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Denkmalschutz: Blickfang auch am neuen Standort

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Als wäre er immer schon ein Teil von Hoffnungsthal: Das Baumhof-Haus stand früher in Untereschbach.  Foto: Christopher Arlinghaus
Der Waatsack, ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in Bergisch Gladbach, soll versetzt werden, um einer größeren Kreuzung Platz zu machen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ stellt in einer Serie Häuser vor, die diesen Prozess bereits hinter sich haben.  Von
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Rhein-Berg

Der Beschluss zum Gasthaus Waatsack in Bergisch Gladbach lässt an ähnliche Projekte denken. Wie berichtet, soll das denkmalgeschützte Gebäude umgesetzt werden. In der Fachsprache heißt das: Es wird transloziert. Die Planer halten das für erforderlich, um die Kreuzung Hauptstraße/Odenthaler Straße umzubauen, die Autofahrer als Nadelöhr kennen.

Der Waatsack soll für den Ausbau der Kreuzung auf das Gelände des benachbarten ehemaligen Viktoria-Kinos versetzt werden.
Der Waatsack soll für den Ausbau der Kreuzung auf das Gelände des benachbarten ehemaligen Viktoria-Kinos versetzt werden.
Foto: Christopher Arlinghaus

Auch für Fußgänger und Radfahrer gibt es dort erhebliche Probleme. Geplant ist nun, das Waatsack-Gebäude auf das benachbarte Grundstück zu versetzen, auf dem ein ehemaliges Kino liegt. Das Projekt fand ein unterschiedliches Echo. Kritiker bemängeln zum einen die hohen Kosten von rund 500 000 Euro allein für das Translozieren des Hauses. Zum anderen werfen sie die Frage auf, ob das Umsetzen des alten Fachwerkhauses aus Denkmalschutz-Perspektive vertretbar ist.

Doch gibt es bereits eine Reihe von translozierten Gebäuden in der Region. Ein Beispiel ist das Baumhofhaus neben der Volberger Kirche in Rösrath-Hoffnungsthal. Es stand bis 1983 in Untereschbach. Der Kaufmann Gerhard Gronewald ließ es sich 1787 als Wohnhaus bauen. Seinen Namen hat das Fachwerkhaus von dem Landwirt Philip Baumhof, der es 1876 erwarb. Ab 1947 gehörte das Grundstück der katholischen Pfarrgemeinde. Diese wollte dort Anfang der 80er Jahre einen neuen Pfarrsaal errichten, das Baumhofhaus war im Weg. Ein Abriss des Gebäudes, das sich in schlechtem baulichem Zustand befand, war bereits genehmigt. Da kam die Idee ins Spiel, es zu translozieren.

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Der Zufall wollte es, dass die damalige Evangelische Gemeinde Volberg zusätzliche Räume neben der Volberger Kirche benötigte. Sie dachte an einen Neubau auf einem bis dahin unbebauten Grundstück im historischen Zentrum von Volberg. Auf der Suche nach einer Lösung, die sich in das Ensemble einfügen sollte, war die Gemeinde aber noch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gelangt. In dieser Situation überzeugte der Vorschlag, das Baumhofhaus zu übernehmen.

Hans Haas vom Geschichtsverein Rösrath trug das Projekt an die Gemeinde heran, er vermittelte den Kontakt zur Fachhochschule Köln, die eine Lehrbaustelle einrichtete. Karlheinz Fallaschinski, Kirchmeister und somit „Finanzminister“ der heutigen Evangelischen Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath, war damals bereits an dem Vorhaben beteiligt. „Ich halte das nach wie vor für eine gelungene Lösung, weil sich das Gebäude harmonisch einfügt“, stellt er fest. „Es steht da, als ob es immer da gestanden hätte.“ Aus seiner Sicht hätte ein Neubau die Anforderungen nicht erfüllt.

Rund eine Million D-Mark ließ sich die Evangelische Gemeinde das Projekt kosten, Zuschüsse der Denkmalpflege erleichterten die Finanzierung. Studenten der Fachhochschule dokumentierten das Gebäude in Untereschbach, sie bauten es ab, transportierten es nach Hoffnungsthal und bauten es dort wieder auf. Auch Zimmerleute auf Wanderschaft arbeiteten mit. Am neuen Standort verfügt das Haus erstmals über einen Keller, auch die niedrigen Decken wurden etwas höher gesetzt. Trotz dieser Veränderungen und trotz der schon damals kritischen Sicht auf Translozierungen gab die Denkmalpflege dem Projekt ihren Segen: Das Baumhofhaus steht auch in Hoffnungsthal unter Denkmalschutz. Heute sind dort das evangelische Gemeindebüro, Besprechungsräume, eine Kita-Gruppe, der Kinderschutzbund, der Ökumenische Hospizdienst und das Betreuungscafé für Menschen mit Demenz untergebracht.

Porträts weiterer translozierter Häuser in der Region werden folgen.

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