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Straßenbauer: Mit dem Griff zur Schaufel geht's los

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Jan Ottersbach (links) erlernt in dritter Generation das Handwerk des Straßenbauers, sein Ausbilder Hans-Henning Reuter. Foto: Jens Höhner
Der Beruf des Straßenbauers ist hart, doch bietet er ein solides Fundament für die spätere Laufbahn. Schulnoten spielen keine Rolle, vom Hauptschüler bis zum Abiturienten sind unter den Lehrlingen alle Schulabschlüsse vertreten.  Von
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Much

Heute Flughafen-Baustelle, morgen ein Möbelhaus: Wenn Jan Ottersbach Vater ist, kann er seinen Kindern zeigen, was er geleistet und wo er Hand angelegt hat. „Das Ergebnis meiner Arbeit steht vielleicht für die Ewigkeit“, überlegt der 18 Jahre alte Lehrling. Er tritt gerade in die Fußstapfen des Großvaters und des eigenen Vaters: In dritter Generation erlernt der junge Mann aus Ruppichteroth das Handwerk des Straßenbauers, sogar bei dem selben Unternehmen, bei Dr. Fink-Stauf in Much. „Ich bin mit diesem Beruf aufgewachsen, er hat mich immer schon fasziniert“, verrät der Junior.

Schon heute steht fest, dass Jan Ottersbach nach der Lehre einen sicheren Arbeitsplatz hat und dass er zudem die Meisterschule besuchen kann. Die Worte von Lehrlingswart Hans-Henning Reuter sind klar: „Wir bilden aus, um zu übernehmen.“ Und damit die Fachkräfte der Firma treu bleiben, zahlt der Arbeitgeber die Fortbildung zum Meister bei vollem Gehalt. Üblich sei das nicht in der Branche, sagt Firmenchef Richard Fink-Stauf: „Normalerweise leben die Kollegen in dieser Zeit von Hartz IV. Gleichzeitig aber sind sie in dem Alter, in dem sie eine Familie gründen.“ Und das vertrage sich nun mal nicht mit der eher kargen Unterstützung durch den Staat. „Im Gegenzug verpflichten sich die Straßenbauer für fünf weitere Jahre bei uns.“

Sechs bis acht Jugendliche erhalten pro Jahr einen Lehrvertrag in Much, ohne ein Praktikum in den Osterferien gibt es den indes nicht. „Der Beruf ist hart“, betont Ausbilder Reuter. „Davon sollten sich künftige Bewerber schon früh ein Bild machen.“ Schulnoten spielen bei der Bewerbung kaum eine Rolle, die Abschlüsse reichen von der Förderschule bis zum Abitur. „Denn die Berufe im Straßenbau eignen sich hervorragend als Grundlage für andere Tätigkeiten“, betont Reuter. So absolvieren alle Lehrlinge zunächst die zweijährige Ausbildung zum Tiefbau-Facharbeiter, im dritten Jahr erfolgt die Unterweisung zum Straßenbauer. Reuter: „Jeder Jugendliche hat damit schon nach zwei Jahren einen Abschluss in der Tasche und einen Beruf erlernt.“ Beide Ausbildungen seien von den Inhalten her identisch, der erste Tag ist stets derselbe: „Ich zeige unserem Nachwuchs, wie man die Schaufel richtig hält“, verrät der Ausbilder und Betriebsratschef.

Auf die vielfältigen Möglichkeiten zur Spezialisierung nach der Lehrzeit verweist auch Stefanie Führling, Geschäftsführerin der Bundesfachabteilung Straßenbau im Hauptverband der deutschen Bauindustrie. „Uns gehört sowohl der Bereich unter der Straße als auch der darüber – bis hinauf zur Oberkante des Bordsteins“, schildert die Berliner Diplom-Ingenieurin, denn auch der Kanalbau gehört zu diesem Beruf. Die Asphalt- oder Beton-Fertigung oder auch der Pflasterbau seien bereits Spezialisierungen. „Aber die meisten deutschen Straßen sind aus Asphalt“, erklärt die Fachfrau. Sie weiß indes auch, dass es in der Baubranche viele schwarze Schafe gibt. Daher rät Stefanie Führling künftigen Bewerbern, gezielt Fragen zu stellen. „Ein seriöses Unternehmen stellt Lehrlingen immer einen Betreuer zur Seite“, betont sie. Überdies helfe jede örtliche Handwerkerschaft gern bei der Wahl des Betriebs.

Bauwerke für die Ewigkeit

„Zwar verbringen die jungen Leute viel Zeit am Berufskolleg in Köln oder auch im überbetrieblichen Ausbildungszentrum“, schildert Hans-Henning Reuter. „Doch sind sie auch bei uns voll eingebunden in die Arbeit.“ Ein Shuttlebus holt die Beschäftigten Tag für Tag ab und bringt sie zum Firmensitz nach Much. Wer den richtigen Betrieb für die Lehre schließlich gefunden hat, muss sich zudem auf lange Fahrzeiten zur Baustelle in Kauf nehmen, denn nicht jedes Vorhaben sei gleich um die Ecke, schildert Richard Fink-Stauf.

Seine Unternehmensgruppe mit mehr als 500 Angestellten sei derzeit an den Flughäfen Köln/Bonn, Düsseldorf und Frankfurt am Main beschäftigt, hinzu komme das Autobahnkreuz Duisburg-Süd bei Krefeld. Doch auch der neue Baubetriebshof in Hennef ist ein Vorhaben, das Lehrling Jan Ottersbach womöglich kennen lernt. „Bisher habe ich nur am S-Bahn-Haltepunkt im Siegbogen gearbeitet“, blickt der junge Mann zurück. „Das war toll: Diese Haltestelle bleibt sicher lange bestehen.“

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