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Porträt : Staubiger Rock mit kölscher Seele

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Das Lindlarer Blues-Duo Für wat?!will nicht nur unterhalten, sondern sein Publikum auch zum Nachdenken anregen.  Foto: Leinweber
Stefan Bartsch und Oliver Werner bringen die Höhen und Tiefen des Lebens gekonnt ans Ohr, die beiden Jugendzentren-Leiter sind als Blues-Duo Für Wat?! unterwegs und haben soeben ihre erste CD produziert  Von
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Lindlar

„Wer den Blues nicht kennt, der kann ihn auch nicht spielen“, findet Stefan Bartsch (47), Sänger, Akustikgitarrist und Mundharmonikaspieler des Lindlarer Blues-Duos Für wat?!. „Man muss schon mal ganz unten gewesen sein oder miese Zeiten erlebt haben, damit die Leute dir auch glauben, was du da erzählst.“

Damit die Menschen im Bergischen auch verstehen, was Bartsch erzählt, singt er seine Texte nicht auf Englisch, sondern auf Kölsch. Warum nicht gleich auf Hochdeutsch? „Man kann auf Kölsch Sachen anders ausdrücken“, antwortet Bartsch. „Außerdem möchte ich die guten Erfahrungen, die ich mit der kölschen Sprache gemacht habe, weitergeben: Kölsch ist eine gemütliche Sprache, eine, die viele Klangfarben hat.“
Ihre ungewöhnliche Verbindung aus uramerikanischer Musik und Mundart kultivieren Für wat?! bereits seit 2010. Damals lud der als Streetworker tätige Bartsch seinen Freund und Arbeitskollegen Oliver Werner (38) ein, spontan ein gemeinsames Konzert im Lindlarer Musikpub Plectron zu geben.

Der Bassist und E-Gitarrist sagte zu, und obwohl die beiden Musiker noch nie zuvor gemeinsam gespielt hatten, „rockten wir drei Stunden lang den Abend“, so Bartsch. „Die Leute waren begeistert.“ Das Programm bestand aus umarrangierten Coversongs, zu denen Bartsch kölsche Texte verfasst hatte, und Eigenkompositionen. „Teile des Programms hatte ich früher bereits mit einer Band gespielt, aber an diesem Abend habe ich gemerkt, dass meine Musik in einer Duo-Besetzung viel authentischer rüberkommt“, schildert der Singer-Songwriter. Und das bedeutet bei Für wat?! vor allem, dass sie erdig, rau und ohne Effekthascherei zelebriert wird.
Wie das klingt, kann man hören auf der selbstbetitelten und -produzierten Debüt-CD des Duos: Fünf Songs zwischen Folk, Blues und minimalistischem Rock haben Bartsch und Werner hier verewigt, darunter „Hetz mich nit“, das an den wunderbar dreckigen Punkblues des US-amerikanischen Musikers Scott H. Biram erinnert.

Mit „Parfüm“ wiederum liefern Für wat?! staubigen und minimalistisch inszenierten Southern Rock und „Die Naach“ wartet gar auf mit psychedelischen Jangle Pop-Elementen, mit schillernden Gitarrenharmonien. Bartsch singt: „Die Naach verschleiert, die Naach deck op, schillert in alle Färve un verdrieht dir d´r Kopp. En d´r Naach kanns do ne And´re sin oder fings wirklich zo dir, oder se pack dich en wie en Spenn un injiziert ihr Begier.“
Zum Text sagt er: „In der Nacht ist man alleine mit seinen Gefühlen, da kommen Ängste hoch und man beginnt, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.“

So bodenständig die musikalische Verpackung ist, so lebensnah ist Bartschs Lyrik, die sich – oft humorvoll – „mit Problemen der Normal-Intellektuellen auseinander setzt, mit den Schattenseiten des Lebens, Widrigkeiten des Alltags. Ich will aber nicht bloß Situationen beschreiben“, sagt der Sänger, „sondern die Zuhörer zum Nachdenken anregen und ihnen, wie in meinem Job, Lösungswege anbieten.“
Bei Auftritten bieten die beiden musizierenden Jugendzentren-Leiter den Zuschauern sogar an, in den Pausen über die besungenen Probleme zu reden.

Rund 35 Songs haben Für wat?! im Gepäck, einmal im Monat treten sie auf, „am liebsten in überschaubaren Kneipen vor einem Publikum, das auch mal zuhören kann.“
In einer Kneipe in Wiehl sah es indes ganz so aus, als wolle das Publikum lieber Stress machen statt zuzuhören. „Wir waren noch am Aufbauen, da stand bereits eine grölende Horde angetrunkene Südkurvensänger vor der Bühne“, schildert Werner. „Wir dachten, die seien auf Randale aus, doch kaum hatten wir angefangen zu spielen, sind die Jungs mitgegangen und waren so begeistert, dass sie uns gar nicht gehen lassen wollten.“
Nachvollziehbar – denn Für wat?! schaffen es, ihre Vision von Blues ungeschönt, einfühlsam, mit viel Enthusiasmus und auf hohem spielerischem Niveau zu vermitteln.

Die Debüt-CD von Für wat?! ist erhältlich über die Homepage des Duos und kostet 5 Euro.
www.fuer-wat.eu

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