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Weichenstellung: Zentrum und Kristallisationspunkt

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Die beiden Untergeschosse des Gebäudes quer im Bild sollen die NS-Ausstellung in Vogelsang aufnehmen. Im Obergeschoss ist die neue Gastronomie vorgesehen.  Foto: Franz-Albert Heinen
Die Ausstellung zur nationalsozialistischen Geschichte der Ordensburg, die sich in insgesamt elf Themenfelder aufteilt, soll auch den Blick auf den Einsatz der Ordensjunker im Ostministerium und in Polen werfen.  Von
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Kreis Euskirchen/Vogelsang

Die Geheimniskrämerei um die geplante Ausstellung zur nationalsozialistischen Geschichte der Ordensburg Vogelsang hat ein Ende. Gestern am frühen Abend präsentierte die Trägergesellschaft „Vogelsang ip“ (Vip) ihr Ausstellungskonzept, nachdem der Aufsichtsrat die Planung abgesegnet hatte. Der Ausstellung wird insofern besondere Bedeutung beigemessen, als sie laut Vip „inhaltliches Zentrum und Kristallisationspunkt der politischen und kulturellen Bildungsarbeit am Erinnerungsort Vogelsang“ sein soll.

Die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitete ein Team um die Professoren Edgar Wolfrum, Frank Engehausen und Cord Arendes von der Universität Heidelberg. Ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Projektbeirat unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer begleitete das Vorhaben. Aufgabe der Ausstellungsteams von „graphische werkstätten feldstraße“ (Hamburg) und dem „Studio Kaiser Matthies“ (Berlin) war die Umwandlung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in ein konkretes Ausstellungskonzept. Für Vip, deren Mehrheitsgesellschafter der Landschaftsverband ist, kuratierten Klaus Ring und Julia Schmidt das Projekt.

Diskussionsstoff

Das gestern der Presse vorgestellte Konzept überraschte mit dem Ausstellungstitel „Bestimmung: Herrenmensch.“ Diese Entscheidung dürfte in Fachkreisen für einige Diskussionen sorgen. Abgesehen davon, dass der Titel sprachlich etwas sperrig erscheint.

Untergeschoss
Im Untergeschoss geht eine Ausstellungsfläche von rund 100 Quadratmetern verloren. Dort sollen Sonderausstellungen stattfinden.
Foto:  graphische Werkstätten Feldstrasse/Studio Kaiser Matthies

Die nächste Überraschung folgt beim Blick auf die eigentliche Ausstellung. Sie soll in den beiden Untergeschossen der ehemaligen Wandelhalle präsentiert werden. An Ausstellungsfläche stehen 800 Quadratmeter zur Verfügung. Davon gehen allerdings 100 Quadratmeter für einen Raum für Sonderausstellungen ab. Somit wird die NS-Dokumentation 700 Quadratmeter klein.

Das verlockt zum Größenvergleich: Die unmittelbar benachbarte Nationalparkausstellung im Ostflügel Vogelsangs wird laut Nationalparkchef Henning Walter über 2000 Quadratmeter Fläche verfügen. Interessant auch der Vergleich zu benachbarten NS-Dokumentationen in der Region. Die Einrichtung der Stadt Köln eröffnete am vergangenen Sonntag eine Erweiterungsfläche von 955 Quadratmetern, zusätzlich zur bereits vorhandenen großen Ausstellung.

Die Vogelsanger „Ausstellungserzählung“ geht vom Ort Vogelsang aus und beschreibt am Beispiel der Ordensburgen Formierungsprinzipien und die Selbstanpassung von Parteikadern im Nationalsozialismus. Auch die Architektur und deren inszenierter Charakter werden beleuchtet. Dem Versuch bei den Vogelsanger Lehrgängen, willige Funktionäre mittels Indoktrination und Erziehung zur Gewaltbereitschaft zu formen, soll die Ausstellung die mentale Prägung der Lehrgangsteilnehmer an den Burgen und ihre Erwartungen gegenüberstellen.

Die Lehrgangsteilnehmer, so soll es die Ausstellung zeigen, seien dazu bestimmt gewesen, „zukünftige »Herrenmenschen« im Sinne der NS-Weltanschauung zu werden“. Diese „Bestimmung“ habe die derart Indoktrinierten beeinflusst „bis hin zur aktiven Beteiligung von Ordensburgangehörigen an Massenmord und Holocaust während des Zweiten Weltkrieges“.

Planmäßige Ausplünderung

Daher soll die Ausstellung, die sich in insgesamt elf Themenfelder aufteilt, auch den Blick auf den Einsatz der Ordensjunker als Funktionäre in Alfred Rosenbergs Ostministerium und in Polen werfen. Ihr Einsatz bedeutete für die Menschen der besetzten Länder die planmäßige agrarische und industrielle Ausplünderung, die Rekrutierung ganzer Heere von Zwangsarbeitern und schließlich in etlichen Fällen die Verstrickung in die Ermordung der jüdischen Bevölkerung des Ostens. Die Ausstellung schließt mit einem Überblick über das weitere Schicksal der ehemaligen NS-Ordensburgen und ihrer Mannschaften nach 1945.

Einige Überschriften einzelner Kapitel irritieren auf Anhieb. So etwa im Sektor 6: „Marschieren und Studieren“. Mit dem „Studieren“ war es an den Burgen jedoch nicht weit her, wie in den letzten Jahren mehr als deutlich geworden ist. Ähnliche Fragezeichen löst Kapitel 5 aus: „Leistungswille und Versagensängste.“ Dabei wäre ja wohl darzulegen, was konkret die Lehrgangsteilnehmer für den Fall des „Versagens“ zu befürchten gehabt hätten.

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