26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Akademie: Kreativ hinter Klostermauern
06. January 2012
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Akademie: Kreativ hinter Klostermauern

Ehepaar Clemens

Heide-Hanne und Karl-Heinz Clemens leiteten 20 Jahre lang die „Akademie Kloster Steinfeld“. Nun gaben sie die Leitung in neue Hände. (Bild: Klinkhammer)

Kall-Steinfeld -

Schlendern Besucher durch die Klosteranlage in Steinfeld, dann gelangen sie in einen Innenhof, nachdem sie das Gästehaus linker Hand und die Pforte rechter Hand passiert haben. An diesen kleinen Innenhof grenzt auf der einen Seite der mehrstöckige Trakt, in dem die Küche und die Schülerkapelle des Klosters zu finden sind. Auf der anderen Seite befinden sich anderthalbstöckige Klostergebäude, in denen vor knapp 20 Jahren die „Akademie Kloster Steinfeld“ gegründet wurde. In den Räumen der Akademie waren früher Werkstätten und auch ein Teil des Internates untergebracht.

Heide-Hanne Clemens und Prof. Dr. Karl-Heinz Clemens, die die Akademie gemeinsam mit Pater Pankratius Kebekus aus der Taufe gehoben haben, legten die Leitung der Bildungseinrichtung jetzt nach zwei Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit in neue Hände. Für das Paar ein guter Grund, die Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen.

Um die Intention für eine solche Bildungseinrichtung in Steinfeld zu verdeutlichen, erzählte Heide-Hanne Clemens zunächst die Vorgeschichte. Das Paar, der jetzt 82-jährige Physiker aus Köln und die 68-jährige Chemotechnikerin aus dem Emsland, lernte sich während der gemeinsamen Arbeit in Köln kennen. Karl-Heinz Clemens sagt mit einem Augenzwinkern: „Ich lernte Heide-Hanne kennen, da war sie meine Assistentin, und dann hab’ ich sie festgehalten.“

Die beiden heirateten und zogen 1965 nach Heimerzheim. Zwei Kinder und zwei Enkel gehören heute zur Familie. In Heimerzheim engagierte sich Heide-Hanne Clemens 30 Jahre lang ehrenamtlich im Katholischen Bildungswerk. 1971 gründete sie in ihrem Wohnort die „Kinderkurse“, und für die Eltern richtete sie Elternabende ein. Heide-Hanne Clemens: „Dadurch lernte ich das Feld der Erwachsenenbildung kennen und konnte erste Kontakte knüpfen.“ Karl-Heinz Clemens erhielt als Leiter der Staatlichen Glasfachschule in Rheinbach einen Einblick in das künstlerische Schaffen.

Als die eigenen Kinder dann in der Cello-Akademie des dänischen Professors Hans Erik Deckert mitspielten durften, suchte Heide-Hanne Clemens für die Teilnehmer des Meisterkurses eine Unterkunft. in Steinfeld wurde sie für die Gruppe fündig. 30 Jahre lang fand die Cello-Akademie daraufhin jeden Sommer im Salvatorianerkloster statt. Ein Abschlusskonzert in der Basilika krönte turnusmäßig die Veranstaltung. Vor zwei Jahren schlief die Cello-Akademie ein.

Zehn Mal im Jahr führte der Weg von Heide-Hanne Clemens seit 1979 nach Steinfeld. Für Frauen aus Heimerzheim organisierte sie dort Mal- und Meditationskurse. „Ich liebte Steinfeld von Anfang an, es ist ein wunderbarer Ort“, so die Akademie-Gründerin. Als Pater Pankratius in einem Gespräch durchblicken ließ, dass das Gästehaus stärker belegt werden müsse, entwickelte das Paar 1992 ein Konzept und ein erstes Programm.

Am 1. Januar 1993 nahm die „Akademie Kloster Steinfeld“ ihren Betrieb auf. Der Steinfelder Organist Bruder Andreas Warler gab aus diesem Anlass ein festliches Orgelkonzert. Prof. Dr. Joachim Metzner, Präsident der Fachhochschule Köln, hielt die Eröffnungsrede, und im Kreuzgang bestückte die Malerin Krystyna Heuel-Kaminska die erste Akademie-Ausstellung.

Zehn Jahre lang agierte sich das Ehepaar Clemens ehrenamtlich. Zehn Jahre setzten sich die beiden vorerst auch als Wirkungszeit. Doch die Akademie lief so gut, dass sich die beiden entschlossen, nach Nettersheim zu ziehen und den Betrieb in Steinfeld auch über die Zehn-Jahres-Grenze hinaus freiberuflich weiterzuführen. Bis zu 700 Teilnehmer durchliefen die rund 50 Kurse der Bildungseinrichtung im Schnitt pro Jahr.

Mit der Zeit renovierten die Verantwortlichen der Steinfelder Bildungseinrichtung die ihnen vom Kloster anvertrauten Räumen. Neben den Atelierräumen gehört vor allem die gemeinsam mit Prof. Walter Dohmen im Keller eingerichtete Druckwerkstatt zum professionellen Inventar. „Wir haben alles ohne irgendwelche Mittel des Klosters eingerichtet.“

Der Wendepunkt

Als vor zwei Jahren die Galerie „Kunstraum“ in Steinfeld eröffnet wurde, die der Akademie Steinfeld angegliedert ist, empfand Heide-Hanne Clemens: „Das war der Wendepunkt. Ich merkte, ich war am Anschlag angekommen.“ Inzwischen zeichnen unter anderem Eva-Maria und Udo Hermanns für die Galerie verantwortlich. Die Akademie samt Galerie, das Gästehaus und der Klosterladen sind nun Ulrike Schlader untergeordnet.

Den Kontakt zum Kloster werden die Akademie-Initiatoren aufrechterhalten, doch sie möchten den Kopf endlich wieder für neue Unternehmungen frei haben. Heide-Hanne Clemens: „Wir hatten durch den Akademiebetrieb so gut wie kein freies Wochenende.“

Ein dickes Gästebuch erinnert an besonders liebe und treue Teilnehmer. Die inzwischen 87-jährige Gertrud Schmitz-Breuer aus Leverkusen kam vier Mal pro Jahr. 1993 erfuhr sie von der Steinfelder Akademie über die Kirchenzeitung. Im Inserat stand der geheimnisvoll klingende Satz „Malen hinter Klostermauern“.