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Proteste in der Türkei: Entsetzen und Wut über rohe Gewalt

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Necip Çelik kann die heftige Reaktion der Regierung auf die Protestler nicht nachvollziehen. Foto: Fabian Müller
Mit roher Gewalt geht die Polizei in der Türkei gegen die friedlichen Demonstranten vor. Wie aber stehen fernab von Istanbul türkischstämmige Bewohner des Rhein-Sieg-Kreises zum aktuellen Geschehen? Wir haben uns umgehört.  Von
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Rhein-Sieg-Kreis

Tränengas und Schlagstöcke gegen friedliche Demonstranten: Bilder roher Gewalt entsetzen das westliche Europa, als die Besetzer des Gezi-Parks von einer Polizeistreitmacht aus ihrem Protestcamp getrieben wurden. Wie aber stehen fernab von Istanbul türkischstämmige Bewohner des Rhein-Sieg-Kreises zum aktuellen Geschehen am anderen Ende des Kontinents?

„Erdoğan setzt sich mit Verboten durch“, kommentiert Metin Bozkurt. „Die schränken den Alkoholkonsum massiv ein, erlauben jungen Paaren nicht, sich in der Öffentlichkeit zu küssen und greifen jetzt auch bei den Protesten durch“, sagt Bozkurt, der für die SPD im Rat der Stadt Troisdorf sitzt. Mit dem deutschen Verständnis von den Rechten eines Menschen sei das schwer vereinbar. „Mitglieder meiner Familie in der Türkei waren bei den Protesten im Gezi-Park mit dabei“, berichtet der 44-Jährige. Der Stadtrat hat Angehörige in Istanbul, Ankara und Antalya. „Erdoğan ist nie glaubwürdig gewesen, seitdem er vor elf Jahren gewählt wurde.“

Fortschritte unter der AKP-Regierung seien Augenwischerei, auch die geplanten Bauten in Istanbul Teil der Täuschung. Die Privatisierung staatlichen Besitzes der Türkei seit 2002 sei vor allem zu Gunsten ausländischer Investoren gegangen, meint Bozkurt.

Eine kontroverse Meinung vertritt der 49-jährige Necip Çelik aus Siegburg: „Meine Familie lebt in der türkischen Stadt Konga“, berichtet er. „Da wohnen zwar etwa eine Millionen Menschen, von Demonstrationen und Protest berichten meine Verwandten relativ wenig.“ Das massive Einschreiten türkischer Sicherheitskräfte am Gezi-Park kann der Inhaber des Euro-Imbiss nur sehr begrenzt nachvollziehen. „Die hätten die Demonstranten noch ein wenig da sitzen lassen können, solche Härte im Vorgehen ist eigentlich mit nichts zu rechtfertigen.“

Trotz dieser heftigen Reaktion auf die türkischen Protestler sei der politische Kurs der Regierung in Ankara in Ordnung: „Erdoğan und seine Leute haben viel richtig gemacht in den letzten Jahren, vor allem aber Arbeitsplätze geschaffen, gerade auch im Tourismus.“ Ein moderneres und besseres Stadtbild durch Neubauten in der Metropole Istanbul zu gestalten, sei da ein völlig nachvollziehbares Anliegen. Der Jurastudent Bünyamin Çelik verurteilt das Vorgehen der türkischen Staatsgewalt in einem schärferen Ton: „Es ist absolut inakzeptabel, wie dort gegen die Demonstranten eingeschritten wird, selbst Juristen und Ärzte auf der Seite der Protestler werden inhaftiert.“

Dass die Regierung nicht versuche, den Konflikt diplomatisch zu lösen, zeige die Defizite der Verantwortlichen deutlich auf. „Erdoğan ordnet da ein aggressives und fahrlässiges Vorgehen an und verstößt gegen die Menschenwürde seiner Bürger“, so der Troisdorfer. „In Deutschland versucht die Polizei ja schließlich auch, auf Demonstranten zuzugehen und die goldene Mitte zu finden.“ Generell sieht der Jurastudent auch in Erdoğans Politik Defizite, die die Protestaktionen rechtfertigen: „Der Mann ist mit einem Wahlprogramm aufgetreten, an das er sich nicht hält, er hat seine Unterstützer ganz offensichtlich getäuscht“.

Bünyamin Çelik ist sich sicher, dass die Türkei gerade nach den jüngsten Ereignissen nichts in der Europäischen Union verloren hat: „Die EU ist eine Gemeinschaft aus Rechtsstaaten, die aktuelle Situation beweist, dass die Türkei sich da nicht einreihen kann.“

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