25.08.2016
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Attentat in Köln: „Hätte ein Laie erkennen können“

Phantombild Keupstraße

Phantombild Keupstraße

Köln -

Haben die Ermittlungsbehörden ernstzunehmende Hinweise zum Anschlag in der Keupstraße und zur Neonazi-Mordserie nicht konsequent verfolgt? Jedenfalls wurden die Kölner Behörden schon vor Jahren von der Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf eine frappierende Ähnlichkeit zwischen Phantombildern von Verdächtigen hingewiesen. Im April 2005 wurde ein neues Phantombild zum Anschlag in der Keupstraße veröffentlicht.

Im Juni 2005 wurde in Nürnberg ein Dönerbudenbesitzer erschossen, wenig später wurde mit Hilfe von Zeugenaussagen ein Phantombild zu dieser Tat angefertigt. Doch die Behörden selbst stellten offenbar keinen Zusammenhang zwischen den Zeichnungen und somit den Morden und dem Bombenanschlag von Köln her. Die Phantombilder beider Fälle wurden also nie für eine gemeinsame, öffentliche Fahndung genutzt.

Übereinstimmung bis ins Detail

Etwa ein Jahr später stieß die Redaktion zufällig im Rahmen einer Recherche auf beide Phantombilder. Die Ähnlichkeit war in der Tat frappierend: Beide Bilder zeigen einen jungen Mann mit schmalem Gesicht, schlanker, langer Nase und vor allem: Er trug in beiden Fällen eine Mütze, die bis ins Detail übereinstimmt. Das schien tatsächlich eine heiße Spur zu sein. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erkundigte sich daraufhin bei der Kölner Polizei, ob ihr ebenfalls beide Phantombilder vorlägen und ob sie aufgrund der Ähnlichkeit einen Zusammenhang zwischen den Taten sehe. Die Antwort kam schon nach wenigen Minuten – und war absolut und dementierend: Nein, die Ähnlichkeit sei zufällig, es gebe da aus Sicht der Ermittler keinen Zusammenhang.

Auf die Nachfrage, wieso man einen Zusammenhang ausschließen könne, obwohl das Motiv in Sachen Anschläge auf die türkischen Imbissbuden doch – zumindest nach offizieller Sprachregelung – ungeklärt sei, bekräftigte der Polizeisprecher seine vorherige Aussage noch einmal. Abschließend verwies er dann auf ermittlungstaktische Gründe, die weitere Auskünfte nicht zuließen. Zu diesem Zeitpunkt, so viel ist jedenfalls heute klar, war nicht nur bekannt, dass die Nagelbomber in Köln ihren Sprengsatz auf einem Fahrrad transportierten. Mindestens in zwei Fällen der Mordserie waren die Täter ebenfalls mit Fahrrädern zu den Tatorten gekommen.

Am vergangenen Samstag zitierte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen Ermittler mit dem Satz: „Beim Vergleich der Lichtbilder der Verdächtigen aus Thüringen mit dem Phantombild des Nagelbombers dürfte selbst ein Laie Übereinstimmungen erkennen.“ Heute stellt sich die Frage, warum die Profis der Polizei dem Hinweis auf eine auffällige Ähnlichkeit zwischen den Phantomzeichnungen nicht energischer nachgegangen sind.


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