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Bensberger Amtsgericht: Anstieg bei Kirchenaustritten

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In den vergangenen Tagen zogen beim Bensberger Amtsgericht mehr Katholiken ihre Konsequenzen. Foto: Elke Landschoof
Der Skandal um die Kölner Kliniken, die ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben, hat auch im Rheinisch-Bergischen Kreis zu mehr Kirchenaustritten geführt. Viele Katholiken zogen beim Bensberger Amtsgericht ihre Konsequenzen.  Von
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Rhein-Berg

Ein Hinweisschild auf der Durchgangstür weist den Weg: Kirchenaustritte Zimmer B 205. Hier herrschte in den vergangenen Tagen mehr Publikumsverkehr als normalerweise. Nachdem öffentlich bekannt wurde, dass zwei katholische Krankenhäuser in Köln ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen hatten, zogen viele Katholiken ihre Konsequenzen und traten beim Bensberger Amtsgericht aus der Kirche aus.

„Normalerweise haben wir drei bis vier Kirchenaustritte pro Tag“, sagt Justizmitarbeiterin Ingrid Zielke. Doch am Dienstag seien es 13 und am Montag zehn Besucher gewesen, die ausgetreten seien. Meist Katholiken. „Die Leute haben ein großes Mitteilungsbedürfnis, viele wollen ihren Grund erklären, obwohl gar nicht danach gefragt wird“, erzählt Zielke.

Normalerweise, so ihre Erfahrung, träten die Leute aus, um dieKirchensteuer zu sparen. Doch die Vorfälle in Köln hätten bei vielen der Besucher das Fass zum Überlaufen gebracht. „Sie erzählen, sie hätten schon länger vorgehabt auszutreten, es aber vorher nie geschafft. Doch nun sei es genug“, so die Justizbedienstete.

Eine bestimmte Altersgruppe kann sie dabei nicht festmachen, es seien alle Altersklassen vertreten. „Junge Leute, Mitte 20, aber auch über 60-Jährige“, fasst Zielke zusammen. Ganz alte Leute träten allerdings nur selten aus. Wenn sich doch einmal ein betagter Mensch dazu entscheidet, die Kirche zu verlassen, nimmt das Zielke meist emotional mit: „Dann, wenn die Leute erzählen, dass die Kirche ihnen nichts mehr gebe.“

Seit 1992 bearbeitet Zielke die Kirchenaustritte beim Amtsgericht in Bensberg. Einen Anstieg der Austritte, so wie im Moment, hat sie erst einmal erlebt: „Als vor ein paar Jahren die Missbräuche bekannt wurden, kamen auch sehr viele.“ Insgesamt traten im Jahr 2012 im Amtsgerichtsbezirk 415 katholische und 285 evangelische Christen aus der Kirche aus. Im Januar 2013 waren es bereits 67 Katholiken, 20 mehr als im Januar des Vorjahres. Der Austritt aus der Kirche ist ein reiner Verwaltungsakt und dauert etwa fünf Minuten. „Wichtig ist vor allem ein gültiger Personalausweis“, erklärt die Justizbedienstete. Auch die Angaben zu einer eventuellen standesamtlichen Trauung werden abgefragt, weil dort die Konfession ausgetragen werden muss. Zudem ist bei Katholiken die Angabe des Taufortes wichtig.

Doch nicht jeder der sich beim Amtsgericht meldet, will aus der Kirche austreten. „Es gibt auch Leute, die wollen hier wieder eintreten“, so Zielke. Doch die muss sie abweisen. „Die sind hier falsch, das geht nur über die Kirchen.“
Kirchenaustritte bearbeitet das Amtsgericht montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und zusätzlich dienstags in der Zeit von 14 bis 15 Uhr, Zimmer 205, Amtsgericht Bensberg, Schlossstraße 21.

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