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Neujahrsansprache: EuLog zeigt, wie man es richtig macht

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Mehrere hundert Gäste hörten sich die Neujahrsansprache von Landrat Günter Rosenke in den Hallen von EuLog an.  Foto: Tim Nolden
Landrat Günter Rosenke hielt seine Neujahrsansprache vor Hunderten von Gästen zu den Themen Integration und Inklusion. Schauplatz war diesmal ein Logistikunternehmen mit dem Schwerpunkt Integration.  Von
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Kreis Euskirchen/Kuchenheim

Zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Gesellschaft konnte Landrat Günter Rosenke gestern zum 19. Neujahrsempfang des Kreises willkommen heißen. Er fand diesmal nicht im Kreishaus am Jülicher Ring statt, sondern in einer Halle des Logistikunternehmens EuLog gGmbH im Kuchenheimer Gewerbegebiet. Der Ort des Empfangs war mit Bedacht gewählt worden, denn Integration und Inklusion bildeten die Schwerpunkte in Rosenkes Neujahrsansprache. Der Gastgeber EuLog, ein Tochterunternehmen der Nordeifelwerkstätten, liefert immer wieder aufs Neue den Beweis, dass auch ein Unternehmen mit vielen behinderten Mitarbeitern konkurrenzfähig auf dem Markt operieren kann.

Inklusion und Integration: Diese beiden Themen gewinnen vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels enorm an Bedeutung. Für die Kommunen dürften beides in Zukunft sogar überlebenswichtig werden. Rosenke rief dazu auf, Zuwanderung als Chance zu begreifen, um die Folgen des Geburtenrückgangs zu mildern und den Arbeitskräftebedarf zu sichern. Entschieden trat Rosenke rechtsextremen Strömungen entgegen, die die Zuwanderung ablehnen. Das sei „dumm“.

10.000 ausländische Mitbürger

Gerade das Rheinland habe in den vergangenen 2000 Jahren andauernd Migration erlebt, und jeder von uns sei Teil davon. Das funktioniere aber nur, wenn integrationswillige Migranten auf eine interessierte, offene und einladende Gesellschaft träfen. Der Kreis Euskirchen habe ein Integrationskonzept erstellt, das den Handlungsempfehlungen zum Demografieprozess folge. Das Konzept soll dazu beitragen, dass die über 10 000 Mitbürger ausländischer Herkunft im Kreis Euskirchen bessere Bildungsmöglichkeiten und damit auch bessere Berufsaussichten haben. Zugleich soll es die soziale Lage der Migranten verbessern und die Eingliederung in die einheimische Gesellschaft stärken.

Kreis-Neujahrsempfang
Landrat Günter Rosenke ließ das Jahr 2012 Revue passieren.
Foto: Tim Nolden

Dabei werden sechs Schwerpunkte gesetzt: Interkulturelle Öffnung, Bildung, Ausbildung und Beruf, Sprache, Gesundheit sowie Kultur, Sport und Freizeit. Gerade die Sprache sei das Bindeglied zwischen den Menschen und der Grundstock für Integration und beruflichen Erfolg. Anliegen des Kreises Euskirchen sei es, ein flächendeckendes, gut erreichbares und transparentes Angebot der durchgängigen Sprachförderung für alle Alters- und Zielgruppen zu erreichen. Sinnvoll seien auch Stadtteilmütter oder Stadtteilväter: Menschen mit Migrationshintergrund, die als Lotsen und Ansprechpartner in Gegenden mit sozial benachteiligten Menschen wirken. Sie begleiten ausländische Familien bei Fragen zu Ausbildung, Arbeit, Erziehung und Gesundheit.

„Der demografische Wandel ist auch bereits in den Schulen angekommen“, konstatierte Rosenke. In allen Bereichen seien die Schülerzahlen rückläufig. Das mache eine kreisweite Schulentwicklung „erforderlicher und drängender denn je“, zumal in absehbarer Zeit die Inklusion von Förderschülern in Regelschulen kommen werde.

Kreis-Neujahrsempfang
Musikalisch begleitet wurde der Neujahrsempfang des Kreises Euskirchen von der Gruppe NEW-Singers unter der Leitung von Otto Werner (rechts).
Foto: Tim Nolden

Der Landrat war überzeugt davon, dass Betriebe mehr Schwerbehinderte einstellen, wenn deren Potenziale besser dargestellt würden. Da seien auch die Schulen gefordert. Die Firma EuLog beweise im beruflichen Bereich, dass sich Menschen mit den unterschiedlichen Behinderungen bestens integrieren lassen und sich beruflich bewähren.
Nach der aktuellen Statistik sind derzeit 20 Prozent der Bevölkerung im Kreis Euskirchen 65 Jahre und älter. Im Jahr 2030, so Rosenke, werde der Prozentsatz bei 30 Prozent liegen: „Über die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Rentensysteme brauche ich nicht zu referieren.“

Mit zunehmendem Altersquerschnitt der Bevölkerung spielten Infrastruktur, Mobilität, ÖPNV und Grundversorgung eine entscheidende Rolle. „Zu lange wurde unter dem Deckmantel des Jugendwahns verkannt, dass die Alterung der Gesellschaft dramatische Formen annimmt, die dringender Lösungsansätze bedürfen.“ Immer mehr Menschen erkrankten an Demenz, immer mehr würden pflegebedürftig. Und mit dem Alter steige das Armutsrisiko.

Senioren-WG

Rosenke präsentierte einen möglichen Ausweg: „Anstatt die herkömmlichen Pflegeheime zu fördern, die häufig nicht gerne in Anspruch genommen werden und deren Betrieb teuer ist, könnte man über neue Wohnformen nachdenken.“ Dann rückte er die „WG“ der 68er-Generation als mögliches Vorbild in den Blickpunkt. Denkbar sei etwa, dass sich mehrere Senioren zusammenschließen, bevor sie pflegebedürftig seien. Sie könnten miteinander leben und sich gegenseitig versorgen. Abschließend forderte der Landrat alle zur Kreativität bei der Lösung der Probleme auf.

Auf die musikalische Umrahmung des Neujahrsempfangs mussten die Gäste auch diesmal nicht verzichten. Die „NEW-Singers“ unter der Leitung von Otto Werner boten ein kleines Programm dar. Mit dabei waren auch wider die Landfrauen, die sich um das leibliche Wohl kümmerten.

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