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2. Quartal: Rex fand den Säugling

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Werner Huy und sein Rottweilerrüde Rex entdeckten den total unterkühlten Säugling beim Spaziergang. Foto: Stephan Everling
Nur mit einem Strampler bekleidet und in ein Handtuch gewickelt war das Kind, das Rottweilerrüde Rex im Mai in einem Gebüsch an einem Feldweg entdeckte. Die wahren Eltern des kleinen Felix sind bis heute nicht gefunden.  Von
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Kall/Scheiden

Es war eine der Meldungen, die bundesweit die Gemüter erregte: Ein Hund entdeckte in einem Gebüsch zwischen Wallenthal und Voißel ein zwei Tage altes Kleinkind. Nur eine Stunde später, und es wäre erfroren.

An diesem Samstagmorgen Mitte Mai um 6.15 Uhr machte der Rentner Werner Huy aus Gemünd wie so oft einen Spaziergang mit seinem sechsjährigen Rottweilerrüden Rex über die Felder auf der Wallenthaler Höhe. Es war kalt, denn in der Nacht hatte es gefroren. Als der Hund in ein Gebüsch wollte, dachte Huy an ein Wildtier und leinte seinen Hund an. Zu sehen war auf den ersten Blick nur ein Bündel Lumpen.

Erst ein Wimmern ließ den 73-Jährigen aufhorchen. In dem Bündel entdeckte er den völlig unterkühlten Säugling. Sofort wurde das Kind in das Krankenhaus Mechernich gebracht und dort versorgt.

Auch in der Redaktion löste die Nachricht Fassungslosigkeit aus. Viele sind Eltern und verfolgten die Einzelheiten mit ungläubigem Staunen. Das Kind hatte an einem selten benutzten Weg so weit im Gebüsch gelegen, dass es eigentlich niemals hätte gefunden werden können. Bekleidet war es nur mit einem Strampler und es war in ein Handtuch gewickelt.Diese Umstände machten deutlich, dass das Kind niemals gefunden werden sollte.

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Die Ermittlungen der Polizei konzentrierten sich auf ein sehr auffälliges Fahrzeug, das am späten Freitagabend von Jägern auf den Feldwegen gesehen worden war. Es handelte sich um einen weißen Wagen mit Stufenheck, vermutlich einem Ford Escort oder Mondeo. Auffällig war dabei eine rote Fahrertür.

Trotz der guten Beschreibung konnte dieses Fahrzeug nicht identifiziert werden. Stattdessen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit schnell auf Rex, ohne den der kleine Junge keine Überlebenschance gehabt hätte.

Keine drei Tage nach dem Fund hatte die Journaille, die sich bundesweit auf den Fall gestürzt hatte, die zunächst anonym gebliebenen Lebensretter identifiziert. Bei einem Besuch lernte ich Rex und seinen Besitzer kennen. In seinem Wintergarten, in dem er oft mit seinem Hund sitzt, empfing mich Werner Huy. Rex, ein heiterer Rottweiler mit bestechendem Charme und einer gehörigen Portion Gleichmut, erkannte sofort, dass ich nur gekommen war, um ihn angemessen zu bewundern und bestand auf kleinen Spielchen und ähnlichen Ehrbezeugungen.

Felix, wie der Junge wegen des Glücks, das er gehabt hatte, genannt wurde, lebt heute gesund und zufrieden bei einer Pflegefamilie. Doch mir wird immer noch ganz anders, wenn ich an den kleinen Jungen in dem Handtuch unter dem Gebüsch denke.

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