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Verkehr: Man kann nichts wegzaubern

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Wolfram Erber wohnt in direkter Nähe zur Nöthener Straße und ist hinsichtlich der zukünftigen Verkehrsbelastung besorgt.  Foto: Michael Greuel
Stadtplaner Peter Sienko präsentierte sein Infrastruktur-Konzept am Donnerstag in einer Bürgerversammlung. Debattiert wurde über die Auswirkungen des City Outlet, über Parkhäuser und mögliche Shuttle-Busse.  Von
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Am Dienstag wurden die Politiker informiert, am Donnerstagabend stellte Ingenieur Peter Sienko vom Leverkusener Planungsbüro Isaplan das neue Verkehrskonzept in einer Bürgerversammlung erneut vor. Das Interesse an der Präsentation war groß, die 150 Stühle, die in der Konviktkapelle aufgestellt worden waren, reichten bei weitem nicht aus. Zur Begrüßung warnte Bürgermeister Alexander Büttner die Anwesenden vor unrealistischen Erwartungen. „Selbst das beste Konzept kann den Verkehr nicht wegzaubern, sondern lediglich optimieren“, erklärte er.

Und der Optimierungsbedarf hinsichtlich der kurstädtischen Infrastruktur ist groß, das machte der Vortrag Sienkos schnell klar. Allerdings glaubt der Ingenieur, dass die Probleme durchaus in den Griff zu bekommen seien. Die nach der Eröffnung des City Outlet erwarteten Verkehrszahlen seien in keiner Weise beunruhigend, versicherte er. „Vielleicht muss man erst ein Gefühl für die Zahlen bekommen“, vermutete Sienko. So hielten die Kurstädter den aktuellen Verkehr bereits für unerträglich, weil es oft Rückstaus gebe. „Hoher Verkehr, der fließt, ist harmlos. Schon wenig Verkehr, der steht, der nervt“, so der Planer. Allerdings wolle er nicht bestreiten, dass mehr Verkehr kommen wird.

„Aber das ist doch der Sinn dieses Outlets, oder? Und scheinbar der Wille der Mehrheit, denn die Politik hat meines Wissens einstimmig dafür gestimmt“, erinnerte der Ingenieur die Besucher an die politische Realität.

Auf Wunsch einiger Bürger ging Sienko während seines Vortrags zudem auf das Thema Parkhäuser ein und brach eine Lanze für das umstrittene Parkdeck an der Großen Bleiche. Fiele das weg, rechnete er vor, würden fast alle Fahrzeuge, die von der Nöthener Straße kommen, über die gesamte Trierer Straße in Richtung Goldenes Tal fahren. Mit einer umfangreichen Parkmöglichkeit an der Bleiche würden dort jedoch bereits zahlreiche Autos abgefangen.

Verkehrskonzept
Planer Peter Sienko präsentierte das Verkehrskonzept und versuchte, die Sorgen der Bürger zu zerstreuen.
Foto: Michael Greuel

Auch einen Shuttle-Verkehr vom Goldenen Tal in Richtung Innenstadt hält er nicht für sinnvoll. „Dann führen alle Pkw ins Goldene Tal, und der ständige Verkehr der Shuttle-Busse käme noch hinzu“, führte er aus. Shuttle-Verkehr würde demnach nur Sinn machen, wenn die Besucher vor der Stadt abgefangen würden. Den Vorschlag eines Zuhörers, ein Shuttle ab der Autobahnabfahrt Mechernich anzubieten, hält Sienko allerdings für „illusorisch“.

Wolfram Erber wohnt selbst in direkter Nähe zur Nöthener Straße und sagte, er erlebe seit Jahren hautnah mit, dass es sich dort „teilweise bis zum Kurhaus zurückstaut“. Ebendies werde mit der Mehrzahl der Besucher noch öfter vorkommen, prophezeit er. Schließlich würden diese „Menschenwände“ über die geplanten Querungen auf der Trierer Straße zum Orchheimer Tor gehen wollen. Er zeigte sich sogar bereit, gegen den Planer zu wetten und darauf eine Kiste Bier zu setzen. Sienko räumte ein, dass diese Rückstaus ein Problem darstellten, trotzdem aber lösbar seien. Es sei nicht die Menge der Autos, die das Chaos verursachen würden, sondern die Gesamtsituation an der Trierer Straße. „Bis Anfang des Jahres präsentiere ich eine Lösung, die funktioniert“, versprach er – und setzte zwei Kisten Bier gegen Erbers Angebot.

Weitere Ideen gesammelt

Erber und weitere Bürger wiesen zudem darauf hin, dass mit der Menge der Fahrzeuge auch unweigerlich die Belastungen unter anderem durch Lärm und Feinstaub steigen würden. „Für solche Dinge müssen Gutachten erstellt werden. Gibt es keine Überschreitung der Grenzwerte, ist alles okay“, antwortete Sienko. Auf enorme Kritik gleich mehrerer Zuhörer stieß die Idee der Planer, den Busbahnhof auf die andere Seite der Erft zu verschieben. Ein solches Vorhaben sei bereits mehrfach in unterschiedlichen Gremien diskutiert und als nicht sinnvoll erachtet worden. Stattdessen müsse beispielsweise über die Einbeziehung der Parkplätze an der Delle nachgedacht werden, schlug der Nöthener Architekt Heinrich Hachenberg vor. Damit könnten unter anderem auch die Busse aus der Langenhecke verbannt werden, die Situation dort sei unerträglich.

In Gesprächen mit dem Landesbetrieb Straßen sei darüber bereits diskutiert worden, dort habe man sich auch nicht ganz abgeneigt gezeigt, berichtete Sienko. „Allerdings wird das mit bestimmten Bedingungen verknüpft sein, ich werde das aber in unsere Überlegungen miteinbeziehen“, versprach er. Auch die Anregung, vor dem Konvikt Haltemöglichkeiten für Busse zu installieren, nahm der Planer auf.

Eine Buswende vor dem Orchheimer Tor, die ebenfalls zur Sprache kam, hielt er allerdings als beim Landesbetrieb nicht vermittelbar. Ebenso die Idee, das Grundstück, das sich zwischen Großer Bleiche und Trierer Straße befindet, als Straße auszubauen. „Das würde bedeuten, in der Mitte entsteht eine Verkehrsinsel – und da steht meines Wissens ein Hotel drauf. Das funktioniert nicht“, so Sienko.

Nach gut drei Stunden beendete Bürgermeister Büttner die Veranstaltung. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Reihen im Publikum allerdings auch schon arg gelichtet. Im Januar kommenden Jahres sollen die nächsten Planungen fertig sein, vielleicht auch schon mit einem Konzept für den Innenstadtbereich. Die Diskussionen dürften dann ebenfalls in die nächste Runde gehen.

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