Aus dem Kreis
Nachrichten aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis

Vorlesen
0 Kommentare

Adolph Heidkamp aus Odenthal: Begeistert von den Vereinigten Staaten

Erstellt
Der Auswanderer Heidkamp starb in den USA als geachteter Mann. Foto: Shamey Cramer
In seinem Heft „Heimat zwischen Sülz und Dhünn“ zeichnet der Bergische Geschichtsverein den Lebensweg des Auswanderers Adolph Heidkamp aus Odenthal nach, der 1852 nach Amerika auswanderte und dort sein Glück fand.  Von
Drucken per Mail
Rhein-Berg

Vom Tellerwäscher zum Millionär – das ist die Kurzformel für die idealisierte Auswanderer-Karriere. Ganz so weit hat es Adolph Heidkamp aus Odenthal zwar nicht gebracht, der 1852 in die Vereinigten Staaten von Amerika auswanderte. Er starb nicht als Millionär. Doch sein Glück hat er auf jeden Fall jenseits des großen Teiches gemacht.

Seine Geschichte zeichnet Peter Lückerath in der jüngsten Ausgabe von „Heimat zwischen Sülz und Dhünn“, der Publikation des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg nach.

Heidkamp wurde 1821 in bescheidene bäuerliche Verhältnisse hineingeboren. Die kinderreiche Familie lebte in einem Weiler östlich von Schildgen an der Kalmüntener Straße. Nach seiner Schulzeit ließ sich Heidkamp zum Lehrer ausbilden. Eine Anstellung an einer Schule in Baumberg bei Monheim wäre fast an seinem „Augenübel“ gescheitert. Offenbar war Heidkamp stark kurzsichtig, was ihm zwar den preußischen Militärdienst ersparte, gleichzeitig aber auch Probleme bei der Einstellung in den Schuldienst bereitete.

#textline

Eine Ansicht des New Yorker Broadway ziert dieses Schreiben in die Heimat  aus dem Jahr 1852.
Eine Ansicht des New Yorker Broadway ziert dieses Schreiben in die Heimat aus dem Jahr 1852.
Foto: Repro Arlinghaus

Er schaffte es dennoch, doch sein Gehalt als Hilfslehrer war eher mager. 40 Reichsthaler bei freier Kost und Logis – das war für damalige Verhältnisse nicht eben üppig. Daher besserte Heidkamp sein Salär auf, indem er zusätzlich eine Küsterstelle bekleidete und morgens, mittags und abends die Kirchenglocken läutete.

„Was Gladbach gegen Cöln ist, das ist Cöln gegen Newyork“

Zitat aus einem Brief von Adolph Heidkamp aus den USA in die alte Heimat

1851 kündigte der Odenthaler. Ein Jahr später bestieg er in Antwerpen einen Dreimaster, der mit dem Ziel New York ausläuft. An Bord waren 210 Passagiere, die der Alten Welt den Rücken kehrten. In einem Brief berichtet der Auswanderer von der Überfahrt: „Das Wetter bleib noch immer gut, aber etwas anderes machte (dem) freudigen Leben auf dem Schiffe ein Ende. Es stellte sich nämlich die Seekrankheit ein.“

Heidkamp scheint sich jedoch sehr bald, nachdem das Schiff aus Europa im Hafen von New York vertäut war, erholt zu haben. Schnell fand er Arbeit. Er war wieder als Lehrer tätig, dieses Mal aber offenbar zu weit besseren Konditionen. Sein Gehalt gab er mit 500 Dollar im Jahr an, setzte aber hinzu, dass die Lebenshaltungskosten ja auch viel teurer seien als in Deutschland.

Seine Briefe in die Heimat belegen die ungebremste Amerika-Begeisterung des jungen Adolph Heidkamp. So schrieb er: „Newyork, die Hauptstadt – ja eigentlich die Seele von Amerika, hat mehr als eine Million Einwohner. Sie können sich gar keinen Begriff davon machen. Was Gladbach gegen Cöln ist, daß ist Cöln gegen Newyork.“

Dennoch kannte Heidkamp auch die Gefahren, die Neuankömmlingen in der ihnen unbekannten Stadt drohen: „Hier wimmelt es von Betrügern, die sich ein Geschäft daraus machen die Neuangekommenen zu betrügen.“

#bigimage

Wenig später zog es den bergischen Auswanderer nach Port Washington im Bundesstaat Wisconsin, wo er heiratete, eine Familie gründete und beruflich Karriere machte. Er gründete eine deutschsprachige Zeitung, die über die kleinen und großen Ereignisse der Umgebung berichtete, aber auch reichlich Werbung machte für Pillen gegen zahlreiche Wehwehchen, für Bücher, Barbiere und Banken.

Zusätzlich wurde Heidkamp später zum Bezirksrichter gewählt und übte das Amt eines Schulinspektors aus. Am 24. Juni 1881 starb der Mann aus Odenthal in der neuen Heimat.

Bereut hat er seinen mutigen Schritt offenbar nie – ganz im Gegenteil. Schon bald nach seiner Ankunft schrieb er: „Wäre ich doch schon vor zehn Jahren nach Amerika gegangen!“

Auch interessant
Bringt der Blitzmarathon etwas?

Zu hohe Geschwindigkeit beim Autofahren führt häufig zu schweren Verkehrsunfällen. Landesinnenminister Jäger hält den Blitzmarathon für ein  geeignetes  Mittel,  Rasern das Handwerk zu legen und setzt dabei auf Bürgerbeteiligung. Sind sie der Meinung,  dass der Blitzmarathon eine Langzeitwirkung hat?

FACEBOOK
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen