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"Earth Hour": Eine Stunde ohne Licht

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Während der "Earth Hour" wurden auch die Lichter im Medio und in der Stadtbücherei ausgeschaltet.  Foto: Anja Musick
Auch die Städte Kerpen und Bergheim haben angekündigt, sich an der Aktion "Earth Hour" zu beteiligen. Drei Kirchen, das Kolping-K-Monument und das Medio schalteten ihre Lichter aus. Bemerkt wurde es jedoch kaum.  Von
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Bergheim/Kerpen

Um 20.30 Uhr ist es soweit. Die Lichter gehen aus. Nicht überall. Aber beispielsweise an der Kirche St. Martinus in Kerpen. Eigentlich gehen sie schon vier Minuten früher als angekündigt aus. Das macht nichts. So kann wenigstens noch mehr Energie gespart werden.

Denn das ist Sinn und Zweck der Aktion „Earth Hour“. Im Jahr 2007 haben sich Mitglieder der australischen Sektion der Umweltorganisation „World Wild Fund for Nature“ (WWF) die Aktion ausgedacht. Was damals in Sydney mit dem Abschalten der Beleuchtung der Skyline begann, hat sich mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Eine Stunde Stromsparen für die Umwelt – die Idee fand so viel Anklang, dass im vergangenen Jahr bereits 6525 Städte in 150 Ländern mitmachten.

Auch die Städte Bergheim und Kerpen haben die Teilnahme angekündigt. Sie sind zwei von 130 Städten, die sich in Deutschland beteiligen. In Kerpen wird an der Martinuskirche, der Kirche St. Maria Königin in Sindorf, der Clemenskirche in Horrem und an dem so genannten „Kolping-K-Monument“ auf dem Verkehrskreisel am Erft-Karree die Beleuchtung ausgeschaltet. In Bergheim sollen das Medio samt Stadtbücherei sowie die Feuerwache in Kenten eine Stunde nicht beleuchtet werden. Außerdem sind alle Privatpersonen aufgefordert, zu Hause mitzumachen.

Die Skulptur auf dem Verkehrskreisel am Erft-Karree sollte im Rahmen der Earth Hour ebenfalls abgeschaltet werden.
Die Skulptur auf dem Verkehrskreisel am Erft-Karree sollte im Rahmen der "Earth Hour" ebenfalls abgeschaltet werden.
Foto: Anja Musick

Buckingham Palast, Tokio-Tower, Taj Mahal, Empire State Building, Eiffelturm, Brandenburger Tor, Kölner Dom – alles soll um 20.30 Uhr Ortszeit in Dunkelheit versinken. Was in den weltweiten Großstädten zu einem eindrucksvollen Spektakel wird, geschieht in Bergheim und Kerpen eher unbemerkt. Als im Medio die meisten Lichter bis auf eine Notbeleuchtung ausgehen, ist in der Fußgängerzone nichts los. Sie ist komplett menschenleer. Der eisige Wind fegt durch die Straßen. In einem Büro brennt aber noch grelles Neonlicht.

Was ist denn da los? Der verwunderte IT-Techniker, der sich zu später Stunde um das Computersystem des Medio kümmert, entschuldigt sich: „Ich muss ja beim Arbeiten etwas sehen können.“ In Bergheim wird augenfällig, dass das Abschalten der Beleuchtung der Veranstaltungshalle zwar ein gut gemeintes Zeichen ist. In Anbetracht der starken Illumination der restlichen City gerät die Aktion aber zum berühmten Tropfen auf dem heißen Stein. Die Innenstadt ist gegen 21 Uhr fast taghell. In allen Geschäften brennt Licht, die Reklametafeln sind beleuchtet. Die Straßenlaternen brennen. Scheinwerfer vor dem Rathaus gleißen ebenfalls.

Für eine Stunde blieb die Martinuskirche in Kerpen unbeleuchtet.
Für eine Stunde blieb die Martinuskirche in Kerpen unbeleuchtet.
Foto: Anja Musick

Auch in der Feuerwache brennen noch Lichter. Der diensthabende Wachmann gibt über die Lautsprecheranlage am Hauptportal Auskunft: „Die Fahrzeughalle haben wir abgeschaltet. Das Licht ist nur dort an, wo wir unbedingt auch etwas sehen müssen. Also in den Fluren, vor Türen und in den besetzten Büros.“ Verstehen kann man auch das. Konsequent ist das aber nicht.

Als die Kerpener Martinuskirche in der Dunkelheit verschwindet, sind kaum Leute unterwegs. Eine Passantin eilt vorbei. „Ach ja“, staunt sie, als sie auf die dunkle Kirche angesprochen wird. „Ist mir gar nicht aufgefallen. Die Aktion kenne ich gar nicht. Das mit dem Stromsparen ist aber eine gute Idee. So viel Licht in der Nacht braucht ja eigentlich kein Mensch.“ Tatsächlich ist auch in Kerpen das Umgebungslicht so hell, dass der Effekt nicht wirklich groß ist.

Familien machten bei der Earth Hour auch mit. Spielen funktioniert auch bei Kerzenschein.
Familien machten bei der "Earth Hour" auch mit. Spielen funktioniert auch bei Kerzenschein.
Foto: Anja Musick

Bei der Fahrt durch ein Kerpener Wohngebiet scheint es dunkler als sonst zu sein. Ist das nur Einbildung? Die Rollläden an den Einfamilienhäusern sind geschlossen. Nur durch die Fenster eines Hauses dringt verräterisch flackerndes Licht.

Tatsächlich hat Familie Herbst den Strom abgeschaltet. Kerzen brennen. Die Kinder kauern auf dem Teppich im Wohnzimmer, trinken Vanilletee, spielen Uno und „Mensch ärgere dich nicht“. Sich mit vielen Millionen Menschen zeitgleich zu solidarisieren, weil alle das Bedürfnis haben, die Erde zu schützen, sei ein gutes Gefühl, meint Sabrina Herbst. Die Aktion habe großen Vorbildcharakter und beeindrucke vor allem die Kinder nachhaltig. Nächstes Jahr machten sie auf jeden Fall wieder mit. Und auch die Städte haben angekündigt, im kommenden Jahr die Beleuchtung von weiteren öffentlichen Gebäuden abzuschalten.

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