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Nahverkehr: Doppelstockzüge für mehr Komfort

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Komfort sieht sieht anders aus. Reisende im Talent 2 beschweren sich des Öfteren über das geringe Platzangebot im neuen DB-Zug.  Foto: Stephan Propach
Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland reagiert auf die Beschwerdeflut über Ausfälle, überfüllte Züge und wenig Komfort auf der Strecke des Regional-Express 9. Auch Lokführer hatten über Mängel am Talent 2 geklagt.  Von
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Rhein-Sieg-Kreis

Auf die massiven Beschwerden von Fahrgästen des Rhein-Sieg-Express (RE 9) über Zugausfälle, Verspätungen, überfüllte Züge und mangelnden Komfort in den neuen Talent 2-Zügen will der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) reagieren.

Er gibt seine Pläne auf, zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember alle Doppelstockzüge älterer Bauart aus dem Verkehr zu ziehen und nur noch die neuen Doppelstockwagen und die Talent 2-Züge mit geringerem Platzangebot einzusetzen. Stattdessen soll in den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Nachmittag zusätzlich ein doppelstöckiger Nahverkehrszug mit fünf Wagen und 440 Sitzplätzen auf der Strecke verkehren. Das teilte der NVR am Mittwoch nach einer Sitzung des Hauptausschusses seiner Verbandsversammlung mit.

Eingesetzt werden soll dieser Zug auf den besonders stark nachgefragten Verbindungen von Siegen (6.17 Uhr) nach Köln (8.02 Uhr), von Köln (15.59 Uhr) nach Au/Sieg (17 Uhr) und von Aachen (8.18 Uhr) über Köln (9.12 Uhr) nach Siegen (10.50 Uhr).

Die Verbandsversammlung, ein politisches Gremium des NVR, hatte sich wegen der massiven Beschwerden von Fahrgästen mit den Problemen des Rhein-Sieg-Express beschäftigt. Diese Beschwerden hatten sich gehäuft, nachdem im Frühjahr auch die neuen Talent 2-Züge auf der Strecke zwischen Siegen und Aachen eingesetzt worden waren. Täglich hagelt es seitdem Beschwerden bei Verkehrsunternehmen und Politikern. Der „Rhein-Sieg-Anzeiger“ bekam stapelweise Leserbriefe, in denen genervte Fahrgäste von ihrem Frust berichten.

Inzwischen schlagen auch die Lokführer der DB Regio, die die Strecke für den Verkehrsverbund Rhein-Sieg betreibt, Alarm. In einer Mitteilung an die DB spricht die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG von Mängeln im Führerraum der Talent 2-Züge. In den „nagelneuen Zügen“, dringe Wasser in die Führerstände ein, die Raumtemperatur sei nicht ausreichend regulier- und die Neigung der Sitze nicht verstellbar, zudem würden Zugführer von Pfeifgeräuschen belästigt. Der Talent 2, so EVG-Sprecher Reiner Bieck, bleibe ein Sorgenkind, die Mängel müssten zügig beseitigt werden.

Diese Auffassung teilen die Parteienvertreter im Zweckverband NVR. „90 Minuten lang haben wir heute allein über dieses Thema gesprochen, so lang hat uns ein einziges Thema noch nie beschäftigt“, berichtet Vizelandrat Dietmar Tendler, der für die SPD in dem Gremium sitzt. Tendler erlebte am Mittwochmorgen selbst, was tausende Fahrgäste beklagen: Auf dem Weg zur Sitzung in Köln war er selbst von einem Zugausfall des RE 9 betroffen.

In einem gemeinsamen Antrag fordern die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP, „dass kurzfristig eine für die Fahrgäste zufriedenstellende Bedienungsqualität auf der RE 9 erreicht wird“. Dieser Forderung will der NVR nun mit den so genannten Verstärker-Zügen nachkommen. „Durch diese Maßnahme wird eine weitere Verschlechterung der Bedienqualität verhindert“, sagte der NVR-Zweckverbandsvorsitzende Karsten Möhring nach der Entscheidung.

Das reiche aber bei weitem nicht aus. „Wir wollen eine dauerhafte Lösung der Kapazitätsprobleme auf der RE 9“, so Möhring. „Deshalb erwarten wir von der DB Regio, dass sie im Laufe des kommenden Jahres wieder ausreichend Doppelstockwagen auf die Strecke bringt.“ Dies sei erforderlich, weil der Fahrgastzuwachs der Linie RE 9 in den vergangenen Monaten „jede Prognose getoppt“ habe.

Weil dies vermutlich nicht ohne zusätzliches Geld zu haben ist, fordern die Fraktionen auch einen Beitrag der Landesregierung. Diese müsse im Zuge der Neuregelung des ÖPNV-Gesetzes Geld zur Verfügung stellen, um die zusätzlichen Leistungen langfristig abzusichern. Unterdessen hat auch die DB Regio Verbesserungen am Talent 2 zugesagt. So sollen die Papierkörbe, die die Beinfreiheit der Reisenden einschränken, umgebaut werden. Die Toiletten, die häufig verstopft waren, wurden bereits überarbeitet.

Schwierig seien jedoch Änderungen an den Türen, die sich nach Meinung vieler Fahrgäste viel zu langsam öffnen. Grund für die Verzögerung sei ein Sicherheitssystem, das verhindere, dass sich die Türen auf der falschen Seite des Zuges öffnen.

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