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Opferschutz: Netzwerk-Arbeit trägt Früchte

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In der Mottenburg feierte das Opfer-Netzwerk seinen zehnten Geburtstag. Moderator Norbert Jeub (Mitte) interviewt hier unter anderem die Vorstandsmitglieder Irmgard Bünder (links) sowie Sigrid Arabin-Möhrer und Rudi Esch (Dritte und Zweiter von rechts). Foto: Polizei
Das Opfer-Netzwerk hat ein Jahrzehnt nach seiner Gründung eine positive Bilanz gezogen. Dem Verein gehören zahlreiche Institutionen an. Nur eine Kinder-Traumaambulanz und Experten für Verkehrsunfallopfer fehlen.  Von 
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Kreis Euskirchen

Als Jürgen Hauptmann im Jahr 2000 zum ersten Opferschutzbeauftragten der Kreispolizei Euskirchen ernannt wurde, da hatte er wohl nicht damit gerechnet, dass ein paar Jahre später zahlreiche Kreise aus der ganzen Bundesrepublik anerkennend und beinahe neidisch in die Eifel blicken. Denn eine von Hauptmanns Aufgaben war es, verschiedene Institutionen, die mit dem Opferschutz befasst sind, an einen Tisch zu bekommen und zu vernetzen. Mitstreiter hatte Hauptmann in der Euskirchener Anwältin Anke Sefrin und Jugendrichter Arno Bölts-Thunecke schnell gefunden.

Infolge eines Opferschutzsymposiums im Jahr 2001 in der Comedia in Euskirchen gründeten sich verschiedene Arbeitskreise, darunter auch der AK „Voneinander wissen, miteinander helfen“. Hier kam die Idee auf, ein Netzwerk einzurichten, und zwar als gemeinnützigen Verein. Am 9. November 2002 fand in der Aula der Barbaraschule in Mechernich die Gründungsversammlung des Vereins Opfer-Netzwerk statt. Aus dem Stand hatte er 80 Mitglieder, anwesend bei der Versammlung waren auch alle Bürgermeister sowie der Landrat.

Kürzlich feierte das Opfer-Netzwerk in der Mottenburg des LVR-Industriemuseums in Kuchenheim also seinen zehnten Geburtstag. Hauptmanns Fazit: „Wir sind froh, dass wir das gemacht haben und es eine so starke Institution ist.“

Dem Opfer-Netzwerk gehören zahlreiche Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen an: das Jugendamt und die Polizei, die Traumaambulanz im Marien-Hospital Euskirchen, mehrere Psychotherapeuten und Anwälte, Hilfsorganisationen wie der Weiße Ring, die Caritas, der Kinderschutzbund, das Deutsche Rote Kreuz, die Vereine „Frauen helfen Frauen“ und „Mumm“, der Kriseninterventionsdienst, der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt sowie die Kreissparkasse mit finanzieller Unterstützung.

Schnelle Hilfe

So ist gewährleistet, dass Opfern so schnell wie möglich geholfen werden kann – im Regelfall sofort, spätestens nach zwei Tagen. „Man kennt sich und hat dementsprechend kurze Wege“, weiß Hauptmann, der den Posten als Opferschutzbeauftragter mittlerweile an Toni Dickopp weitergegeben hat. „Das Opfer wird immer an die richtige Stelle weitergeleitet“, beschreibt es Anke Sefrin, zweite Vorsitzende des Vereins und ergänzt: „Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Berufen und bringen andere Aspekte und ihre Fachkenntnisse ein.“

Die Arbeit des Opfer-Netzwerkes beruht auf drei Säulen: der Prävention, der Zivilcourage und dem Opferschutz. Die Präventionsarbeit beginnt schon im Kindesalter, etwa mit der Theateraufführung „Mein Körper gehört mir!“, die in Grundschulen gezeigt wird und bereits von 25.000 Kindern, Eltern und Lehrern gesehen wurde. Eine solche Aufführung hat sogar schon dazu geführt, einen jungen Mann aus dem Euskirchener Stadtgebiet, einen angehenden Lehrer, Jugendtrainer und Messdienerbeauftragten, des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu überführen und hinter Gittern zu bringen. Ganz besonderen Wert legt der Verein, dem Diakon Horst Lennartz vorsitzt, aber auf den Bereich Opferschutz. Jedes Opfer erhält einen so genannten „Opferumschlag“, in dem Tipps und Adressen von Opfer-Netzwerk-Mitgliedern enthalten sind. Hunderte solcher Umschläge wurden mittlerweile verteilt.

Rechtsberatung und Therapie

Opfer von Straftaten werden vor Gericht unterstützt und bekommen eine Rechtsberatung, die auch nach dem Verfahren, selbst wenn es eingestellt wurde, nicht aufhört. Therapeutische Hilfe wird durch das Netzwerk ebenfalls geleistet, bei erwachsenen Opfern von Sexualstraftaten wird in Krankenhäusern auch die anonyme Spurensicherung angeboten. Sie betrifft Opfer, die sich noch nicht sicher sind, ob sie Anzeige erstatten wollen.

Die Arbeit des Opfer-Netzwerks trägt Früchte. „Die Leute sind sensibler und mutiger geworden“, erläuterte Horst Lennartz. Das belegen auch die Zahlen der angezeigten Sexualdelikte und Fälle von häuslicher Gewalt. Doch ganz zufrieden ist der Vorstand immer noch nicht. „Mein größter Wunsch ist die Reaktivierung der Kinder-Traumaambulanz in Euskirchen“, sagte Anke Sefrin. Und Jürgen Hauptmann wünscht sich, dass sich auch Experten, die sich auf Verkehrsunfallopfer spezialisiert haben, dem Opfer-Netzwerk anschließen.

AUTOR
Thomas Schmitz, freier Mitarbeiter in der Lokalredaktion Euskirchen
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