlüssel. Vier. Zimmer vier. Auf Zimmer fünf ist dieser furchtbare junge Mann, der mir solche Angst macht. Sie wissen, als junges Mädel muss man vorsichtig sein. Es gab natürlich schon mal gefährlichere Zeiten, nach dem Krieg, als wir alles wieder aufgebaut haben, überall Schutt und Asche, und Köln, das hätten Sie nicht wiedererkannt ...“

„Schon gut, schon gut!“, platzte es aus Herbert Baumann hervor. „Nehmen Sie’s einfach!“

Das war doch unglaublich. Sven klappte tatsächlich der Mund auf, als Herr Baumann seiner Oma die Schlüsselkarte mit der Nummer vier in die Hand drückte. Einfach total unglaublich! Pía Yañez schien das ähnlich zu sehen, sie schüttelte sich vor unterdrücktem Lachen.

Sven hätte ziemlich gern gewusst, wie das klang.

Oma lächelte sanft, drehte sich um, und humpelte auf den Ausgang zu. Sobald sie die Eingangshalle verlassen hatte, wandelte sich das Lächeln zu einem schelmischen Grinsen, statt zu humpeln stürmte sie beinah mit leichtem Sprung im Schritt die Treppe hinauf. „Bingo! Alt und verwirrt, das macht mir keiner nach. Pack deine Sachen, Junge, wir ziehen um!“

Sie brauchten nur wenige Minuten, um ihre sieben Sachen zusammenzusuchen und von Zimmer fünf in Zimmer vier zu bringen. „So“, sagte Oma, als sie ihre Kulturtasche im Bad abstellte. „Jetzt sind wir direkt neben unserem mysteriösen Gast. Der perfekte Ort für unsere Ermittlungszentrale.“

„Wie stellst du dir das vor, Oma?“, fragte Sven, und kratzte sich im Nacken. Sein Sonnenbrand juckte immer noch fürchterlich. „Willst du etwa den ganzen Tag im Zimmer hocken und mit dem Ohr an der Wand kleben?“
„Natürlich nicht!“ Oma wedelte energisch mit der Hand, als sei die Idee geradezu lachhaft. „Ich muss raus und Erkundigungen über diesen Gast einholen. Du wirst hier bleiben.“
„Ich?“, erwiderte Sven entsetzt. „Warum ich?“
„Dein Sonnenbrand muss geschont werden!“, rief Oma, als sie schon hinausstapfte.

Dann fiel die Tür ins Schloss.

Sven ließ sich frustriert aufs Bett fallen. Der arme Mann von Zimmer drei wollte wahrscheinlich nur seine Ruhe haben. Einfach nicht gestört werden, nicht beobachtet von irgendwelchen alten Klatschtanten oder verfolgt von Omas Paranoia. Vielleicht hatte er sogar jemanden dabei, seine Freundin oder so, jemanden wie Pía Yaňez, und verbrachte die Zeit lieber mit ihr im klimatisierten Zimmer als unter der Höllensonne auf brandheißem Sand. Sven konnte es ihm nachfühlen. Er träumte sich in ein Brauhaus mit Kölsch und Flönz.

Alles war so schön still. Er überlegte, den Laptop anzuwerfen und seine Familie in Köln anzurufen, schloss aber lieber die Augen. Was für eine selige Ruhe herrschte, wenn Oma nicht da war. Sven zog noch die Schuhe aus, dann sank er in die Kissen.
Er spürte gerade, wie seine Lider schwer wurden, als ihn etwas hochfahren ließ:

Ein Geräusch aus dem Nebenzimmer.

Das heute eingebaute Userwort „Flönz“ stammt von Bine (@MarieMiena2010). Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stchwort/Hastag: #adventskrimi

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Gewinner gesucht!

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Haben Sie den Fall schon gelöst, an dem Sven und Oma sich die Zähne ausbeißen? Unter den erfolgreichen Adventskrimi-Ermittlern verlosen wir..... . Einsendeschluss an adventskrimi@ksta.de ist der 23. Dezember 2012, 20 Uhr. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir als 1. Preis ein iPad 3, als 2. Preis 2x2 Karten für die Ice-Ace-Liveshow in der Lanxess-Arena, als 3. Preis 2x2 Karten für die Harlem Gospel Singers in der Lanxess-Arena und als 4. Preis 2x2 Karten für die Weiberfastnacht im DuMont-Zelt. Wir benachrichtigen die Gewinner in der zweiten Januarwoche. Bitte vergessen Sie nicht, Ihren vollständigen Vor- und Nachnamen, Ihre Postadresse und Ihre Telefonnummer anzugeben.

Adventskrimi: Mitmachen und Gewinnen
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