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Verkauf: Mister Kaster erhebt keine Zölle

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Gruppenbild mit dem Bürgermeister von Bedburg und dem Werwolf von Kaster: Bruce Kaster (r.) wurde standesgemäß begrüßt. Foto: Joachim Roehrig
Das Erfttor ist feierlich an seinen neuen Eigentümer, den US-Amerikaner Bruce Kaster, übergeben worden. Eigentlich sollte die Stadtmauer im Besitz der Stadt bleiben. Der Verkauf war nötig geworden, um den Haushalt zu entlasten.  Von
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Bedburg-Kaster

Als Josef Vogt vom Arbeitskreis Altstadt Kaster erzählte, dass das historische Gemäuer im Mittelalter als Zollstation gedient habe, wo die vom Kölner ins Jülicher Land einreisenden Kaufleute ihren Obolus entrichten mussten, wurde der neue Eigentümer des Erfttores hellhörig: „Sehr interessant, diese Sache mit den Zöllen. Eine schöne alte Tradition ist das. Vielleicht kann ich sie ja wieder einführen.“

Kaum hatte er’s ausgesprochen, machte der Mann aus Amerika aber gleich einen Rückzieher – man weiß ja nie, wie diese Deutschen auf Südstaaten-Humor reagieren: „Nein, nein, keine Sorge, Freunde, war nur ein Gag. Das Passieren des Erfttores bleibt natürlich frei. Vorerst zumindest.“

Der charmante Mittsechziger, der sich den Leuten in Alt-Kaster am Samstag auf einer zünftigen Begrüßungsparty als neuer Nachbar vorstellte, heißt Bruce Kaster, betreibt in Florida eine erfolgreiche Anwaltskanzlei und hat der Stadt Bedburg vor wenigen Tagen für angeblich gut 100 000 Euro das mittelalterliche Erft-Stadttor mit dem dazugehörenden kleinen Wohnhaus abgekauft.

In Kaster ist Bruce Kaster längst bekannt und beliebt. Auf den Spuren seines Vaters, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat im Bedburger Land stationiert war und der Familie von der zufälligen Namensübereinstimmung berichtet hatte, kam der Amerikaner vor über zehn Jahren erstmals nach Alt-Kaster. Er verguckte sich sofort in das idyllische Städtchen und ist seitdem fast jedes Jahr für ein, zwei Wochen wiedergekommen. Die Besuchsfrequenz könnte sich nun, da Bruce Kaster ein festes Domizil im Ort hat, weiter erhöhen.

Im Vorfeld hatte es einige Irritationen gegeben, weil die historische Stadtmauer mit den drei Toren laut einem alten Beschluss des Rates eigentlich dauerhaft in städtischem Eigentum bleiben sollte. Davon ist eine große Ratsmehrheit nun abgewichen, um den Haushalt zu entlasten.

Josef Vogt vom Altstadt-Kreis zeigt sich darüber nach wie vor nicht sonderlich begeistert. „Es beruhigt uns jedoch, dass das Erfttor an einen Freund gegangen ist, der ein Herz für Alt-Kaster hat und der nicht nur vom Namen her gut hierher passt“, so Vogt. „Einen Besseren als Bruce Kaster hätten wir in der Tat kaum finden können“, meint auch FDP-Fraktionschef Jürgen Mitter, der als Werwolf verkleidet gekommen war, allerdings nicht, um Furcht zu verbreiten. Mitter wollte dies als spaßige Anspielung auf die Historie von Alt-Kaster verstanden wissen.

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