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Rhein-Erft-Kreis: Ein Blick auf die Wirtschaft 2012

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Über die Notwendigkeit neuer Braunkohlekraftwerke – hier die neuen Blöcke in Neurath – gehen die Ansichten auseinander.  Foto: Beissel
Ein Kraftwerk wurde eingeweiht, ein Kerpener Dorf siedelte um, und bei Shell in Wesseling weitete sich eine Leck in einer Leitung zum großen Umweltskandal aus - die wirtschaftliche Ereignisse im Rhein-Erft-Kreis im Jahresrückblick.
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Ein neues Kraftwerk

Bergheim/Neurath. Die beiden Blöcke laufen schon auf vollen Touren, als die prominenten Gäste sich um einen großen grünen Knopf scharen. Der Generator eines Blocks zeigt eine Leistung von 1030 Megawatt, als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zusammen mit RWE-Chef Peter Terium, Power-Vorstand Dr. Johannes Lambertz, Umweltminister Peter Altmaier und anderen den Knopf drückt. Mehr Leistung geht nicht, aber weniger. Und darauf kommt es an diesem 15. August an. Die Inbetriebnahme der BoA-Blöcke zwei und drei soll keine Demonstration der Stärke, sondern der Flexibilität sein. Die Blöcke F und G ließen sich binnen kürzester Zeit auf 50 Prozent ihrer Leistung herunterfahren – und umgekehrt, erklärt Lambertz dem staunenden Publikum. So könne die Braunkohle bei Flaute flugs 400 Windräder ersetzen.

Flammschutz
Möbelhaus
Bäckerei wächst
Anlage im Bau
Das Unternehmen Clariant hat seine Kapazität für umweltverträgliche Flammschutzmittel verdoppelt.
Foto: Clariant

Hürth. 1,7 Milliarden Euro sind in den vergangenen zwölf Jahren in den Chemiepark in Knapsack investiert worden, zieht Chemiepark- Geschäftsführer Helmut Weihers Bilanz. Flammschutzmittelhersteller Clariant zieht 2012 mit einer neuen Anlage und einer zweistelligen Millionen-Investition nach. Ein Pulver, das Feuer verhindert, wird Computern, Handys und Steckern beigemischt. Ansonsten wird es im Chemiepark allmählich eng: nur noch 15 Hektar – etwa 30 Fußballfelder – sind noch bebaubar.

Moderner Brandschutz aus Knapsack
Luftbild Pulheim

Pulheim. Die Stadt Pulheim verfolgt ihr Ziel, das Möbelhaus Segmüller mit 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche am Schwefelberg anzusiedeln, konsequent weiter. Die wichtigsten Planungsschritte sind gemacht, nun ist es Sache der Bezirksregierung, den geänderten Flächennutzungsplan zu genehmigen. Drei Monate hat die Behörde dafür Zeit. Nachbarstädte wie etwa Bergheim, aber auch die Grünen und die SPD in Pulheim sehen die geplanten 4500 Quadratmeter Randsortiment sehr kritisch.

Breite Zustimmung für Möbelhaus
Bäckerei
Foto: Vlaminck

Bergheim. 37 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, als die Glockenbrot-Bäckerei, eine 100-prozentige Rewe-Tochter, Ende August ihren Produktionsstandort an der Walter-Gropius-Straße in Bergheim schließt. „Die Marktdurchdringung“ sei nicht so wie geplant gelungen, begründet ein Sprecher das Ende. Die gute Nachricht: Die Elsdorfer Bäckerei Schneider übernimmt im Herbst die Bergheimer Produktionsstätte, einen Großteil der Filialen und der Mitarbeiter von Glockenbrot.

Schneider kauft Glockenbrot
Die TDI-Anlage ist die aktuell größte Neuansiedlung im Chempark.
Foto: Privat

Dormagen. Der Bau der TDI-Anlage im Dormagener Chempark beginnt im März. Bayer Material Science baut die Anlage, in der Toluol-Diisocyanat für Kunststoffweichschaum hergestellt wird, und investiert rund 150 Millionen. Der Chempark investiert 40 Millionen, um die Anlage in die Infrastruktur zu integrieren. Die TDI-Anlage ist die aktuell größte Neuansiedlung im Chempark. Durch neuartige Technik spart sie gegenüber älteren Anlagen 60 Prozent Energie. Bis 2014 soll alles fertig sein. 

Neue Anlage für 150 Millionen Euro

Die Vorführung jedenfalls gelingt. Die Einweihung wird für RWE Power ein Doppelerfolg. Denn Hannelore Kraft fordert die Firmenchefs auf, weitere moderne Blöcke zu errichten und gesteht der Braunkohle eine wichtige Rolle zu. Nicht nur für das Industrieland NRW, sondern auch und gerade für die Energiewende. Im Sommer 2006 hatte RWE damit begonnen, das 2000-MW-Kraftwerk mit optimierter Anlagentechnik aus dem Neurather Acker zu stampfen. Bis zu 3000 Menschen waren täglich an der Baustelle beschäftigt. Mindestens vier starben bei Arbeitsunfällen. 380 000 Tonnen Beton wurden gegossen, 60 000 Tonnen Baustahl verarbeitet. Als die Besucher das Kraftwerk einweihen, hat es in der Phase der Inbetriebnahme bereits neun Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. (nk)

Umsiedlung kostet rund 150 Millionen Euro

Kerpen-Manheim-neu hat jetzt ein Ortsschild.
Kerpen-Manheim-neu hat jetzt ein Ortsschild.
Foto: Ralph Jansen

Manheim-neu. Mit einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro ist die Umsiedlung von Manheim ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kerpen und Umgebung. Zahlreiche Handwerksbetriebe und Baufirmen können sich so über neue Aufträge freuen: Im April 2012 ist die Umsiedlung offiziell gestartet worden. Schon vorher war mit der Erschließung des Umsiedlungsstandortes – also etwa der Anbindung ans Straßen- und Kanalnetz – begonnen worden. Zwei Kreisel – einer im Bereich von Bergerhausen, einer an der K 17 – wurden dafür gebaut. Geplant ist noch eine Verbindungsstraße zwischen Bergerhausen und Dorsfeld.

Rund ein Dutzend Häuser sind in Manheim-neu in Bau oder schon fertiggestellt. Das erste ist Ende November bezogen worden. Die rund 1700 Manheimer Bürger müssen dem Tagebau Hambach bis 2022 weichen. Rund 80 Prozent wollen sich an einer gemeinsamen Umsiedlung beteiligen. Für sie wurde zwischen Blatzheim und Kerpen ein rund 69 Hektar großer Umsiedlungsstandort ausgewiesen, der von dem Unternehmen Strabag im Auftrag von RWE Power erschlossen wurde.

Sany
Phantasialand
DPD in Erftstadt
Jecker Laden
Anfang November haben die Arbeiten  für eine weitere 1920 Quadratmeter große Halle begonnen.
Foto: Markus Clemens

Bedburg. Ende Januar wird bekannt, dass der in Bedburg ansässige chinesische Baumaschinenhersteller Sany die baden-württembergische Firma Putzmeister übernimmt. Mit dieser Entscheidung wächst die Sorge in Bedburg um die Zukunft der Arbeitsplätze. Im Juni wird aus der Ahnung Gewissheit: 33 Sany-Mitarbeitern sei betriebsbedingt und fristgerecht gekündigt worden, teilt Sprecherin Christiane Linkenbach mit.
Ursprünglich sollten in Bedburg Betonpumpen-Fahrzeuge und Betonmischer produziert werden. Das geschieht nun allerdings in Baden-Württemberg. Und so sank die Zahl der Mitarbeiter weiter: von 280 auf jetzt 150. Mit dem Bau von Baggern, Hafenmaschinen und Raupenkränen könnte es 2013 mit der Zahl der Jobs aber wieder nach oben gehen. (us)

Große Kräne und Bagger
So soll das Brühler Phantasialand erweitert werden.
Foto: Böhne (Grafik)

Brühl. Im Verfahren um die Erweiterung des Phantasialandes ist in diesem Jahr ein Durchbruch erzielt worden. Der Regionalrat stimmt im Dezember mit breiter Mehrheit dem Vorschlag der Bezirksregierung zu, der eine Erweiterung um etwa vier Hektar nach Osten und um rund 15 Hektar nach Westen vorsieht. Die ursprünglich in einem zweiten Schritt geplante rund zehn Hektar große Fläche im Landschaftsschutzgebiet wird aus der Planung herausgenommen. Diesen Vorschlag hatte das Phantasialand im Juni akzeptiert. Zuvor hatte der Park immer darauf beharrt, dass er nur mit einer um 30 Hektar größeren Fläche zukunftsfähig sei. Auf dem Areal sollen im Westen unter anderem ein Erlebnisbereich mit Wasser-, Sport- und Wellnessangeboten sowie neue Hotels entstehen. Im Osten sind Läden, Lagerhäuser, Wohnungen und eine Kindertagesstätte für Mitarbeiterkinder vorgesehen. (ari)

Weg frei für die Erweiterung
Bis zu 18.000 Pakete können auf den Laufbändern transportiert werden.
Foto: Havlicek

Erftstadt. Vor wenigen Tagen hat das Logistikzentrum von DPD den Betrieb im Erftstädter Wirtschaftspark aufgenommen. DPD gibt gleichzeitig seinen Sitz an der Europaallee in Frechen auf. 42 Millionen Euro investierte das Unternehmen am Ortsrand von Lechenich. Testabläufe der Sortieranlage wurden absolviert und auch Fahrzeuge rund um den Neubau gezählt – als Vergleichsbasis für eine weitere Zählung, wenn später die vielen Kleinlastwagen von DPD in Erftstadt unterwegs sein werden.

DPD nahm in Erftstadt Betrieb auf
Tausende Jecken stürmten das Karnevalskaufhaus.
Foto: Christina Hustedt

Frechen. Riesengroß ist der Andrang, als der Anbieter von Karnevalsartikeln, Deiters, Mitte Oktober sein Geschäft auf dem Frechener Exponata-Gelände eröffnet. 5000 bis 6000 Jecken stürmen das neue Karnevalskaufhaus, nachdem das Band aus Clownsnasen durchschnitten ist. Fast zehn Minuten vergehen, bis alle Besucher es in das Kostüm-Paradies geschafft haben. Deiters ist aus dem benachbarten Köln-Marsdorf nach Frechen gezogen. Dort war es dem Unternehmen zu klein geworden.

Massenansturm am Karnevalskaufhaus

See mit Kerosin in Wesseling


Wesseling. Am letzten Samstag im Februar 2012 stellt ein Mitarbeiter der Shell-Rheinland-Raffinerie fest, dass mit dem Füllstand in einem Tank für Kerosin im Wesselinger Werk etwas nicht stimmt. Bei der drei Tage dauernden Prüfung der Unregelmäßigkeit wird ein 63 Quadratmillimeter großes Loch in der Verbindungsleitung gefunden. Korrosion durch Wechselwirkung mit dem Schutzsystem einer querenden Wasserleitung wird als Ursache ausgemacht. An der Waldstraße sind über einen Zeitraum von vier Wochen eine Million Liter Kerosin ins Erdreich gelaufen. Auf 120 Quadratmetern ist es durch die Erde bis in sieben Meter Tiefe vorgedrungen. Dort hat das Kerosin einen See gebildet, in der Fachsprache Phase genannt.

Der Stoff schwimmt auf dem Grundwasser und breitet sich immer weiter darauf aus. Im November ist die Phase eingegrenzt: 42 000 Quadratmeter, also sechs Fußballfelder, ist sie groß. Die Ausdehnung misst an ihrer längsten Stelle 284 Meter. Mit der Bezirksregierung Köln einigt sich die Firma Shell auf ein Sanierungskonzept. Im Juli geht der erste Sanierungsbrunnen, der das Kerosin aus dem Boden pumpt, in Betrieb, kurz vor Weihnachten folgt der zweite. Bislang konnten rund 100 000 Liter Kerosin abgepumpt werden. Der Kerosin-See löst zusammen eine landesweite Debatte über den Zustand der Leitungen in der Industrie aus. Auch der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel kritisiert Alter und Qualität des Pipeline-Systems. Der Bund für Umwelt und Naturschutz schlägt ebenfalls Alarm: Der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sei nicht streng genug geregelt, außerdem solle das zulässige Höchstalter der Verbindungsleitungen beschränkt werden. Die defekte Leitung stammt aus dem Jahr 1942. (kbl)

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