Aus der Nachbarschaft
Nachrichten aus Heimbach, Obere Kyll, Hillesheim und vom Nürburgring

Vorlesen
0 Kommentare

Lesung: Chris Howland in Plauderlaune

Erstellt
Mit unverwechselbarem Charme und Akzent las Chris Howland aus seiner Biografie "Yes, Sir" im Kleinen Landcafé in Kerpen/Eifel. Foto: Gudrun Klinkhammer
Radiomoderator Chris Howland hat im Kleinen Landcafé in Kerpen vor einem begeisterten Publikum aus seiner Biografie „Yes, Sir“ vorgelesen. Dabei traf er unter den Zuschauern auch Bekannte aus früheren Zeiten.  Von
Drucken per Mail
Kerpen/Eifel

In der ersten Reihe im Kleinen Landcafé saßen am Mittwochabend Helga und Hermann-Josef Salz aus Jünkerath. Die beiden hatten ein Fotoalbum vor sich auf dem Tisch liegen und freuten sich riesig, Chris Howland, den sie seit 59 Jahren nicht mehr gesehen hatten, wieder live erleben zu dürfen.

Vor sechs Jahrzehnten gehörte der beliebte Entertainer zu ihrem Bekanntenkreis. Eine Freundin des Paares hatte den Kontakt hergestellt.

Hörfunkgeschichte geschrieben

Der bekannte Entertainer konzentrierte sich an seinem Leseabend in Kerpen jedoch ganz auf die Arbeit, wurde er doch gleichzeitig von einem WDR-Team für eine Fernsehsendung aufgenommen. Der Radiostar freute sich zwar über die Anwesenheit der Bekannten aus früherer Zeit, verabredete jedoch mit Helga und Hermann-Josef Salz einen separaten Termin, an dem sie über die alten Zeiten intensiv plaudern konnten.

Radiolegende Chris Howland schrieb Hörfunkgeschichte. Der Engländer mit dem unverwechselbaren Charme war am Mittwoch- und Donnerstagabend im Kleinen Landcafé in Kerpen/Eifel zu Gast und plauderte live und locker aus seiner Biographie „Yes, Sir“. Begeistert lauschten ihm die Zuhörer in der urigen, ausverkauften Lokalität, die von Thea Greif geführt wird. Immer wieder brandete Applaus auf.

Begleitet von „seiner“ Erkennungsmusik „Melody fair“ betrat er die kleine Kerpener Bühne. Ursprünglich wollte der gebürtige Engländer Tierarzt werden. Ein anderer Beruf war ihm jedoch in die Wiege gelegt worden. Sein Vater Alan leitete eine erfolgreiche Kinderfunkredaktion bei der BBC, seine Großmutter war eine der ersten englischen Rundfunksprecherinnen überhaupt. Die Mutter arbeitete als Fotografin. Als Kind vom Land wird Chris Howland zunächst zum Imker ausgebildet. Sein Wunsch, Tierarzt zu werden, scheiterte am Zweiten Weltkrieg.
Trotz seiner „Plattfüße“, wie er erzählt, kommt er zum Militär.

„Ich präsentierte den Deutschen verrückte Minuten mit Musik, Explosionen und galoppierenden Pferden“
Chris Howland

Er wird „Tschokai“ (also DJ) beim Soldatensender „British Forces Network“ (BFN). Sein Lampenfieber ist enorm und spielt ihm gerade zu Beginn seiner Moderatorenkarriere so manchen Streich. Statt der Zeile „Es ist jetzt vier Uhr“ rutscht ihm vor lauter Aufregung beispielsweise die Zeile „Es ist jetzt drei Uhr“ heraus, was dem Regisseur der Sendung die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Moderator Chris Howland begeistert Publikum

Doch Chris Howland spürt, was ankommt, und die Leute beginnen, seine stottrige Art und seine Lautspielereien zu lieben. Ein Wunschkonzert, das BFN ausstrahlt, zählt pro Woche 30 Millionen Zuhörer. Sein Name wird nicht nur in England schnell ein Begriff. Der NWDR in Hamburg wirbt den Radiosprecher ab. Howland sorgt dort für Erstaunen, zudem polarisiert er die Verantwortlichen.

Er verlangt etwa gleich mehrere Plattenspieler, die er um sich herum aufbaut. Zudem bittet er zwei weitere Kollegen, ihm bei der „Tschokai“-Tätigkeit zu helfen.
Howland: „Ich wollte viele eigentlich sinnlose Geräuscheffekte einsetzen, etwa Vogelgezwitscher, Polizeisirenen und Türenknarren. Ich präsentierte den Deutschen verrückte Minuten mit Musik, Explosionen und galoppierende Pferde.“ Der Ausländer „mit der Kartoffel im Mund“ landete einen Volltreffer nach dem anderen.

Howland: „Meine beiden Kollegen und ich hatten eine Menge Spaß. Und nach der ersten Sendung wollten einige Leute einen Blick auf uns Wahnsinnige werfen.“ Doch als gleich drei Personen die Sendezentrale verließen, war die Irritation bei den Schaulustigen groß. Howland: „Das ist das Gute am Radio: Niemand weiß, wie man aussiehst.“

Fanpost kam per Lastwagen

Einer seiner Vorgesetzten, Henri Renier, konnte mit dem akustischen Chaos angeblich überhaupt nichts anfangen. Renier fragte den jungen Engländer: „Was soll das Pferd? Wozu hast Du die Witze gemacht?“

Die Fanpost für Chris Howland kam zu diesem Zeitpunkt mit ein bis zwei Lastwagen beim Radiosender an. Angeblich gab es auch einen Korb mit Briefen von verärgerten Hörern. Wegen dieser angeblichen Kritiken wurde Chris Howland von seinem Vorgesetzten vor die Türe gesetzt. Die Briefe der Kritiker erhielt der beliebte Entertainer nie zu Gesicht, stattdessen übernahm der Vorgesetzte die beliebte Sendung und versuchte sich ergebnislos daran.

Chris Howland wanderte weiter, lange zu suchen brauchte er nicht. In einer seiner Sendungen gab er sich spontan den Spitznamen „Heinrich Pumpernickel“, der später als „Mr. Pumpernickel“ an ihm haften blieb.

Auch mit 84 Jahren geht er heute noch regelmäßig auf Sendung, plaudert im WDR 4 jeden Dienstag von 20.05 bis 21 Uhr mit ungebrochenem Spaß und sehr zur Freude seiner Fans in „Spielereien mit Schallplatten“.

Auch interessant
Abenteuer Haus
Serie
Haus Schröder

In unserer Serie "Abenteuer Haus - Freude, Frust, Skurriles" stellen wir interessante Häuser und deren Besitzer vor.

Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

FACEBOOK
Serie

Die Lokalredaktion besucht kleine Dörfer und Weiler und schaut, warum diese Ortschaften so l(i)ebenswert sind.

Meinungen
Kommentare

Die Redakteure und Mitarbeiter der Lokalredaktion äußern ihre persönliche Meinung zu Ereignissen im Kreis.

Kleinanzeigen