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Trainingslager: Was Kießling noch fehlt, ist ein Titel

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Jagd auf die 100-Tore-Marke: Stefan Kießling (links) Foto: KS-Verlag
Der Leverkusener Stürmer Stefan Kießling wird von allen hochgeschätzt — nur von Bundestrainer Löw nicht. Seit 2010 war Kießling in der Nationalelf nicht dabei. Und was den Publikumsliebling für Bayer 04 stark macht, kommt im Spiel der DFB-Elf kaum vor.  Von
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Lagos

Zwei Tore müssen noch geschossen werden, dann hat Stefan Kießling eines seiner Karriereziele erreicht. Zwei Tore fehlen och bis zur Marke von 100 Bundesligatreffern, und der Kreis der Spieler, die das geschafft haben, ist nach 50 Jahren Bundesliga immer noch kleiner als 50 Mitglieder. Es ist ein Nachweis für Beständigkeit über Jahre.

Das zählt für den Leverkusener Stürmer mehr als der Titel des Saisonbesten unter den Angreifern, der sich schon einige Male als Eintagsfliege entpuppte. „Die Torjägerkanone interessiert mich ehrlich gesagt nicht“, sagt Kießling im Trainingslager der Werkself in Lagos.

Unabhängig von der Torquote

25 Treffer im Kalenderjahr haben ihn statistisch zum besten deutschen Stürmer 2012 gemacht. 12-mal hat er in der laufenden Spielzeit getroffen, die persönliche Bestmarke von 21 Toren aus der Saison 2009/2010 scheint erreichbar. Aber so etwas ist ihm nicht wichtig. Und seinem Trainer auch nicht. „Kies ist einer, der unabhängig von der Torquote eine Wichtigkeit hat“, sagte Sascha Lewandowski, „auch in Spielen, in denen er nicht trifft, ist er für unser Spiel immer wichtig.“

2006 kam Kießling als 22-Jähriger aus Nürnberg nach Leverkusen. Ein Talent mit riesigen Füßen, das sich zur Begrüßung die Frage gefallen lassen musste, wie er es denn schaffen wolle, den hochbegabten, aber phlegmatischen Bulgaren Dimitar Berbatow zu ersetzen. „Der Anfang war schwer, zumal es fußballerisch nicht so lief“, sagte Kießling heute.

Es hat gedauert, bis die Leute in Leverkusen wertschätzen konnten, dass diesem Stürmer zwar zwei, drei mehr Bälle versprangen als dem Vorgänger, er dafür aber auch dem vierten und fünften nachsetzt, als würde er nach Kilometern und blauen Flecken bezahlt. Heute ist Kießling Publikumsliebling Nummer eins, volksnah, allürenfrei und bodenständig, ein Aushängeschild. Sportchef Rudi Völler hat seine Stellung neulich mit der von Ulf Kirsten früher verglichen.

Endstation Leverkusen?

„Ich glaube, die Fans sehen, dass ich hier nicht nur einen Vertrag als Zwischenstation unterschrieben habe. Ich habe mich Jahr für Jahr verbessert. Ich spiele hier gerne und mit Herzblut Fußball. Das versuche ich rüberzubringen“, sagt Kießling.
Es könnte sein, dass es die Endstation ist. In zwei Wochen wird er 29, sein Vertrag läuft bis 2015. „Mein erster Ansprechpartner wird immer Bayer Leverkusen sein.“ Vor einigen Tagen ist er mit dem FC Liverpool in Verbindung gebracht worden. „Ich weiß nichts davon. Ich fühle mich hier wohl. Und jetzt mitten im Jahr wird sowieso über nichts gesprochen.“

Was ihm noch fehlt, ist ein Titel. „Sag ich schon seit ein paar Jahren: Ich will schon in den nächsten Jahren noch etwas in die Höhe stemmen“, sagte Kießling, „wir wollten unbedingt dieses Mal im Pokal weit kommen. Das hat leider nicht geklappt. Über die Meisterschaft müssen wir ja nicht groß reden.“ Bleibt die Europa League.

Mit jedem Tor gegen Jahresende 2012 sind die Stimmen, die seine Rückkehr in die Nationalelf fordern, zum Chor angeschwollen. Nur Kießling selbst singt nicht mit. „Ich beantworte die Fragen dazu. Ich kann damit umgehen. Ich fühle mich wohl, so wie es ist.“

Schwieriges Thema DFB

Kießling und die DFB-Elf, das ist ein schwieriges Thema. Seit der WM 2010 war er nicht mehr dabei. Damals nahm ihn Joachim Löw mit nach Südafrika, der Leverkusener kam zu zwei Kurzeinsätzen. Sechs Länderspiele stehen bisher in der Statistik, seit er 2007 beim DFB debütierte. Kürzlich hat Löw betont, er habe Kießling nicht vergessen. Aber niemand kann sagen, ob das mehr war als eine pflichtschuldige Reaktion auf den zunehmenden Ruf der Öffentlichkeit nach Kießling. Und vom Stürmer selbst weiß man, dass seine Erinnerungen an das Großereignis zwiespältig sind.

Die Ehre und die Freude, dabei gewesen zu sein, sind das eine. Die wochenlange Vorbereitung und das zermürbende Warten auf einen Einsatz das andere. Vieles von dem, was Kießling für Leverkusen stark macht, kommt im Spiel der DFB-Elf kaum vor: lange Bälle, die der Stürmer in kräftezehrenden Luft-Duellen behaupten muss. Kießling hält Abstand: „Es ist für mich alles kein Thema. Für mich läuft es, ich bin körperlich gesund, und ich bin im Kopf gesund. Ich weiß nicht, was ist, wenn das Ganze wieder von vorn losgeht.“

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