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EU-Recht: Das Ende des Kehrmonopols naht

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Torsten Trenz aus Kall-Sötenich ist seit 24 Jahren Schornsteinfeger. Inzwischen ist er Bezirksschornsteinfegermeister.  Foto: Gudrun Klinkhammer
Ab 2013 darf jeder Bundesbürger seinen Schornsteinfeger frei wählen. Das bedeutet aber auch mehr Verantwortung für Hauseigentümer. Denn sie haben die Pflicht, zu prüfen, ob der beauftragte Betrieb qualifiziert ist.  Von
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Kreis Euskirchen

Die Handgriffe und Fußtritte von Torsten Trenz sitzen. Der Bezirksschornsteinfeger klappt eine dreigeteilte Leiter aus. Dann sprintet er regelrecht die Leiter und anschließend das Dach des Hauses hinauf, von dessen First aus er einen Kamin fegen möchte. Binnen weniger Minuten ist das ganze Schauspiel vorbei. Der 40-jährige Sötenicher ist wieder unversehrt auf dem Erdboden angekommen, die Leiter zusammengeklappt. Der Zylinder sitzt immer noch „1A“ auf dem Kopf des Herrn, der seit 24 Jahren die Lizenz zum Fegen besitzt.

Doch wie geht es im kommenden Jahr für die Schornsteinfeger weiter? Das Monopol, das ihnen durch das Schornsteinfegergesetz aus dem Jahr 1969 zugesichert war, wird auf Drängen der Europäischen Union fallen.

Eschweiler ist gelassen

Hans Dieter Eschweiler ist der Obermeister der Schornsteinfegerinnung Aachen. Der 60-jährige Fachmann lebt in Bad Münstereifel und ist seit 1967 in seinem Beruf tätig. 1995 erhielt er seinen Meistertitel. Er sieht der Gesetzesänderung gelassen entgegen.

Hans Dieter Eschweiler
Hans Dieter Eschweiler
Foto: Gudrun Klinkhammer

Eschweiler: „Mit Beginn des neuen Jahres endet das Kehrmonopol, fortan darf der Kunde seinen Schornsteinfeger frei wählen. Doch diese Wahlfreiheit ist mit Vorsicht zu genießen.“ Der Hauseigentümer trägt zukünftig mehr Verantwortung. Zwar hat er nun eine gewisse Wahlmöglichkeit, kann Preise und Leistungen vergleichen. Doch der Hauseigentümer hat auch die Pflicht zu prüfen, ob der von ihm beauftragte Betrieb die nötigen Qualifikationen besitzt. Und letztendlich muss das Ergebnis des bestellten Handwerkers oder Fremdkehrers innerhalb von 14 Tagen nach Ausführung der Arbeiten dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegermeister vorgelegt werden, der dies im Kehrbuch vermerkt.

Zudem steht alle 3,5 Jahre eine Feuerstättenschau an, die ebenfalls ausschließlich der Bezirksschornsteinfegermeister durchführen darf. Zu möglichen Preisunterschieden sagt der Innungsobermeister: „Ein seriöser Schornsteinfeger oder Handwerksbetrieb kann den derzeitigen Preis gar nicht unterbieten. Er müsste an anderer Stelle sparen, was bedeutet, er würde weniger Zeit in den jeweiligen Auftrag investieren.“ Das wiederum würde letztendlich dem Auftraggeber zum Nachteil gereichen.

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Schornsteinfeger-Monopol geht zu Ende

Eschweiler: „Versäumnisse und unqualifizierte Arbeiten können nicht nur weitere Kosten verursachen.“ Es bestehe auch die Gefahr, dass der Hauseigner eventuell seinen Versicherungsschutz verliert, sollte man ihm nachweisen, dass Überprüfungen nicht fach- und fristgerecht durchgeführt worden sind.

Festgelegte Gebühren

Die Gebühren der Schornsteinfeger sind bisher nicht willkürlich festgelegt worden. Sie basieren auf einem Gutachten, das die Bundesrepublik Deutschland in Auftrag gab. Die Kehrbezirke, die weiterhin bestehen bleiben, legt die jeweilige Bezirksregierung nach wie vor fest.

Eschweiler: „Bleibt der Auftraggeber seinem bisherigen Schornsteinfeger treu, ändert sich für ihn überhaupt nichts.“ Für Eschweiler und Trenz ist die Arbeit des schwarzen Mannes vor allem auch Vertrauenssache. Nicht jedem mag ein Hausbesitzer seine Türen öffnen.

Eschweiler empfiehlt daher, im Zweifel nicht davor zurückzuschrecken, nach dem Ausweis des Schornsteinfegers zu fragen, der gerade vor der eigenen Haustüre aufgetaucht ist. Tatsächlich erfahren Trenz und Eschweiler immer wieder, dass sich wegen ihrer Uniform Türen problemlos öffnen. Die Skepsis der Verbraucher weicht angesichts der Berufsbekleidung.

Niederländer zu teuer

Zu möglichen Anbietern aus dem angrenzenden Ausland zuckt Hans Dieter Eschweiler nur die Schultern. Die Belgier werden seiner Meinung nach ihre Leistungen in Deutschland nicht durchführen können, da sie keine vergleichbare Qualifikation besitzen. Und die Niederländer lachen über das hiesige Gehalt, so der Fachmann. Sie kassieren in ihrer Heimat mehr als das Doppelte für die gleichen Leistungen. Innungsobermeister Eschweiler: „Bevor ein niederländischer Schornsteinfeger nach Deutschland kommt, um zu arbeiten, geht der Weg eher andersherum.“ Eher werden die deutschen Fachkräfte in die Niederlande bestellt, weil ihre Leistungen besser und wesentlich kostengünstiger sind.

134 Schornsteinfegerbetriebe existieren aktuell im Kammerbezirk Aachen. Im Kreis Euskirchen gehen 22 Bezirksschornsteinfeger mit ungefähr 60 Mitarbeitern ihrer Arbeit nach. Torsten Trenz beispielsweise betreut 2900 Haushalte im Bereich Mechernich. Die Lehrlinge, von denen laut Eschweiler immer genug vorhanden sind, müssen sich im Laufe ihrer Ausbildung mit 450 Richtlinien vertraut machen. Sie werden geschult in der Beratung und im Umgang mit Kunden, aber auch mit Technik und Energieversorgung müssen sie sich auskennen. Zudem sollte jeder Schornsteinfeger sportlich und schwindelfrei sein.

Abschließend merkt Eschweiler an: „In der Schweiz ist das Monopol der Schornsteinfeger bereits vor Jahren gekippt worden – mit dem Erfolg, dass es jetzt wieder eingeführt wird.“ Interessenten, die sich über Betriebe und deren Qualifikation informieren möchten, können die Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle anklicken.

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