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Unwetter in Rhein-Berg: Jeder ist auf sich gestellt

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Foto: Uta Broeker
Seit dem Unwetter in der vergangenen Woche wird in Rhein-Berg heiß diskutiert: Gab es Fehlplanungen oder Versäumnisse der Stadt? Der "Kölner Stadt-Anzeiger" beantwortet an dieser Stelle die wichtigsten Fragen zum Hochwasser.
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Rhein-Berg

Nach dem Starkregen und den Überflutungen der vorigen Woche geht es in Bergisch Gladbach hoch her. Die Diskussionen drehen sich um mögliche Versäumnisse und Fehlplanungen der Stadt Bergisch Gladbach, um Regressansprüche und um die Zukunft des extrem teuren Hochwasserschutzes.

Wer hat denn nun recht? Und wie geht es weiter? Schwierig, schwierig. Aber erst einmal ein Wort zum Hochwasserschutz im Allgemeinen: Wenn die Sonne scheint und die Bäche romantisch plätschern, will niemand etwas vom Hochwasserschutz hören – und erst recht kein Geld dafür ausgeben. Ist aber der Keller voll gelaufen, haben die Planer alles, aber auch alles falsch gemacht. Die Planer des Hochwasserschutzes sind eigentlich immer in der Defensive, und im Augenblick liegen die Nerven bei ihnen besonders blank.

Aber die Geschädigten wollen doch nun Antworten auf ihre Frage zur Verantwortung und zur Zukunft. Letztlich werden Gutachter und Gerichte die Folgen des Starkregens bewerten. Aber es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Hunderte Keller vollgelaufen sind, Geschäfte und Firmengelände überschwemmt wurden. Tatsächlich waren zentrale Rechen in der Innenstadt verstopft und genügend städtische Einsatzkräfte mit schwerem Gerät kamen erst, als die Odenthaler Straße schon überflutet war. An der Buchmühle versanken Geschäfte, weil die Zuläufe zu den rettenden Pumpen verstopft waren. An der unteren Hauptstraße führte eine neu gebaute Kanalzuführung von dem ebenfalls neuen Regenrückhaltebecken zu einem Rückstau von Oberflächenwasser. In Refrath machte ein Bach Probleme, der auf keiner Karte als hochwassergefährdet eingezeichnet ist.

Also sind viele Schäden hausgemacht?

Vorsicht. Die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Lutz Urbach argumentiert mit der Wassermenge. Ein „Jahrhundertregen“ sei auf die Stadt niedergegangen. Am Hebborner Hof wurde eine Regenmenge von 50,7 Litern pro Quadratmeter in 45 Minuten gemessen. Statistisch passiere das nur alle 100 Jahre. Bei so einem Jahrhundertregen könne es nun einmal keinen 100-prozentigen Schutz geben.

Also hat die Stadt im Wesentlichen alles richtig gemacht, obwohl es so viele Geschädigte gibt?

Jedenfalls sagt das der Bürgermeister. Intern hört sich das nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ aber auch anders an. Da wird schon danach gefragt, ob zum Beispiel der Rechen an der Odenthaler Straße nicht optimiert werden kann. Auch die Lenkung der Einsatzkräfte ist ein Thema. Aber öffentlich wird allein die Regenstärke als Ursache genannt. Und das sei eben „höhere Gewalt“.

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Wird da vielleicht auch die Verantwortung weg gedrückt, um nicht für die Schäden haftbar gemacht zu werden?

Sagen wir mal so: Ein Bürgermeister, der zum Beispiel erklärt, dass vieles verhindert worden wäre, wenn die Rechen beizeiten sauber gehalten worden wären, hätte sicher bald Post von den Versicherungen der Geschädigten. Es bleibt all jenen, die von Fehlern und Fehlplanungen sprechen, nichts anderes übrig, als den Beweis dafür zu führen, und das ist nur über Gutachten und Gerichte möglich.

Was ist denn beim nächsten Starkregen?

Vor dem haben viele Menschen richtig Angst. Die Stadt arbeitet an einem Hochwasserschutz, der viele Millionen Euro kostet. Rohre mit größeren Durchmessern sollen mehr Wasser aufnehmen, und weitere Rückhaltebecken sind in Planung. All dies wird aber erst in Jahren fertiggestellt sein. Ob dann wirklich die Keller sicher sind, bleibt dahingestellt. Die Angst wird also bleiben. Jeder Immobilienbesitzer wird sich überlegen müssen, was er selbst tun kann.

Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer?

Darüber wird in der ganzen Diskussion um den Hochwasserschutz viel zu wenig gesprochen. Etliche Familien kämpfen derzeit mit den Folgen der Überschwemmung. Manche mussten ihre Wohnung verlassen, viele müssen ohne Strom auskommen, alle haben materielle Schäden. Eine zentrale Anlaufstelle gibt es nicht. Da ist jeder auf sich gestellt.

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