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Adventskrimi — 3. Folge: Blitzen aus dem Fahrerfenster

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Was macht der Gast nebenan bloß? Sven lauschte. Dann herrschte mit einem Mal Stille. So sehr Sven sich auch anstrengte, er konnte nichts mehr hören. Foto: Alex Jahn
Sven Gärtner sträubt sich gegen die Ermittlungen seiner Oma. Außerdem will er nach Hause. Doch dann entdeckt Sven neben den Palmen gegenüber des Hotels noch etwas ganz anderes. Zwei Gärtners und der stille Gast — der Adventskrimi zum Miträtseln.  Von
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Zwei Gärtners und der stille Gast

Sven Gärtner drückte sein Ohr an die Wand zum Nebenzimmer, um das Geräusch genauer auszumachen. Der mysteriöse Gast, der sich nur einmal am Tag blicken ließ, schien irgendetwas Schweres zu bewegen. Sven lauschte angestrengt.

Schob er etwa Möbelstücke hin und her? Versuchte er vielleicht, etwas zu verstecken? Hatte Oma am Ende doch recht, und der Gast nebenan war ein Verbrecher?

Der schwere Gegenstand bewegte sich ruckartig, das Holz quietschte Unheil verkündend.

Dann herrschte mit einem Mal Stille. So sehr Sven sich auch anstrengte, er konnte nichts mehr hören.

Enttäuscht ließ er sich an der Wand herabsinken. Oma machte ihn noch ganz verrückt. Der Gast wünschte sich wahrscheinlich nur ein bisschen Ruhe. Am liebsten hätte Sven sich doch selbst den ganzen Tag im Schatten des Zimmers verkrochen und auf den Rückflug gewartet.

Seufzend nahm er seinen Laptop zur Hand und öffnete Skype. Zeit, seine Familie anzurufen. Wahrscheinlich waren alle zusammen beim Eishockey.

Wenige Momente später hatte er seinen kleinen Bruder Felix am Apparat. Der saß im dunklen Zimmer am Schreibtisch, vor ihm Tastatur, Maus und sein Kuschelnilpferd. Er starrte so konzentriert auf den Bildschirm, dass kein Zweifel daran bestand, womit er sich gerade beschäftigte.

„Zockst du WoW?“, fragte Sven besorgt.

„Nee“, antwortet Felix. „TOR. Ist echt gut.“

„Cool“, sagte Sven.

Eine ziemlich lange Pause entstand, in der er sich fragte, ob seinem kleinen Bruder nicht auffiel, wie unangenehm sie war.

Dann klappte Felix mit einem Mal das Mikrofon seines Headsets zur Seite und schrie aus vollem Hals: „MAMA! PAPA! Sven will uns wieder volljammern!“

Einige Momente später waren hastige Schritte auf der Treppe zu hören, und Svens Eltern stürzten in Felix’ Zimmer. Sie beugten sich tief über den Bildschirm. Sein Vater wusste offenbar nicht, wo die Kamera angebracht war, seine Augen huschten nämlich wie wild über den Bildschirm. Sein ganzer Körper war über und über mit Lichterketten bedeckt, und er drehte gerade an einer kleinen Lampe, um sie auf einen Wackelkontakt zu prüfen. Sie waren von Manheim nach Poll gezogen – dem Braunkohlebergwerk hatte sogar Oma Platz machen müssen –, aber auch im neuen Haus übertrieb sein Vater es offensichtlich wieder mit der Weihnachtsbeleuchtung.

„Sven, mein Lieber!“, rief seine Mutter. „Wie geht’s deinem Sonnenbrand? Hast du dich gut eingecremt?“

„Alles gut“, beschwichtigte sie Sven. Seine Mutter trug eine Schürze mit dunkelroten Flecken. Es war also wieder Glühweinzeit.

Sven hatte dafür plädiert, mit ihrem traditionellen Glühweinumtrunk zu brechen, in Anbetracht der Tatsache, dass im vergangenen Jahr jemand dabei gestorben war. Das hatte die Familie einstimmig abgelehnt. Warum auch?

„Bald ist Weihnachten!“, rief seine Mutter überschwänglich. „Ich bin so traurig, dass ihr nicht dabei sein könnt! Glühwein, und herrliche Plätzchen, und Onkel Bernd kommt dieses Jahr auch nicht, und Tante Ruth hat mir versprochen, dass sie uns keinen Teddybären schenken wird ... Wie geht es Oma? Wo ist sie?“

„Sie ...“, wollte Sven gerade ausholen, als sein Vater auf einmal einen Triumphschrei ausstieß und zu leuchten begann wie ein Weihnachtsbaum. Er hatte das defekte Lämpchen gefunden und den Wackelkontakt behoben. Nun blinkte die Lichterkette um seinen Körper in allen Farben. Seine Frau drückte ihm stolz einen Kuss auf die Wange, während Felix Würgegeräusche von sich gab.

Sven war sich sicher, er hatte sich selten zuvor so sehr für seine Familie geschämt. Und das sollte was heißen, denn Onkel Bernd und Tante Ruth waren noch nicht einmal da.

Er stand auf und trug den Laptop zum Fenster, um den Neid seiner Familie wenigstens durch die Aussicht zu wecken. Der Blick ging zwar nicht zum Strand, sondern zur Straße, aber auch die war gesäumt von Palmen. Ein prächtiges Blumenbeet auf der anderen Straßenseite wurde zu Svens Ärger aber von einem schwarzen Mietwagen verdeckt.

Erst dachte er sich nichts dabei. Was war schon Merkwürdiges an einem Mietwagen auf einer Ferieninsel?

Bis ein Fernglas aus dem Fahrerfenster herüberblitzte.

Bis Sven bemerkte, dass er beobachtet wurde.

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Adventskrimi: Mitmachen und Gewinnen
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