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Geschichte: Dem Schmelzofen knapp entgangen

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Wer in den Glockenturm der St.-Lambertus-Kirche hinaufsteigt, wird dort mit einem imposanten Anblick belohnt.  Foto: Markus Clemens
Die Glocken der Bedburger Pfarrkirche St.-Lambertus wurden im Laufe der Jahre öfter ausgewechselt. Die älteste Glocke allerdings, die im Jahr 1539 gegossene Lambertus-Glocke, hängt heute noch im Turm der Kirche und läutet über die Stadt.  Von
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Die Geschichte der Glocken der Bedburger Pfarrkirche St.-Lambertus ist lang. Seit der Einweihung des Gotteshauses im Jahr 1894 wechselte das Geläut des öfteren, häufig von der Obrigkeit durchgesetzt und durchaus gegen den Willen der Bedburger Gläubigen. Die älteste Bedburger Glocke allerdings, die im Jahr 1539 gegossene Lambertus-Glocke, 1000 Kilogramm schwer und in Fis-Tonlage, ist der Gemeinde all die Jahre erhalten geblieben. Sie hängt heute noch im Turm der Kirche, die im Volksmund auch den Namen Erftdom trägt.

Die im Jahr 1539 gegossene Lambertus-Glocke  war nach dem Krieg verschwunden, wurde dann aber durch Zufall wiedergefunden.
Die im Jahr 1539 gegossene Lambertus-Glocke war nach dem Krieg verschwunden, wurde dann aber durch Zufall wiedergefunden.
Foto: Markus Clemens

Weil der damalige Pfarrer Anton Gottfried Savels ihren Klang nicht mochte und sie ein „unmelodisches Geläute“ nannte, wurden im Jahr 1909 bereits die ersten zwei Glocken verschenkt, zwei neue Glocken wurden im gleichen Jahr erworben. Im Sommer des Jahres 1917, während des Ersten Weltkrieges, wurden die beiden Glocken und auch einige der Orgelpfeifen wegen des militärischen Bedarfs an Metall konfisziert. „Die Glocke von 1539 durfte aber wegen ihres kunsthistorischen Wertes zurückbehalten werden“, schreibt Heinz-Gerd Schmitz, Vorsitzender des Bedburger Geschichtsvereins in einem Buch über die Pfarrkirche. Den Nationalsozialisten Jahrzehnte später war dies egal.

„1923 bekam die Gemeinde zwei neue Glocken“, weiß Heinz Nothbaum vom Geschichtsverein. Aufgrund der Inflation wurden sie teilweise durch den Verkauf von Weizen bezahlt. Die Glocken wurden feierlich begrüßt, Mädchen aus der Bahnstraße hatten den Wagen, auf denen sie zur Kirche gerollt wurden, prächtig geschmückt. Lange Zeit sollten sie allerdings nicht in Bedburg bleiben. Während des Zweiten Weltkrieges „wurden sie 1942 demontiert und nach Kall gebracht“, weiß Nothbaum.
Schlimmer noch: Die Lambertus-Glocke von 1539 war auch betroffen. Ein Bittschreiben an Reichsmarschall Hermann Göring, das im April 1943 beantwortet wurde, konnte dies nicht verhindern. Dechant Edmund Bungartz war damals voller Trauer: „Nun steht der schöne Kirchturm da wie ein stummer Riese. Totenstill“, notierte er. Froh waren die Bedburger Gläubigen, dass sie rasch nach dem Krieg drei Stahlglocken bekamen, eine davon steht heute noch gleich neben der Pfarrkirche. Die Freude für die Gläubigen sollte aber noch größer werden: „Die Lambertus-Glocke ist nicht eingeschmolzen worden, sie wurde 1947 im Düsseldorfer Hafen gefunden“, berichtet Nothbaum. Unklar ist, wie sie nach Düsseldorf kam. Verschont blieb sie, weil die Öfen in Hamburg, in denen all die Kirchenglocken geschmolzen werden sollten, durch britische Luftangriffe zerstört wurden.

Noch vor Weihnachten 1947 konnte sie wieder im Turm angebracht werden. An den Stahlglocken sollten die Gläubigen allerdings nicht lange Freude haben. „Sie haben eine begrenzte Lebensdauer und sind in schlechten Zustand“, steht in einem Protokollbuch. So wurde beschlossen, dass die Kirche im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens fünf neue Glocken bekommen sollte. Am 2. Juni 1994 wurden sie, die nach den Heiligen Petrus und Paulus, Lambertus, nach Maria, Anna und den Schutzengeln benannt sind, von Kardinal Meisner geweiht. 230 000 Mark haben die Glocken gekostet, gut angelegtes Geld, wie Meisner versicherte. Sie seien ein Geschenk an kommende Generationen, erklärte er damals im Rahmen eines Festhochamtes. Und er beglückwünschte die Gläubigen: „Ihr habt gut daran getan, dass ihr euch ein solch schönes Geläut angeschafft habt.“ Seit diesen Tagen, so ist weiter in dem Protokollbuch vermerkt, „rufen die Glocken uns zu frohen, festlichen und traurigen Anlässen in die Pfarrkirche.“ Und in der Silvesternacht wird mit ihnen das neue Jahr begrüßt.

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