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Restauratorin: Ein Krimi mit Madonna aus Holz

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Die Marienfigur in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Much-Marienfeld hat Anna Bungenberg aufwendig restauriert. Foto: Julia Kaiser
Anna Bungenberg ist angehende Restauratorin. Feinarbeit ist in ihrem Beruf äußerst wichtig. Wenn man bei der Reinigung eines Kunstwerkes nur einen Moment zu lange auf derselben Stelle reibt, kann schon die Farbe abgehen.  Von
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Much

Es gibt Tage, da fühlt sich Anna Bungenberg wie eine Detektivin. Akribisch begibt sie sich auf Spurensuche. Sie sichert Beweise, untersucht Indizien. Ein Riss, ein Wachsfleck, ein Schmutzpartikel – alles kann zum Hinweis werden. Ihre letzte Klientin stammt aus Tirol, aus dem frühen 19. Jahrhundert. Lange Zeit hielt sie sich in einer Kirche auf, genauer gesagt, in Marienfeld. Ein wahrer Krimi ist gelüftet. Doch für Anna Bungenberg ist der Fall damit nicht abgeschlossen. Denn die 21-Jährige ist angehende Restauratorin. Sie hat ermittelt, woher die Marienstatue aus der Kirche Sankt Mariä Himmelfahrt stammt. Danach hat sie die kostbare Skulptur aufwendig von Hand aufgearbeitet.

Der Studiengang „Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgegenständen“, den sie derzeit in Dresden belegt, sei keineswegs trockene Materie, so Bungenberg. Es ist eine nahezu kriminalistische Wissenschaft. Die Madonna musste trotz aller Verehrung so einiges aushalten, fand Bungenberg heraus: „Sie wurde im Gottesdienst immer mal wieder versehentlich mit heißem Wachs bespritzt. Außerdem setzten der Kerzenrauch und der Weihrauch dem Holz zu.“

Anna Bungenberg
Anna Bungenberg
Foto: Privat

Auch die erheblichen Temperaturunterschiede im Gotteshaus gingen nicht spurlos an der Figur vorüber: Wärme im Sommer und klirrende Kälte im Winter zogen im Laufe der Jahre tiefe Risse in das Holz. Die Farbe blätterte ab, die wertvollen Goldverzierungen wurden matt. Nun, so entschied der Pfarrgemeinderat, sollte die Marienfigur restauriert werden.

Dass sie mit Anna Bungenberg aus Wersch eine Fachfrau direkt vor der Haustür hatten, war für die Mitglieder ein unschätzbarer Vorteil. Und zwar wörtlich gemeint. Denn, erklärt die junge Restauratorin: „In deutschen Kirchen schlummern unendlich viele Kunstgegenstände, die aufgearbeitet werden müssten.“

Doch die Aufträge gehen zumeist an Freiberufler, die wiederum für die wochen- oder sogar monatelange Geduldsarbeit hohe Rechnungen stellen. Zuweilen schlage die Überholung einer einzigen Figur mit 10 000 Euro oder mehr zu Buche. „Viele Gemeinde können sich das nicht leisten.“ Die Marienfelder jedoch fanden einen idealen Kompromiss: Die Studentin konnte weitere Praxiserfahrung sammeln, der Pfarrgemeinderat musste nicht so tief in die Tasche greifen wie für einen ausgelernten Profi. Und die Madonna erstrahlt in neuem Glanz.

Wenn die Farbe abbröckelt oder ganze Stücke an den Figuren abgebrochen sind, beginnt die Arbeit von Anna Bungenberg. Bilder: Julia Kaiser Foto: Julia KAiser

Drei Wochen, berichtet die 21-Jährige, hat sie mit den Arbeiten an der rund 1,50 Meter großen Figur verbracht. Die seien genau jene Feinstarbeit, die sich Laien gemeinhin darunter vorstellen: Mit Schwämmchen und Wattestäbchen reinigte Bungenberg die Figur von Ruß und Schmutz. „Man muss extrem vorsichtig sein. Wenn man nur einen Moment zu lange auf derselben Stelle reibt, kann schon die Farbe abgehen.“ Nach der Reinigung steht das Kitten an. Ist ein Stück mit Oberflächen-Struktur abgebrochen, muss diese mit Feingefühl nachgeprägt werden – und zur Not mit einem Dentalbohrer. Die Studentin aus Wersch lacht. Ihr Geheimnis: Sie benutzt alte Zahnarztbestecke. „Da hat jeder seine eigenen Tricks.“

Risse kitten

Sind Risse und Ausbrüche gekittet, muss die Farbe wieder drauf. Das soll aber am Ende nicht so aussehen, als sei die Figur fabrikneu. Die Goldpigmente zum Auftupfen sollen genauso anmuten wie der Rest: Wie ein historisches Kunstwerk, das in gutem Zustand ist. Die Figur, die inklusive Strahlenkranz zwei Meter hoch sein dürfte, schätzt Bungenberg, habe sie im Haus ihrer Oma in Wersch bearbeitet. Die wiederum hat wohl nicht schlecht gestaunt, als sie unversehens eine knapp lebensgroße Muttergottes in ihrer guten Stube vorfand. „Hat aber trotzdem geklappt“, sagt die Studentin. Wohngemeinschaft, einmal anders. Die ganzen Leime, Kitte, Farben, Pigmente, die Fotografien, mit denen sie ihre Arbeit dokumentiert hat, und natürlich das Zahnarztbesteck hat Bungenberg wieder eingepackt. Die Madonna ist zurück an ihrem alten Platz – in der Marienfelder Kirche.

Noch ein paar Semester, dann wird die Werscherin ihr Studium abgeschlossen haben. Ob sie dann nach Much zurückkehrt, weiß sie noch nicht. Neben der Marienfelder Figur hat sie auch schon eine Kirchenskulptur aus Wellerscheid restauriert. Ein weiterer Auftrag, hofft Bungenberg, könnte im Sommer winken.

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