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3. Quartal: Viele waren eingeweiht

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Auf einer Müllkippe bei Kierdorf wird Johann P.s Leiche gefunden. Foto: Udo Beissel
Der Kfz-Meister Ralf S. hat in seiner Werkstatt seinen Freund Johann P. erschossen. Freunde und Verwandte halfen dem Mörder nach den tödlichen Schüssen bei der Entsorgung der Leiche. Ralf S. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.  Von
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Kall/Aachen

2012 war das Jahr von wahrlich spektakulären Prozessen, die viele Bürger des Kreisgebiets mit Spannung verfolgten. Erst war es der an Überraschungen kaum mehr zu toppende Prozess beim Landgericht um die vor knapp 30 Jahren getötete schwangere Lolita, dann zog ein spektakuläres Verbrechen in einem Kaller Außenort das Interesse auf sich. Dort hatte der 45 Jahre alte Kfz-Meister Ralf S. im Keller der Werkstatt der Familie mit zwei Schüssen aus einem Gewehr seinen 32 Jahre alten Freund Johann P. getötet. Er hatte sich von P. erpresst gefühlt und seine Familie als bedroht betrachtet.

Der Kfz-Meister war festgenommen worden, als er überaus dilettantisch versucht hatte, die Leiche des Opfers auf einer Mülldeponie im Erftkreis zu entsorgen. Überhaupt machte der Schwurgerichtsprozess beim Landgericht Aachen unter dem Vorsitz des als äußerst erfahren geltenden Strafrichters Gerd Nohl deutlich, dass das gesamte Geschehen nach der Tat, das sich über etliche Tage bis zur Festnahme erstreckte, von vollkommener Planlosigkeit gekennzeichnet war.

Unter anderem bat Ralf S. in seiner Verzweiflung und Ratlosigkeit etliche Freunde und Verwandte um Hilfe bei der Beseitigung von Leiche, Tatwaffe und anderen Spuren, die ihm gefährlich werden konnten. Alsbald, so merkte die Boulevardpresse an, wusste anscheinend das halbe Dorf von der Bluttat, noch bevor die Polizei, die zunächst von einem Vermisstenfall ausgehen musste, überhaupt von der Tötung etwas erfuhr.

Besondere Brisanz bekam die Geschichte dadurch, dass die zahlenmäßig recht große und überwiegend in Süd- und Westeifel lebende Verwandtschaft des Opfers zur Minderheit der Sinti gehört, oder, wie sie sich selbst bezeichneten, der „Deutschen Zigeuner“. In deren Reihen gelten eigene Gebräuche.

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Wenige Tage nach dem Verbrechen, als das Opfer noch notdürftig versteckt im Werkstattkeller lag, rückte die Verwandtschaft zu einer Art „Hausdurchsuchung“ in Kall an, die jedoch ergebnislos blieb. Anderenfalls wäre es Ralf S. wohl schlecht ergangen, denn mindestens einzelne Familienmitglieder vertraten auch später im Gerichtssaal den alttestamentarischen Standpunkt „Auge um Auge“. Über alle Verhandlungstage, bei denen zahlreiche Zeugen gehört wurden, nahmen die Verwandten, die teilweise auch als Nebenkläger mit eigenen Rechtsanwälten auftraten, im Gerichtssaal Platz. Dorthin waren sie jedoch erst nach ungewöhnlich scharfen Kontrollen gelangt, um auszuschließen, dass es zu Angriffen gegen den Angeklagten kommen würde. Als sich während einer Verhandlungspause vor dem Gerichtseingang Familienmitglieder angesichts konträrer Ansichten in die Wolle bekamen und handgreiflich wurden, standen wenig später Dutzende Polizisten da, um Weiterungen zu verhindern.

Die Beweisaufnahme ergab schier unglaubliche Details für die Vertuschungsversuche des Angeklagten. So bat er verschiedene Leute um Hilfe: Einige packten beim Beseitigen der Spuren nach der Bluttat mit an, indem sie den Werkstattboden schrubbten, bei anderen stellte S. einen kleinen Autoanhänger mit der unter Bauschutt versteckten Leiche in die Scheune, zeitweilig stand der Hänger auch einfach am Straßenrand abgestellt in einem Dorf. Einen weiteren Freund bat Ralf S. um Hilfe bei der Beseitigung der Tatwaffe. Der Kumpel zerlegte die Flinte mit einer Flex und versenkte die Einzelteile im Rursee.

Der Täter gab bereits am Eröffnungstag der Verhandlung zu, Johann P. erschossen zu haben. Allerdings stellte er das Geschehen auf der Treppe zum Keller der Werkstatt und später in der Werkstatt selbst quasi als Jagdunfall dar: Im Gewehr hätten sich, zeitlich verzögert, zufällig und ohne sein Wollen zwei Schüsse gelöst. Diese Version ließ sich jedoch nicht aufrecht erhalten.

Am Ende stellte sich die Frage nach der juristischen Wertung dieser Straftat. Der Staatsanwalt sah so etwas wie einen „Tyrannenmord“ und plädierte auf eine Zeitstrafe von zwölf Jahren, Verteidiger Albert Stumm forderte sechs Jahre wegen Totschlags. Aber die Kammer verurteilte Ralf S. wegen Mordes zu lebenslanger Haft..

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