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Nach sechs Jahren: RWE weiht Kraftwerk ein

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Aufgrund eines schweren Unfalls mit drei Toten verzögerten sich die Bauarbeiten. Foto: Udo Beissel
RWE weiht das gigantische Braunkohlekraftwerk in Neurath ein. Nur wenige Tage fehlen, dann wären zwischen der Grundsteinlegung und der offiziellen Inbetriebnahme genau sechs Jahre vergangen.  Von
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Grevenbroich-Neurath

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war es, die den Grundstein für das Braunkohlekraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) am 23. August 2006 mit dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, RWE-Vorstand Harry Roels und RWE-Power-Chef Jan Zilius legte. An diesem Mittwoch werden Rüttgers-Nachfolgerin, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), und der neue RWE-Vorstandschef Peter Terium sowie Power-Chef Johannes Lambertz das Kraftwerk nach monatelangem Probelauf offiziell in Betrieb nehmen. Der Bau des gigantischen Komplexes, der unter Volllast mehr als 2100 Megawatt Strom erzeugt, hat 2,6 Milliarden Euro gekostet.

Stellenabbau bei RWE
Ausbau in NRW stockt
Strom in der Region

Der neue RWE-Chef Peter Terium verschärft das Sparprogramm bei Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger. Statt wie ursprünglich geplant 8000 Stellen sollen nun sogar 10 400 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Der Abbau der zusätzlichen 2400 Stellen – zwei Drittel davon in Deutschland – ist Bestandteil des Sparprogramms „RWE 2015“, mit dem der Manager dem Konzern nach den Einbußen durch den Atomausstieg wieder zu mehr Ertragskraft verhelfen will. Im ersten Halbjahr konnte sich RWE zumindest operativ verbessern. Zwar belasten sinkende Stromgroßhandelspreise und weiterhin defizitäre Gaslieferverträge. Dank des Wegfalls von Einmaleffekten im Zusammenhang mit dem Atomausstieg stieg das betriebliche Ergebnis jedoch um neun Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis ging minimal auf 1,7 Milliarden Euro zurück.

In NRW insgesamt stockt der Ausbau neuer Kraftwerke. Aktuell gibt es vier strittige Kraftwerksbaustellen – in Datteln, Lünen, Duisburg-Walsum und Hamm. Ob diese Anlagen – obwohl ihre Energielieferungen eingeplant sind – je ans Netz gehen werden, ist ungewiss. In Datteln ruhen die Bauarbeiten am fast fertiggestellten Milliardenbauwerk seit 2009 wegen eines fehlerhaften Bebauungsplans. In Duisburg-Walsum stockt der Bau wegen Rissen im Kraftwerkskessel. Im Hammer Steinkohle-Kraftwerk gibt es technische Probleme, das Genehmigungsverfahren für Lünen wurde von Gerichten kritisiert, weil Umweltaspekte nicht genug beachtet wurden.

Im Rheinischen Braunkohlenrevier im Städtedreieck Düren, Grevenbroich und Köln gibt es derzeit eine Kraftwerksleistung von insgesamt gut 10 000 Megawatt (MW). Der Schwerpunkt der Stromerzeugung liegt bei den Altanlagen in Goldenberg (Hürth), Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und Weisweiler. In Niederaußem ging 2003 der erste Braunkohleblock mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Betrieb. Er hat eine Leistung von 1000 MW. Hochmodern und umweltfreundlich soll das in Niederaußem geplante BoA-Plus-Kraftwerk haben. Der Genehmigungsprozess wurde Anfang Oktober 2011 eingeleitet. Der Braunkohleblock mit einer Leistung von 1100 Megawatt soll nach 2017 in Betrieb gehen. (dpa, nk, ps)

Größte Baustelle im Land

2005 hatte die Bezirksregierung in Düsseldorf die Genehmigung zum Bau des BoA-Doppelblocks unweit des bestehenden Kraftwerks Neurath erteilt. Auf mehr als 30 Hektar entstand eine der größten Baustellen im Land. Bis zu 2800 Menschen waren in den ersten Jahren auf dem Gelände an der Energiestraße beschäftigt. Langsam wuchsen die Kühltürme, dann waren die Stahlgerippe der Kesselhäuser für die Blöcke F und G zu erkennen. Bis dahin lag der Bau im Plan. Spätestens Ende 2010 sollte das BoA-Kraftwerk regulär Strom produzieren.Doch am 25. Oktober 2007 geschah auf der Baustelle ein Unfall: Ein riesiges Stahlbauteil des Kessels stürzte aus 170 Meter Höhe in die Tiefe und riss mehrere Menschen mit. Drei Arbeiter im Alter von 25, 32 und 35 Jahren starben, fünf weitere wurden schwer verletzt. Unter großer Anteilnahme der Belegschaften aller vertretenen Firmen nahmen die Menschen Abschied von den Opfern. Wenige Monate später stellte die Staatsanwaltshaft Mönchengladbach die Ermittlungen zur Ursache ein. Es sei ein Unglücksfall, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach und des Polizeipräsidiums Düsseldorf, „bei dem keiner der verantwortlichen Personen ein individueller Schuldvorwurf gemacht werden kann“.

Letzte Kräne abgebaut

Im Sommer 2010 nimmt das Kraftwerk Gestalt an. Der zeitliche Rückstand durch den Unfall konnte aber nicht mehr aufgeholt werden. Knapp sechs Jahre nach der Grundsteinlegung werden nun die letzten Kräne auf der Baustelle abgebaut, darunter der größte Mobilkran der Welt. Nach Angaben von RWE Power ist das BoA-Kraftwerk eines der modernsten und umweltschonendsten weltweit. Das reicht nicht allen: Mit einer Mahnwache wollen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Klima-Allianz-Deutschland an diesem Mittwoch gegen die Stromerzeugung aus Braunkohle protestieren. Vor dem Kraftwerk wird auch der Landesvorsitzende des BUND, Paul Kröfges, stehen.

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