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Interview: „Handwerk ist mehr als Arbeit“

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Hans Peter Wollseifer. Foto: Stefan Worring
Hans Peter Wollseifer ist vom Präsidium des Zentralverbands des Deutschen Handwerks als neuer Präsidenten vorgeschlagen worden. Er will das Handwerk in der Gesellschaft stärker präsent machen. Die Wahl findet im Dezember statt.
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Rhein-Erft-Kreis

Herr Wollseifer, Sie sind vom Präsidium des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) für das Amt des neuen Präsidenten vorgeschlagen. Damit gehören Sie zu den aussichtsreichen Kandidaten.

Hans Peter Wollseifer: Ich bin vorgeschlagen worden, darüber freue ich mich sehr. Ich bewerte es als Vertrauensvorschuss. Aber die Wahl ist erst im Dezember. Und bis dahin wird es noch andere Kandidaten geben.

Wie sähe ihre neue Aufgabe denn aus?

Wollseifer: Ich will Kontinuität in der guten Arbeit schaffen, die unter dem bisherigen Präsidenten Otto Kentzler geleistet wird. Dazu gehört, dass das Handwerk in der Gesellschaft stärker präsent sein muss. Um das zu erreichen, müssen wir unsere große Imagekampagne auf junge Leute ausrichten, damit sie verstehen, dass Handwerk mehr als Arbeit ist.

Sie sind seit Mai 2010 Präsident der Handwerkskammer zu Köln. Wie bringen Sie dieses und andere Ämter mit ihrem Engagement als Geschäftsführer mehrerer Unternehmen unter einen Hut?

Wollseifer: Ich bin Ende 2009 aus dem großen Unternehmen, der Wollseifer GmbH Bausanierung, die ich in 33 Jahren aufgebaut habe, ausgetreten. Damals habe ich ein kleines Handwerksunternehmen gegründet. Daneben bin ich noch im Projektmanagement tätig. Durch mein Ausscheiden habe ich Zeit gewonnen. Und die brauche ich für das Amt des Handwerkskammerpräsidenten.

Gute Aussichten

Hans Peter Wollseifer (57) ist Maler- und Lackierermeister, Unternehmer in Hürth und war zehn Jahre lang Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft.

Der Vater zweier Kinder ist seit Mai 2010 Präsident der Handwerkskammer zu Köln und jetzt aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. (nk)

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Hat das Handwerk noch goldenen Boden?

Wollseifer: Die Herbstbefragung hat ergeben, dass 90 Prozent der Unternehmen ihre Lage positiv, gut oder befriedigend bewerten. Nur um die zehn Prozent haben die Lage als negativ bewertet. Ich gehe davon aus, dass dies der Entwicklung entspricht und die Betriebe gut durch den Winter gekommen sind. Der Ausspruch vom goldenen Boden ist immer noch sehr gerechtfertigt.

Als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks wären sie für Grundsatzfragen des Handwerks und für dessen Interessenvertretung zuständig. Was sind die drängendsten Fragen ?

Wollseifer: Es gibt viele drängende Fragen, zum Beispiel zur der Energiepolitik. Wir wollen erreichen, dass auch private Investoren energetische Sanierung von Gebäuden steuerlich absetzen können. Die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn wir die größte Ressource, die Einsparung von Energie, aktivieren. Wichtige Fragen betreffen außerdem die Fachkräfte- und Alterssicherung, aber auch die Bezahlbarkeit der Sozialsysteme.

Ist die Ausbildung attraktiv genug?

Wollseifer: Wir bieten 130 Berufe von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmermann. Da ist für jeden etwas dabei. Es wird unsere Aufgabe sein, die Angebote bekanntzumachen.

Gibt es Aufstiegschancen?

Wollseifer: Ja, es gibt genügend Chancen, etwa die klassische Meisterausbildung. Wir haben als einzige Kammer in der Bundesrepublik mit der Fachhochschule des Mittelstandes in Pulheim triale Studiengänge entwickelt. Dort können junge Leute Gesellenbrief, Meisterbrief und den Bachelor of Arts im Handwerksmanagement erwerben. Daneben gibt es Fortbildungen, etwa zum Energieberater, Sachverständigen, Windkraftanlagen- oder Solartechniker. Ich behaupte: Wir haben für jeden das passende Angebot.

Das Gespräch führte Norbert Kurth

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