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Vergewaltigungsopfer: "Wir helfen, dafür sind wir doch da"

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Im Rhein-Sieg-Kreis werden Vergewaltigungsopfer nicht abgewiesen. Foto: dpa
Anders als manche Krankenhäuser in Köln behandeln Kliniken im Kreis mit christlicher Trägerschaft Opfer von Vergewaltigungen. Untersuchung und Beweissicherung sind selbstverständlich, die Pille danach aber nicht überall.  Von
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Rhein-Sieg-Kreis

Vergewaltigungsopfer müssen im Rhein-Sieg-Kreis – anders als es offenbar in Köln zuweilen der Fall ist – keine Angst haben, von Krankenhäusern abgewiesen zu werden. Dies ergibt eine Umfrage des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ unter den Kliniken im Kreis.

Am Donnerstag hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ über den Fall einer jungen Frau berichtet, die von zwei Häusern in katholischer Trägerschaft abgewiesen worden war. Sie vermutete, unter dem Einfluss so genannter K.O.-Tropfen Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Das aber hätte die Ärzte dieser Kliniken in den Gewissenskonflikt gebracht, dass sie über die „Pille danach“ als mögliches Mittel zum Schwangerschaftsabbruch hätten aufklären müssen. Wie die Krankenhäuser erklärten, sei die Ablehnung solcher Patientinnen daher eine generelle Maßgabe des Erzbistums.

Die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis verweist Vergewaltigungsopfer und Leidtragende anderer Gewalttaten zur medizinischen Versorgung und vor allem zur Sicherung von Beweismaterial stets an das Helios-Klinikum in Siegburg. Auf Anfrage des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ erklärte Sprecherin Renate Braun: „Dort ist man auf die Opfer von Straftaten eingerichtet und verfügt über alle nötigen Fachkräfte und über das Material zur Beweissicherung.“

Obschon also die Siegburger Klinik Hauptanlaufstelle für Verbrechensopfer ist, kümmern sich natürlich auch das St.-Josef-Hospital in Troisdorf und das St.-Johannes-Krankenhaus in Sieglar um Betroffene – auch und vor allem Frauen, die vergewaltigt wurden. Dies stellte Verwaltungsdirektor Karl Geßmann klar.

Beide Häuser betreibt die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) – ein christlicher Träger also. Geßmann führte aus: „Wir haben eine klare Absprache zwischen Träger und Gynäkologen, die besagt, dass Betroffenen bei uns selbstverständlich geholfen wird.“ Das Thema habe die Mediziner bereits vor geraumer Zeit beschäftigt, berichtet er: „Wir haben die Frage in unserer Ethik-Kommission intensiv diskutiert und uns ganz bewusst damit auseinandergesetzt, was wir in solchen Fällen tun.“ Ergebnis: Vergewaltigungsopfer werden untersucht und ausgiebig beraten. Zudem werden sie „mit allem, was dazu gehört“ medizinisch versorgt – auch mit der „Pille danach“, wenn es sein muss.

Christliches Leitbild – das bedeutet für die Krankenhäuser in Troisdorf, dass sie Maßnahmen zum Schwangerschaftsabbruch zwar nicht regelhaft vornehmen, „aber in derartigen Notfällen sind wir für die Frauen da. Das ist doch selbstverständlich“, bekräftigt Geßmann. Nicht zuletzt, so der Verwaltungsdirektor, gehe es auch darum, Vorsorge für das eigene Personal zu treffen: „Wir haben ja einen gynäkologischen Notfalldienst. Wir könnten doch junge Assistenzärzte nicht mit so einer Entscheidung im Regen stehen lassen. Nein, nein, das ist bei uns klar geregelt.“

Doch was ist mit der Versorgung im ländlichen Raum? Auch im östlichen Teil des Kreises finden Betroffene eine Anlaufstelle: Beim Anruf im Eitorfer Franziskuskrankenhaus dringt bei der Anfrage des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ ebenso entrüstetes Schnaufen aus dem Hörer wie in Troisdorf. „Wir schicken niemanden weg“, betont Dr. Peter Dreßen, der ärztliche Direktor. „Wir würden alles daran setzen, dass der Frau auch geholfen wird.“

Untersuchung und Behandlung, wie auch eine Beweissicherung bei Straftaten übernehme die Krankenhaus selbstverständlich. Die Einrichtung mit 118 Betten wird seit 2012 von der weltlichen Deutsche Klinik Union (DKU) geleitet. Bei der Übernahme des Betriebs von einem kirchlichen Träger sei der christliche Leitgedanke erhalten geblieben, erklärt Geschäftsführerin Marlies Gabriel. Dass eben dieser für manches Hospital zur bitteren Gewissensfrage wird, versteht sie. Sie erklärt die Lösung, die Eitorf für sich gefunden hat: „Wir verfolgen christliche Grundwerte. Wir führen deshalb selbst keine Maßnahmen zum Schwangerschaftsabbruch aus, keine Pille danach und keine Abtreibungen.“

Für Frauen in Not wolle man sich dennoch so weit wie nur irgend möglich einsetzen: Das Haus stelle deshalb alle nötigen Kontakte zu entsprechenden Ärzten her und organisiere für die Patientinnen auch die rasche und vollständige Überweisung, also Transport, Unterlagen und alles andere, erklärt Gabriel. „Wir schicken die Leute nicht einfach dorthin. Wir helfen, so gut wir nur können. Dafür sind wir doch da.“

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