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Ausflug am Vatertag: Rassistischer Übergriff auf Camper?

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Klaus-Peter Berndt und seine Frau Dorothee haben keine gute Erinnerung an ihren Familienausflug in die Eifel. Foto: Dennis Vlaminck
Ein Familie ist auf einem Campingplatz in Heimbach offenbar massiv rassistisch angefeindet worden. Die Familie fühlte sich so bedroht, dass sie von dem Platz flüchteten. Weder Polizei noch der Platzinhaber sollen eingegriffen haben.  Von
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Bergheim/Heimbach

„In Heimbach wird Gastlichkeit und Gastfreundschaft großgeschrieben.“ Mit diesem Satz wirbt ein Campingplatz in Heimbach auf seiner Internetseite. Auch Klaus-Peter Berndt freute sich mit seiner Frau Dorothee, seinem Sohn und dessen Freundin auf einen Kurzurlaub in der Eifel. Doch der Ausflug der Familie endete im Streit: Auf dem Campingplatz im Kreis Düren erfuhren die Bergheimer nach eigenen Angaben rassistische Anfeindungen. Weder die Polizei, der Inhaber des Platzes noch andere Camper seien ihnen zu Hilfe gekommen.

An der Rur

Dabei hatte alles gut angefangen. An Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 9. Mai, fuhr die Familie mit ihrem Wohnmobil zu einem verlängerten Wochenende auf den Campingplatz. Sie hatte einen Platz gleich an der Rur. Offenbar waren auch andere Camper in der Laune, den Vatertag zu feiern. „Drei Männer, Dauercamper des Platzes, fragten uns, ob sie in der Nähe unseres Wagens ein Feuer machen dürften“, erzählt Berndt. „Wir hatten nichts dagegen.“

Doch dann habe man gesehen, was als Brennholz von einem Anhänger abgeladen wurde: „Küchenarbeitsplatten, Holz mit Montageschaumresten, Teppiche, lasiertes Holz und anderer Sondermüll“, sagt Berndt. Von ihrer Zusage rückte die Familie ab. Doch die Gruppe habe darauf beharrt, dass es sich um normales Feuerholz handele. Berndt berichtet, er habe den Inhaber des Platzes informiert, doch der habe nur gesagt, dass er die Leute kenne und ja auch nicht gleich der ganze Haufen verfeuert werden solle.

„Einer der Männer sagte dann, wir sollten keinen »Negeraufstand« machen“, berichtet Berndt. Der Mann habe dabei auf die dunkelhäutige Freundin (24) von Berndts Sohn geschaut. Nachdem sich die Familie gegen rassistische Äußerungen verwahrt habe, sei es erst recht hoch hergegangen. Als die Gruppe auf etwa zwölf Leute anwuchs, fühlte sich die Familie nach eigenen Angaben bedroht, habe – vergebens – den Platzinhaber angerufen und dann einen Notruf abgesetzt. Im Anrufprotokoll von Berndts Handy ist für 17.34 Uhr ein zweiminütiger Anruf an die 110 eingetragen. „Uns wurde zugesichert, dass sowohl die Polizei kommt als auch die Feuerwehr“, sagt Berndt. Auch einen Rückruf der Polizei wenige Minuten später habe man erhalten. „Der Polizist erkundigte sich nach der Lage des Platzes.“

Das Feuer habe inzwischen gebrannt und der Inhaber des Platzes sei erschienen. „Er teilte uns mit, dass die Leute das Feuer nun ausbrennen lassen würden.“ Rassistische Äußerungen stritten die Männer allerdings ab.

Kaum sei der Inhaber wieder weggewesen, habe sich die Situation zugespitzt. Männer der Gruppe seien bis unter das Vorzelt des Wohnmobils gekommen, es seien Sprüche gefallen wie „Schwarzes Holz brennt besonders gut“ und „Wir sind hier in Deutschland und können sagen, was wir wollen“. Und als Anspielung auf ein schokoladenüberzogenes Eis: „Ich nogger mir gleich einen.“ „Ich habe Angst gehabt und geweint“, sagt die 24-Jährige, deren Vater aus Gambia stammt.

Die Familie zog sich nach eigenen Angaben in das Wohnmobil zurück, ein Mann der Gruppe sei dann um das Fahrzeug herumgegangen und habe Fotos gemacht. „Wir hatten alle etwas getrunken, daher konnten wir nicht selbst wegfahren“, sagt Dorothee Berndt. Also habe man einen Nachbarn aus Bergheim gebeten, vorbeizukommen und die Familie abzuholen. „Wir wurden mit Gesängen und Tücherwinken verabschiedet“, sagt Dorothee Berndt.

Der Inhaber des Campingplatzes, Georg Wergen, spricht von einem „Zusammenspiel unglücklicher Umstände“. Berndt sei selbst „massiv alkoholisiert“ gewesen. Aus der Gruppe sei seines Wissens nicht von einem „Negeraufstand“, sondern von einem „Mega-Aufstand“ gesprochen worden. Ausländerfeindlichkeit gebe es auf seinem Platz nicht. „Ein Campingplatz funktioniert nur, wenn viele Kulturen miteinander auskommen. Hier wohnen Holländer neben Türken, Belgiern, Engländern und Deutschen.“ In 45 Jahren habe er auf seinem Platz keinen rassistischen Übergriff gehabt. Bei der Gruppe handele es sich „um vier solide Ehepaare“.

Tief getroffen

Wilhelm Schmidt, der nach eigenen Angaben dieser Gruppe angehört, fühlt sich vom Rassismus-Vorwurf tief getroffen. „Ich bin mit einer Deutsch-Rumänin verheiratet. Was der Mann sagt, stimmt nicht.“ Er räumt ein, dass auf dem Holzhaufen behandeltes Holz gewesen war. „Auf Wunsch des Mannes haben wir das Feuer ausbrennen lassen und sind mehrere Hundert Meter weggegangen. Dort haben wir dann reines Brennholz verwendet, das wir uns noch eigens beim Platzinhaber gekauft haben.“ Berndt hingegen sei auf Streit ausgewesen. „Aber wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Die Polizei Düren sah sich am Freitag wegen einer Übung nicht zu einer Stellungnahme in der Lage.

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