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Adventskrimi — 22. Folge: Wer schleicht da durchs Blumenbeet?

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Oma ist erstmal raus — aber was ist jetzt mit ihrem versprochenen großen Finale? Foto: Alex Jahn
Oma befreien, das Polizeisiegel brechen... Als Sven mit den anderen Hobbyermittlern im Versteck sitzt, wird ihm die ganze Situation bewusst. Und worauf warten sie überhaupt? Wessen Schritte hören sie da? Wir freuen uns auf Lösungsvorschläge — und ein neues Wort.  Von
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Sven Gärtner ist mit seiner Oma über Weihnachten in die Karibik gefahren. Blöd nur, dass die alte Dame eine Leiche im Nebenzimmer gefunden hat und nun selbst unter Mordverdacht steht. Vom Täter fehlt jede Spur, aber seine Oma verspricht Sven ein großes Finale …

Irgendwie hatte sich Sven „das große Finale“ ganz anders vorgestellt, das seine Oma ihm versprochen hatte.

Er hatte mit einer Art genialem Coup gerechnet, einer Sherlock-Holmes-artigen Enthüllung des Tathergangs, bei der alle Verdächtigen anwesend waren, und schließlich der Mörder entlarvt wurde. Oder wie bei Monk. Oder seinetwegen auch eine wilde Schlägerei mit dem Giftmischer (also, natürlich zwischen dem Giftmischer und der Polizei, nicht zwischen dem Giftmischer und Oma).

Was er sich wiederum wirklich nicht vorgestellt hatte, war, was Oma unter dem „großen Finale“ verstand: Sie, Pía und Sven hielten sich dichtgedrängt hinter den Vorhängen eines offenen Fensters versteckt.
Genaugenommen, dem offenen Fenster in Zimmer Nummer drei.

Also, mit anderen Worten standen sie praktisch auf Lukas Kaspars Kopf.

Bemüht, so viel Abstand wie möglich zur Leiche zu bewahren, kauerten sich sich im dunklen Zimmer zusammen. Natürlich, nachdem sie das Polizeisiegel an der Tür aufgebrochen hatten.

Mensch, das würde noch richtig Ärger geben! Pía hatte schon Schwierigkeiten gehabt, aus der Nummer mit dem Feuer an der Rezeption rauszukommen. Sven glaubte, sie hatte es überhaupt nur geschafft, indem sie Police Lieutenant George Steele durch den wiederholten Gebrauch rätselhafter spanischer Sätze so sehr verwirrt hatte, dass er sich um ihre Beteiligung an der keinen Fackelei keine Gedanken mehr machen wollte.

Ihre goldenen Ohrringe hatte sie auf Omas Geheiß herausgenommen – „nichts, was klimpert, Kinners, wenn ihr dabei sein wollt.“

Und dabei sein, das wollten die beiden aber so was von!

Hatte Sven zumindest gedacht, bevor ihm bewusst geworden war, dass er über eine Stunde unbeweglich hinter einem Vorhang würde hocken müssen.

Worauf warteten sie überhaupt? Was erhoffte sich Oma? Spätestens am Morgen würde ihr Verschwinden auffallen, dann wäre hier die Hölle los. Davonkommen konnten sie danach nicht mehr. Überall würde Sven den 24. Dezember lieber verbringen als auf einer Puerto Ricanischen Polizeistation, sogar im verregneten Köln bei seiner durchgeknallten Familie oder im Siebengebirge ohne Fernsehen und Internet.

A propos – er hatte schon wieder vergessen, seiner Mutter eine E-Mail zu schreiben. Die wurde noch ganz verrückt vor Sorge; seit Tagen hatte er sich entgegen seines Versprechens nicht mehr gemeldet.

Pía verlagerte ihr Gewicht von einem Bein aufs andere, sodass die Vorhänge raschelten. „Psst!“, machte Oma eindringlich. Sie hielt ihren Stock so fest, als sei er eine kostbare Waffe. „Keinen Mucks, Kinners!“

„Oma“, zischte Sven. „Worauf warten wir?“
„Mensch, Jungchen“, antwortete sie. „Mach dich nicht blöder, als du bist.“

Gerade wollte er ansetzen, eine Beleidigung zurückzufeuern, da legte Pía ihm einen Finger auf die Lippen.

Sie hatte etwas gehört.

Sven lauschte angestrengt.

Aber da war nichts.

Nur das leise Zwitschern dunkler Vögel, das entfernte Rauschen des Meeres, das Rascheln des Windes im Beet vor dem Fenster …

Das immer lauter wurde.

Das war kein Wind.

Jemand schlich durch das Blumenbeet. Schuhe knickten Äste ab, ein Körper strich an Blättern vorbei, Hände schlugen Blüten beiseite.

Es gab keinen Zweifel. Kein Penner, kein Landstreicher konnte es sein, der sich in ihren Vorgarten verirrt hatte und ziellos herumirrte. Irgendjemand hatte das offene Fenster gesehen und wollte die Gelegenheit beim Schopfe packen.
Mist! Ein Einbrecher, jetzt? Das war doch wohl nicht sein Ernst! Nicht, während Omas – zugebenermaßen ziemlich kleinem – „großem Finale“!

Die Geräusche verstummten. Eine Zeit lang nur noch Meeresrauschen. Dann ein Keuchen, Sprung. Füße schabten an der Mauer entlang, fanden Halt im unregelmäßigen Bau der Ziegel. Wieder Stille, Keuchen, Husten. Zwei Hände umfassten das Fensterbrett, wuchteten einen schweren Körper darüber, hinüber.

Das Pochen seines Herzens musste sie verraten, so laut schlug es, als der Einbrecher sich nur wenige Zentimeter von Sven entfernt über die Fensterbank ins Zimmer hinein schwang. Dabei berührte sein Fuß Lukas Kaspars Schulter.
Dann ging auf einmal alles ziemlich schnell.

Der Einbrecher schrie, Oma verpasste ihm mit ihrem Stock einen Schlag in die Kniekehle, sodass er vornüberfiel, vor Schmerz aufstöhnte. Sven stürzte sich auf den Dieb, während Pía den Lichtschalter umlegte.
Die grelle Deckenleuchte blendete sie für einen Moment, Sven kniff instinktiv die Augen zusammen.

Als er sie wieder öffnete, den Einbrecher noch immer fest im Griff, blickte er in ein bekanntes Gesicht.
„Sie!“, keuchte er.

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