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Sexismus-Debatte: Qualifikation wichtiger als Rocklänge

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Gabriele Molitor, FDP-Bundestagsabgeordnete.  Foto: Privat
FDP-Politiker Rainer Brüderle ist von einer Journalistin des Magazins "Stern" Sexismus vorgeworfen worden. Drei Politikerinnen aus der Region nehmen Stellung zur aktuellen Debatte um Rollenzuweisungen und Altherrencharme.  Von
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Kreis Euskirchen

Die Sexismus-Vorwürfe einer Journalistin des Magazins „Stern“ gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle bestimmen derzeit deutschlandweit die Schlagzeilen. Zu diesem Thema holte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ nun auch ein Stimmungsbild von drei Politikerinnen aus der Region ein.

Gabriele Molitor, FDP-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 93 Euskirchen-Erft II, erklärte zu den Vorwürfen gegen ihren Parteikollegen: „Diese Geschichte verändert den Umgang zwischen Politikern und Journalisten. Ich frage mich, ob ich künftig noch Vier-Augen-Gespräche mit Medienvertretern führen soll.“ Zudem denke sie darüber nach, ob die Redaktionen Dossiers über jeden Politiker anfertigen lassen, so die Liberale.

„Niveaulos“

Dr. Sabine Dirhold ist Mitglied der Euskirchener CDU-Kreistagsfraktion, Vorsitzende der Frauen- Union im Kreis Euskirchen sowie Mitglied im Landes- und Bundesvorstand der christdemokratischen Frauen. „Ziemlich stil- und niveaulos“, so lautete ihr erster Gedanke, als sie von der im „Stern“ zitierten Äußerung Rainer Brüderles über das Dekolleté der Journalistin erfuhr. „Von Menschen in solch exponierten Positionen sollte man anderes erwarten dürfen – wenn es denn so stimmt“, erklärte Dirhold im Gespräch mit dem „Stadt-Anzeiger“.

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Dr. Sabine Dirhold
Dr. Sabine Dirhold (CDU): „Ziemlich stil- und niveaulos“.
Foto: Privat

Fataler als solche Äußerungen seien für die Frauen aber überkommene Rollenbilder, wie sie etwa in der Werbung immer noch transportiert würden. Dirhold: „Früher sah man darin die Frau im Kittel am Herd stehen, heute trägt sie einen Businessanzug und gilt als Familienmanagerin.“ Derartige Rollenzuweisungen bereiteten den Frauen mehr Probleme als plumpe Anmache, ist sich die Diplom-Psychologin Dirhold sicher.

„Das ist kein Problem allein der FDP oder anderer Parteien, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema“, merkte auch Nathalie Konias an, eine der beiden Sprecherinnen von Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Euskirchen. Demnach gehe es gar nicht zuvorderst um eine Kampagne gegen Rainer Brüderle, sondern um ein Phänomen, mit dem wohl jede Frau schon ihre Erfahrungen gemacht hat. Konias: „Ich selbst habe in meinem Leben schon so manchen Spruch zu hören bekommen.“

Nathalie Konias
Nathalie Konias (Grüne)
Foto: Privat

Kein Altherrencharme

Man habe es hier, so Konias weiter, mit einer „grundsätzlichen Achtungslosigkeit“ Frauen gegenüber zu tun. Wenn hoch qualifizierte Frauen auf ihr Äußeres reduziert werden, dürfe man das nicht als Altherrencharme oder anderweitig als Lappalie abtun. Konias: „Auch wenn ich als Frau auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen und im Rock an einer Ratssitzung teilnehme, möchte ich an der Qualität meiner Arbeit und an meinen Aussagen gemessen werden. Denn Qualifikation ist keine Frage der Rocklänge.“

Rainer Brüderle, so meint die Grüne, habe als Spitzenpolitiker auch in der weniger formellen Atmosphäre einer Bar darauf zu achten, was er sage und wie er sich gebe. Frauen, die eine scharfe Grenze zögen und sich klar gegen irgendwelche Anzüglichkeiten oder gar Zudringlichkeiten verwahrten, würden indessen häufig als „Hysterikerinnen“ oder „Spaßbremsen“ diffamiert. Wer so vorgehe, sei gedanklich „noch im Neandertal und nicht im Jahr 2013 angekommen“, so Konias.

Dass der „Stern“ erst nach einem Jahr über den Vorfall berichtet, hält die Lokalpolitikerin aus Kommern im Übrigen für „einen intelligent gesetzten Zeitpunkt“. Denn nur in Verbindung mit dem momentanen parteipolitischen Rummel um die FDP und deren Führungskräfte sei es möglich gewesen, das ansonsten unliebsame Thema Sexismus in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.

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