Wenn der Adler mindestens zwei Runden durchs Stadion da Luz fliegt, dann, so geht die Legende, wird Benfica Lissabon gewinnen. Am Donnerstag vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen zeigte „Vitoria“, das stolze Wappentier des berühmtesten portugiesischen Klubs, überragenden Bewegungsdrang und legte fünf Kreise über dem Platz hin. Es war tatsächlich ein schlechtes Zeichen für die Gäste. Benfica gewann das Rückspiel mit 2:1 (0:0) und zog nach dem 1:0 im Hinspiel ins Achtefinale der Europa League ein. Leverkusen ist wie immer nach Hinspiel-Heimniederlagen im Europapokal ausgeschieden. Eine couragierte Leistung und ein mit Feldvorteilen geführtes Spiel reichten nicht, um das Missgeschick vom vergangenen Donnerstag wettzumachen.
Bayer-Coach Sascha Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä reagierten angemessen auf die kritische Ausgangsposition und boten die vermeintlich stärkste Elf auf. Im Gegensatz zum 0:1 im Hinspiel bedeutete das Rotation auf vier Positionen: Boenisch, Toprak, Carvajal und Reinartz kamen für Schwaab, Hosogai, Kadlec und Hegeler. Benfica-Coach Jorge Jesus wechselte zweimal im Vergleich zu Leverkusen. An einer Sache änderte sich nichts: Wieder hatte Portugals Traditionsklub nur zwei Portugiesen auf dem Platz.
Flottes Spiel mit Vorteilen für Bayer
Leverkusen zeigte von Beginn an Entschlossenheit, das Aus noch abzuwenden. Und da Benfica auch nicht nur den knappen Vorsprung verwalten wollte, ergab sich vor 40000 Zuschauern ein flottes Spiel, in dem sich Bayer 04 Vorteile erarbeitete. Die selbstbewussten Thesen im Vorfeld, wonach Leverkusen diesen Gegner in den Griff bekommen kann, bestätigten sich durchaus. Wenn Bayer 04 schnell und genau kombinierte, geriet Benfica in Not. André Schürrle setzte mit einem schönen Volleyschuss nach einem Eckball von Castro ein erstes Zeichen.
Die ersten 60 Minuten war es gut. Da haben wir viele Sachen gut und richtig gemacht. Da hatten wir mit den zwei Pfostenschüssen und dem Abseitstor die Möglichkeiten, das Spiel zu drehen. Nach dem 0:1 haben wir den Faden verloren, auch das 1:1 hat uns nicht wieder in die Spur gebracht. Wir haben uns dann auch von den Mätzchen von Benfica ein bisschen aus dem Konzept bringen lassen. Wir sind immer drauf angesprungen und haben darüber die gute Struktur immer mehr verloren. Es war von uns mit viel Wollen und mit viel Druck, aber nicht mehr mit dem guten Plan. Da müssen wir lernen, die Ruhe zu bewahren und damit abgeklärter umzugehen. Ich würde es nicht so sehen, dass wir es zu Hause verloren haben. Wir hatten zu Hause ein Chancenplus und heute bis zur 60. Minute auch.
Nach zwölf Minuten spielte Carvajal Stefan Kießling kurz vor dem Fünfmeterraum schön frei, doch der Torjäger schob den Ball an den Pfosten. Benfica antwortete mit einem Kopfball von Enzo Perez, den Bernd Leno abwehren konnte. Nach 36 Minuten forderte Leverkusen einen Strafstoß. Philipp Wollscheid war im Lissaboner Strafraum zu Fall gekommen, doch der tschechische Unparteiische Pavel Kralovec pfiff nicht. Es folgte eine Doppelchance für Schürrle, der einmal kläglich vergab und einmal den Pfosten traf. Es war eine Mischung aus Pech und Abschluss-Schwäche, die das Tor für Bayer 04 verhinderte, das die Partie so sehr verändert hätte. Dabei hatte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nach Begutachtung der Torschussübungen beim Abschlusstraining „drei bis vier Tore“ für möglich gehalten.
Die Teams kamen unverändert aus der Pause, und wieder sorgte Bayer 04 für den ersten Aufreger. Nach Vorarbeit von Carvajal brachte Kießling den Ball im Tor unter, doch der Jubel beim Bayer-Anhang erstarb schnell. Das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits, wohl zu Recht. Der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten. Der Niederländer Ola John traf nach schönem Solo mit einem herrlichen Schuss zum 1:0 für die Gastgeber. Entschieden war damit nur: Eine Verlängerung war ausgeschlossen.
Bayer 04 brauchte nach wie vor zwei Treffer – und erzielte auch bald einen. Der eingewechselte Arkardiusz Milik brachte den Ball zu Schürrle, der Benficas starken Torhüter Artur überwand (75.). Leverkusen musste alles riskieren, und Leverkusen riskierte alles. Auch die Ordnung in der Abwehr. Nemanja Matic vollendete einen Konter zum 2:1. (77.) Das war das Ende der Leverkusener Europapokal-Kampagne 2012/2013.



