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Adventskrimi — 20. Folge: Ein wahnwitziger Plan

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Wozu Zeitungen gut sein können...  
Pía weiß, wie Sven seine eingesperrte Oma befreien könnte — eine wagemutige Idee. Kann das klappen? Schließlich gibt es einen Fall zu lösen, bei dem ksta.de-Nutzer gewinnen können. Für die nächste Folge suchen wir ein schönes Wort und bauen es ein.  Von
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Eigentlich wollte Sven Gärtner nur Urlaub in der Karibik machen. Nun liegt eine Leiche im Nebenzimmer, seine Oma wurde eingesperrt und Heiligabend steht vor der Tür. Mit einem waghalsigen Plan will Sven seine Oma befreien.

Zwei Gärtners und der stille Gast

Die Beifahrertür wurde geöffnet, Sven duckte sich unter das Lenkrad.

„Was machst du denn da?“

Verwirrte Erleichterung durchflutete ihn. Es war Pía, die sich zu ihm setzte und die Tür wieder zuschlug, bloß Pía!

„Mensch, hast du mich erschreckt! Woher wusstest du, dass ich hier war?“

Sie machte eine ungeduldige Handbewegung, als wolle sie seine Frage wie eine Fliege verscheuchen. „Hab dich über die Straße laufen sehen. Wusstest nicht, dass die Blumen Dornen haben, oder?“, fragte sie, und zog mitleidlos einen Stachel aus Svens Arm. Er biss sich auf die Lippe, um nicht zu wimmern wie ein kleines Mädchen. Pía fuhr schon fort: „Hör zu, ich weiß, wie wir deine Oma da raus holen können.“

„N’cht?“, brachte Sven gerade so heraus, während er an seiner Wunde nuckelte.

Ihr schien nicht nach Lachen zumute. „Baumann hat den Schlüssel bis jetzt noch keinen Moment aus den Augen gelassen. Ich kann ihm nicht aufs Klo nachlaufen, aber ich möchte wetten, sogar da hat er ihn noch in der Hand. Aber während er an der Rezeption sitzt, liegt der Schlüssel auf dem Tresen.“

Pía erklärte Sven ihren ganzen Plan.

Er war wagemutig.

Er war verrückt.

Vor allen Dingen war er gefährlich.

„Was, wenn was schiefgeht?“, fragte Sven. Wenn nicht alles nach Plan verlief, steckten sie richtig tief in der Scheiße. Dann könnten sich Sven und Oma die Anklagebank teilen.

Sie schüttelte bloß den Kopf. „Hör zu, du kennst die Polizei hier nicht. Aber ich. Steele ist ein Vollidiot, der keine Rücksicht darauf nehmen wird, wie alt die Verdächtige ist. Er wird sie behandeln wie eine Bordsteinschwalbe. Wir sind hier nicht Deutschland. Die werden deine Oma festnehmen, wenn wir nichts unternehmen.“

Es schien so, als bliebe ihm keine Wahl. Also trafen sie die nötigen Vorbereitungen.

Es ging denkbar schnell. Pía besorgte Sven aus der Küche ein Feuerzeug und eine Schachtel Streichhölzer. Für sich selbst füllte sie einen Eimer mit Putzwasser.

Das war alles.

Als der Morgen des 23. Dezember anbrach, waren sie so weit.

Sven hockte hinter einer ausladenden Topfpflanze in der Eingangshalle und wartete.

Er hasste warten. Insbesondere, wenn er so müde war. Wann hatte er das letzte Mal geschlafen? Bevor er ins Pedro gefahren war. Unglaublich, dass das erst zwölf Stunden zurücklag. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit.

Nervös spielte Sven mit dem farbenfrohen Feuerzeug in seiner Hand, bis ihm einfiel, dass das in unmittelbarer Nähe einer Pflanze keine gute Idee war. Stattdessen zupfte er also kleine Blättchen aus. Wie waren sie eigentlich in diese vertrackte Situation geraten?

Oma war Schuld. Wenn Oma sich einfach zurückgehalten hätte, läge Sven gerade entspannt unter einem Schatten spendenden Palmwedel am Pool. Er hätte sogar einen juckenden Sonnenbrand und das Gerede der Klatschtanten in Kauf genommen, wenn er nur nicht diesen wahnwitzigen Plan hätte ausführen müssen.

Zu spät. Herbert Baumanns Stimme wehte aus dem ersten Stock herunter. Er unterhielt sich mit George Steele, der gerade gähnend auf Englisch sagte: „Der Kleine hat seit Stunden keinen Mucks mehr gemacht. Ich hol mir ‘ne Mütze Schlaf, Sie haben ein Auge auf alles, klar?“

„Klar, Sir!“, antwortete der Pensionsbesitzer, bevor er gewichtigen Schrittes die Treppe hinunterstieg.

Sven duckte sich noch tiefer hinter die Pflanze, spähte zwischen den Blättern hindurch zur Rezeption. Gerade setzte Baumann sich, legte den Schlüssel zu Omas Zimmer auf die Theke hinter dem Tresen. Dann öffnete er einen der Kartons mit seinen zahllosen Zeitungen und schlug den Wirtschaftsteil auf.

Das verstand er also unter „ein Auge auf alles haben“.

Ein paar Sekunden lang herrschte noch gespenstische Stille, dann raschelte Herbert Baumann mit der Zeitung. Er murmelte etwas, verärgert. Raschelte. Murmelte. Der Stuhl knarzte, als er es sich gemütlich machte. Rascheln, räuspern. Murmeln, ärgerlich, alles, sehr, sehr ärgerlich, rascheln, wieder eine schlechte Nachricht, rascheln, Holz knarrte, räuspern …

Schritte! Leichtfüßig, klimpernde Ohrringe, ein leises Lied auf den Lippen, betrat Pía die Eingangshalle, Eimer und Wischmop in der Hand. Sie lehnte beides an die Wand, hob eine der Zeitungskisten mit Herrn Baumanns Schätzen und stellte sie zur Seite, scheinbar, um besser putzen zu können.

Baumann schaute nicht einmal auf.

Das war Svens Chance.

Er schlich hinter der Pflanze hervor und durchquerte geduckt die Eingangshalle. Krampfhaft schaute Pía nicht zu ihm herüber, sang bloß weiter. Sven fixierte seinen Blick auf Baumann, der las, einfach nur las, nicht hinschaute, nichts bemerkte, der Idi — oh oh.

Die Zeitung senkte sich.

Sven hatte überhaupt nicht gewusst, dass er so tief am Boden so schnell rennen konnte. Noch während die Schlagzeile immer tiefer fiel, während sich Baumanns Augen immer höher über das Papier schoben, raste er zum Tresen, schlitterte er über die Fließen und bremste so gerade noch ab, bevor er gegen das Holz knallte.

Hatte Baumann ihn gesehen?

Stille.

Sie klingelte in Svens Ohren.

Nichts.

Dann Pías Gesang, nun lauter, deutlich.

„Duerme nino, duerme amor
Quiera el mundo ser mejor."

Das Signal.
Sven drehte den Kopf.
Direkt neben ihm stand die Zeitungskiste.
Unter dem Deckmantel von Pías Gesang entzündete er ein Streichholz.
Und warf es mitten hinein in die offene Schachtel.

Das heute eingebaute Userwort „Bordsteinschwalbe“ stammt von Ivo Neumann via Twitter. Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi12

Wort gesucht!
Gewinner gesucht!

Für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi

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