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Adventskrimi 4. Folge: Sven schürft tief — im Müll

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Sven muss sich durch den Inhalt des Müllcontainers wühlen. Foto: Alex Jahn
Sven und Oma, das Ermittlerduo unseres Adventskrimis, fragen sich, wer hier wen beschattet. Sie brauchen den Zettel. Aber der ist im Müll. Das kann heiter werden. Ebenso wie das Mitraten. Und auch heute suchen wir wieder ein Wort für die nächste Folge.  Von
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Zwei Gärtners und der stille Gast

Sven versteckte sich sofort hinter den Vorhängen. „Ich ruf euch später wieder an“, flüsterte er, würgte die besorgten Fragen seiner Familie ab und stellte den Laptop zur Seite.

Dann lugte er vorsichtig hinter dem Stoff hervor.

An dem schwarzen Mietwagen war wenig Auffälliges: eine Mercedes-Limousine neueren Baujahres, also vermutlich kein Schnäppchen, deren blankgeputzter schwarzer Lack im Sonnenlicht schimmerte. Das Fahrerfenster war einen Spalt breit geöffnet: Unmissverständlich spiegelten sich die Strahlen der Mittagssonne in den Gläsern eines Fernglases.

Wer ihn beobachtete, war unmöglich auszumachen. Sven kniff die Augen zusammen – hielten vielleicht schlanke Finger das Fernglas?

Je länger er zwischen den Vorhängen hindurch hinüberstarrte, desto merkwürdiger kam Sven die ganze Sache vor: Das Fernglas deutete überhaupt nicht auf seine Fensteröffnung. Die Höhe stimmte genau, aber der Winkel nicht, ganz so, als würde ... Als würde ...

Als würde das Nebenzimmer beobachtet. Das Zimmer, in dem sich der mysteriöse Gast befand.

In diesem Moment öffnete sich auf einmal die Tür, und Oma polterte herein:

„Sven, komm mit! Du musst mir helfen!“

„Oma, ich glaube, der Mann im Zimmer nebenan wird ...“

„... wird beschattet. Ja doch, Jungchen, hast du das wirklich jetzt erst gecheckt?“

Gecheckt?

„Oma, ich flehe dich an, echt! Hör auf, solche Sachen zu sagen.“

„Ich find’s aber ganz gut“, sagte sie mit einer Art unschuldiger Freude, die Sven jedem außer ihr abgekauft hätte.  „Komm mit!“

Er folgte ihr, hinaus in den Flur, die Treppe hinunter und in die Eingangshalle. Herr Baumann schaute nicht ein einziges Mal von seiner Zeitung auf, während sie sich an ihm vorbei schlichen. Leider war auch Pía Yañez, die hübsche Rezeptionistin, nirgendwo zu sehen.

Einmal draußen liefen sie um die Pension herum zum Hinterhof, in dem die Müllcontainer standen. Offensichtlich machte Herbert Baumann sich nicht die Mühe, die Abfälle seines Hauses zu trennen – von gelben und blauen Tonnen fehlte jede Spur.

„Da“, sagte Oma, und deutete auf den Container direkt vor ihnen.

Sven starrte sie an. „Was, ‚da’?“

„Himmel, Arsch und Zwirn!“, rief sie. „Wie hat meine Tochter derartig dumme Kinder zur Welt bringen können? Du musst da rein, Sven.“

Sven starrte noch ein bisschen mehr. „Das ist nicht dein scheiß Ernst.“

„Junger Mann, nicht in diesem Ton!“

„Wieso soll ich in einen verdammten Müllcontainer steigen, so ein Kappes!?“

Oma seufzte tief, als sei das, was sie verlangte, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, worum zu bitten sie sich nur aus großmütterlicher Liebe herabließ. „Ich hab mit der Putze gesprochen ...“

„Du kannst sie nicht ‚Putze’ nennen, Oma!“

„Sie hat mir gesagt, dass der Gast manchmal Zettel rausgelegt hat, um Nachrichten an die Rezeption zu übermitteln. Die hat sie dann mitgenommen und Herrn Baumann oder deiner Mulattin ...“

„OMA!“

„ ... gegeben. Der letzte lag heute im Mülleimer der Rezeption, den sie gerade erst geleert hat. Es war ein Kaffeefleck drauf. Wir brauchen diesen Zettel.“

Wie seine Oma ihn überredete, war Sven ein Rätsel. Er glaubte, es hatte viel damit zu tun, dass sie drohte, Pía Yañez von Angesicht zu Angesicht als „Mulattin“ zu bezeichnen. Irgendwann stand er knietief im Abfall der Pension und suchte zwischen den Puderquasten der Klatschtanten, den trockenen Brötchen vom Frühstücksbuffet und gebrauchter Zahnseide nach einem kleinen Stück Papier. Endlich wusste er, was mit der blöden Nadel im blöden Heuhaufen gemeint war.

Es war reiner Zufall, dass er auf den richtigen Müllsack stieß: Formulare zum Einchecken, Buchungslisten, Dankesschreiben für Zeitungsabonnements und angefangene Leserbriefe von Herrn Baumann, die allesamt verärgert im Ton und wütend auf die Welt in all ihren Facetten waren. Darunter fand Stefan auch einen Zettel, braun gefärbt von getrocknetem Kaffee, ordentlich in Druckschrift beschrieben.

Trotz seines ganzen Ärgers, seines Unmuts, seiner Wut auf Oma, spürte Sven Gärtner, wie sein Herz schneller zu schlagen begann. Wenn seine Oma dieses Stück Papier für so wichtig hielt, musste es einen entscheidenden Hinweis enthalten, vielleicht sogar des Rätsels Lösung. Wer war der mysteriöse Gast?

Mit zitternden Fingern faltete er den Zettel auf.

Das heute eingebaute Userwort „Kappes“ stammt von Katharina K., die uns eine Facebook-Privatnachricht schickte. Vielen Dank fürs Mitmachen! Auch für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi12

Wort gesucht!
Gewinner gesucht!

Für die nächste Folge suchen wir aus Euren Vorschlägen wieder ein schweres, lustiges, abseitiges, sperriges oder schönes Wort aus. Schickt Eure Vorschläge via Twitter an @ksta_lokal oder auf Facebook als Kommentar oder Privatnachricht. Stichwort/Hashtag: #adventskrimi

Haben Sie den Fall schon gelöst, an dem Sven und Oma sich die Zähne ausbeißen? Unter den erfolgreichen Adventskrimi-Ermittlern verlosen wir..... . Einsendeschluss an adventskrimi@ksta.de ist der 23. Dezember 2012, 20 Uhr. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir als 1. Preis ein iPad 3, als 2. Preis 2x2 Karten für die Ice-Ace-Liveshow in der Lanxess-Arena, als 3. Preis 2x2 Karten für die Harlem Gospel Singers in der Lanxess-Arena und als 4. Preis 2x2 Karten für die Weiberfastnacht im DuMont-Zelt. Wir benachrichtigen die Gewinner in der zweiten Januarwoche. Bitte vergessen Sie nicht, Ihren vollständigen Vor- und Nachnamen, Ihre Postadresse und Ihre Telefonnummer anzugeben.

Adventskrimi: Mitmachen und Gewinnen
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