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Klimaschutzkonzept: Drei Kommunen wollen die Wende

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Der Individualverkehr ist die größte Belastung des Klimas – hier ein Engpass im Mucher Ortskern. Abhilfe könnten sogenannte „Car-Sharing“-Konzepte (kleines Bild) leisten.  Foto: Gabriele Krueper, Jörn Neumann
Die Energiewende muss von unten kommen- also bei den Haushalten und Kommunen anfangen. Deswegen haben sich drei Kommunen Lohmar, Much und Ruppichteroth zusammengetan, um ein „Interkommunales Klimaschutzkonzept" zu erarbeiten.  Von
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Rhein-Sieg-Kreis

Die von der Bundesregierung geplante Energiewende kann nur gelingen, wenn sie ganz unten anfängt – in den Haushalten, in den Dörfern, in den Kommunen. Fördermittel für den Start stehen bereit – und so haben sich Lohmar, Much und Ruppichteroth zusammengetan, um ein „Interkommunales Klimaschutzkonzept“ zu erarbeiten. Die Umweltausschüsse in der Stadt und den beiden Gemeinden haben sich jetzt einstimmig für den Einstieg in die lokale Energiewende entschieden, die auf verschiedenen Ebene umgesetzt werden soll.

Letztlich geht es um zwei Prinzipien, um die Einsparung von Energie und den Ausbau regenerativer Energiequellen. Die Potenziale und Handlungsfelder sind in einem 200 Seiten starken Konzept aufgelistet. In dieser Analyse werden zum Beispiel der Energieverbrauch im Fahrzeugverkehr, in den Häusern und Betrieben berechnet und auf den CO2-Ausstoß umgerechnet. Einsparpotenziale in privaten und öffentlichen Gebäuden, die Möglichkeiten der Energiegewinnung durch Gülle, Holz, Wind und Erdwärme werden aufgelistet.

Expertise Windkraft

Die Windkraft hat vor Jahren in Much für Aufruhr gesorgt. Damals waren in Tüschenbonnen, bei Herfterath und auf dem Spielberg bei Wersch Standorte für Propeller vorgeschlagen worden. Es gab jeweils heftige Proteste aus der Bevölkerung. Obwohl 2005 ein vielseitiges Gutachten erstellt wurde, müsse, erklärte Beigeordneter Norbert Büscher im Umweltausschuss, eine neue Expertise angefertigt werden. Die Richtlinien hätten sich geändert: Heute gebe es ganz andere Höhen, selbst das Kartenmaterial müsse neu erarbeitet werden.

So sollen sich die Bürger an den Anlagen beteiligen und davon profitieren. Dies könnte über eine Genossenschaft organisiert werden; in Windeck hat sich bereits eine Gruppe gefunden. Für Ruppichteroth ist als Standort die Nutscheid ins Auge gefasst, aber auch die Windecker liebäugeln mit diesem exponierten Höhenrücken. Möglich wäre für dieses Projekt daher eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Kommunen. (gk)

Lohmar will bei der Umsetzung des Konzepts die Federführung übernehmen, im Rathaus an der Agger wird dafür ein eigenes Büro eingerichtet. Als erstes steht im kommenden Jahr die Einstellung eines „Klimaschutz-Managers“ auf der Agenda. Die Planung von Winderädern steht im Konzept an prominenter Stelle – dieses Thema dürfte nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auch in der öffentlichen Aufmerksamkeit den ersten Platz einnehmen. In Lohmar betrug im Jahr 2010 der Energieverbrauch 748 500 Megawatt. Der Verkehr macht dabei 40 Prozent aus, gefolgt von privaten Haushalten (32 Prozent), Industrie/Gewerbe (18 Prozent).
Auf die 40 Prozent Anteil am Kraftstoff folgen 22 Prozent Erdgasverbrauch, 17 Prozent Heizöl und 15 Prozent Strom. Dies entspricht umgerechnet einem Ausstoß an CO2 von 247 000 Tonnen. Für die gesamten Energiekosten wurden rund 90 Millionen Euro ausgegeben.

Für Much liegt die CO2-Bilanz bei 155 000 Tonnen und 51 Millionen Euro an Kosten, für Ruppichteroth entspricht der Verbrauch 92 000 Tonnen CO2-Ausstoß und 31 Millionen Euro an Kosten. Auch in den Gemeinden Much und Ruppichteroth haben die Kraftstoffe den mit Abstand höchsten Anteil; gefolgt von Heizöl und Strom.

Beim Sektor Strom wird für eine Energiewende vor allem auf die Erschließung erneuerbarer Energiequellen hingewiesen. Der Wärmebedarf (Öl und Gas) könnte über Wärmedämmung, moderne Heizkessel und alternative Quellen (Holz, Erdwärme) beeinflusst werden. Beim Auto können die Kommunen den geringsten Einfluss nehmen: Dies hängt vom Verhalten des einzelnen Bürgers ab und von der Entwicklung in der Autoindustrie. Wenn die im Konzept vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, könnte in allen drei Kommunen ein Äquivalent von 230 000 Tonnen CO2 eingespart werden – ein Wert, der etwas unter dem Jahresausstoß in Lohmar liegt.

Die Windkraft gilt laut Expertise als größter Einzelbeitrag für die Verminderung von CO2. Im gemeinsamen Umweltausschuss von Much und Ruppichteroth verwies Planer Jost Eberhard aus Bonn darauf, dass im Kreis Euskirchen – dieser sei ähnlich strukturiert wie der ländliche Rhein-Sieg-Kreis – bereits 30 Windräder aufgestellt und weitere 17 in Planung sind. Im rechtsrheinischen Kreisgebiet steht dagegen kein einziges. Für Much werden neun Räder vorgeschlagen, für Ruppichteroth acht und für Lohmar sieben. In Lohmar steht die Windkraft an zweiter Stelle. Als besonders wichtig werden dort der Ausbau des Busverkehrs und ein gutes Mobilitätsmanagement – etwa „Car-Sharing“ und intelligente Transportsysteme beim Gewerbe – gesehen.

Für Much wird neben der Windkraft auch der Bau von Biogasanlagen genannt wegen der zahlreichen landwirtschaftlichen Betriebe – vorgeschlagen werden aber nur kleinere Anlagen, die mit Gülle betrieben werden. Der Bund fördert zunächst den Klima-Manager mit 65 Prozent, Ruppichteroth erhält wegen des Nothaushalts 95 Prozent. Die restlichen fünf Prozent werden vom „Förderverein östlicher Rhein-Sieg-Kreis“ übernommen. Für weitere Teilkonzepte gibt es gestaffelte Zuschüsse.

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