26.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Bedrohung durch den Türsteher gespürt

Mühselige Kleinarbeit in Saal 210 des Kölner Landgerichts: „Wer hat wen wann und wo gesehen?“ lautet die zentrale Frage im Prozess gegen den Ex-Mitinhaber des „Tingel Tangel“, Salvatore (Pino) E., die jedem Zeugen aufs Neue gestellt wird. Der Diskothekenbetreiber hatte im November vergangenen Jahres seinen ehemaligen Türsteher Aldo C. angeblich aus Todesangst vor dem Lokal erschossen. Während die Verteidigung von Notwehr spricht und der Staatsanwalt den Angeklagten wegen Totschlags zur Verantwortung ziehen will, spricht die Nebenklage von einer „eiskalten Hinrichtung“ und bezeichnet die Tat als Mord.

Die Zeugen, die am dritten Verhandlungstag im Prozess ihre Aussage machen, sind für das Gericht deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie parteilose, unvoreingenomme Personen sind. Der Zufall wollte es, dass die Passanten gerade in dem Moment „hautnah am Tatgeschehen“ waren, wie es der Vorsitzende Richter formuliert. Beispielsweise der Verwaltungsangestellte Christoph S. (29), der mit Freunden aus Siegburg in Köln einen netten Abend verbringen wollte und am Eingang des „Tingel Tangel“ vorbeikam, als sich dort das Verbrechen ereignete.

„Das war keine freundliche Unterhaltung, die Situation drohte zu eskalieren“, beschreibt der junge Mann die Stimmung. Für ihn ging die Bedrohung ganz eindeutig von dem Türsteher aus: „Ich hatte das Gefühl, er wollte die anderen nicht in das Lokal lassen.“ Der Zeuge hat selber jahrelang in der Gastronomie gearbeitet: „Ich hab ein Gespür dafür, wann es Ärger gibt. Hier war das der Fall.“ Und er erinnert sich an die drohenden Worte des Türstehers, die an alle drei Kontrahenten gerichtet waren: „Ich mach Euch alle platt, einen nach dem anderen mach ich fertig“ – und bestätigt damit die Notwehrsituation des Angeklagten. Den tödlichen Schuss hatte der junge Mann, genau wie die anderen Zeugen, nicht mit bekommen.

„Aldo war unberechenbar“, sagte sein ehemaliger Kollege Carlo B., der C. schon 15 Jahre kannte und sich an gemeinsame Türdienste mit dem Bodybuilder erinnerte: „Es kam öfter vor, dass er zuschlug. Wenn die Leute wissen wollten, warum er sie nicht reinließ, gab's eins auf die Glocke.“

Die Eltern des Opfers schütteln bei diesen Schilderungen verständnislos den Kopf und halten an der Mordtheorie fest: „Aldo war wie ein Kind, ein lieber Junge“, sagt sein Vater auf dem Gerichtsflur.


  • Nachrichten
  • Politik
  • Sport
  • Panorama
Newsticker